LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Russell Crowe als brutaler Mörder in „Unhinged“

Die Karriere des neuseeländischen Schauspielers Russell Crowe begann im Fernsehen. Mit den Kinofilmen „L. A. Confidential“ (1997) und „Insider“ (1999) wurde er international bekannt und zum Weltstar mit dem Gewinn des Oscars als bester Hauptdarsteller in „Gladiator“ (2000). Danach spielte er die unterschiedlichsten Rollen, wie ein mathematisches Genie in „A Beautiful Mind“ (2001), einen Banditen in „3:10 to Yuma“ (2007), Robin Hood im gleichnamigen Film von 2010, er sang Javert in der Verfilmung vom Musical „Les Misérables“ (2012), baute die Arche in „Noah“ (2014) oder versuchte als Dr. Jekyll einer Mumie in „The Mummy“ (2017) neues Leben einzuhauchen. Auch wenn verschiedene seiner Charaktere nicht immer sympathisch waren, spielte er nie einen derart fiesen Kerl wie nun in „Unhinged“ von Derrick Borte, eine Rolle, für die er gut und gerne 30 Kilo zulegen musste. „Unhinged“ bedeutet „aus dem Gleichgewicht geraten“.

Ein schlechter Tag

Für Rachel (Caren Pistorius) fängt der Tag fast normal an. Weil sie sich verschlafen hat muss sie etwas Gas geben, um zeitig ihre Arbeit zu beginnen und ihren Sohn Kyle (Gabriel Bateman) noch in die Schule zu fahren. Bei einer roten Ampel will ihr Vordermann nicht bei Grün losfahren, und so hupt sie. Dieses Hupen gefällt dem Kerl (Russell Crowe), der sich später Tom Cooper nennt, nicht. Angepisst versucht dieser von Rachel eine Entschuldigung zu erhalten, die ihm aber verweigert wird. Er fährt ihr nach und bedrängt sie. Als sie glaubt, ihn abgeschüttelt zu haben, taucht er auf einer Tankstelle wieder auf. Ein schrecklicher Albtraum beginnt für Rachel. Der Kerl droht damit ihrem Sohn oder ihrem Bruder Fred (Austin P. McKenzie) etwas anzutun.

Gnadenlos

Der Film beginnt vielleicht etwas zu schablonenhaft. Bei Regen und in der Nacht beobachtet Tom ein Haus. Er schlägt die Tür mit einem Hammer an, tötet die Bewohner und zündet das Haus an. Der deutsche Regisseur Borte zeigt die Taten eines brutalen und gnadenlosen Mannes, der von der Ehe, den Frauen und den Manieren der Menschen enttäuscht ist. Tom will mit seinen blutigen und tödlichen Handlungen diese Leute zur Rechenschaft ziehen. Von Rachel verlangt er nur eine ehrliche Entschuldigung, aber die Frau ist sich keiner Schuld bewusst. So wird sie das Opfer dieses Monsters. Generell zeigt der Regisseur ebenfalls, dass die Menschen von der modernen Technik abhängig sind, wie hier Rachel von ihrem Handy, ohne das sie verloren ist. Auch Tom benutzt diese neuen Erfindungen, um sein Opfer zu verfolgen und zu terrorisieren.

Russell Crowe spielt seine Rolle hervorragend. Ohne mit der Wimper zu zucken schlägt er Kyle, tötet und macht nicht nur Rachel Angst, sondern fesselt die Zuschauer an ihre Kinosessel. Caren Pistorius („Mortal Engines“) kann nur bedingt überzeugen, weil einige ihrer Aktionen nicht von Logik getragen werden, wie ihr hilfloses und teils kindische Handeln ohne Handy. Natürlich gilt das Argument, wenn sie die Polizei über andere Wege kontaktiert hätte, dann hätte sich keine Spannung aufgebaut.

„Unhinged“ ist dank der Leistung von Crowe ein sehenswerter Thriller geworden.