DEN HAAG/LUXEMBURG
IZ/DPA

Schlag gegen die ’Ndrangheta - Auch zwei Festnahmen im Großherzogtum

Bei großangelegten Razzien gegen Mitglieder der italienischen Mafiaorganisation ’Ndrangheta in Deutschland und weiteren Ländern sind rund 90 Tatverdächtige festgenommen und bis zu 4.000 Kilogramm Kokain sowie 140 Kilogramm Ecstasy-Pillen beschlagnahmt worden. Das teilte die Europäische Justizbehörde Eurojust gestern bei einer internationalen Pressekonferenz in Den Haag mit. Mehrere Hundert Polizisten, darunter Spezialkommandos, Staatsanwälte und Kriminalbeamte, waren daran beteiligt. Um die Aktion vorzubereiten, haben die beteiligten Strafverfolgungsbehörden seit 2016 in einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe eng zusammengearbeitet, unterstützt von der europäischen Justizagentur Eurojust und der EU-Polizeibehörde Europol in Den Haag. Allein in Deutschland seien bis zum Beginn der Pressekonferenz gegen Mittag 14 Verdächtige in Gewahrsam genommen worden. Insgesamt werde im Rahmen der Operation mit dem Codenamen „Pollino“ in einem laufenden Verfahren gegen 47 Beschuldigte ermittelt. Seit Mittwochmorgen seien in Deutschland 65 verdächtige Objekte durchsucht worden. Es wurden in Nordrhein-Westfalen, aber auch in anderen Bundesländern insgesamt Vermögenswerte in Höhe von rund fünf Millionen Euro vorläufig beschlagnahmt.

Nicht zerschlagen

Die Ermittlungen gingen noch weiter. Eurojust-Vizepräsident Filippo Spiezia bezeichnete die Operation von Deutschland, Italien, den Niederlanden und Belgien als „außerordentlichen Erfolg“.

Möglich sei dies durch die Bildung eines gemeinsamen grenzüberschreitenden Ermittlerteams gewesen, das seine Arbeit bereits Anfang 2016 aufgenommen habe.

Italiens Anti-Mafia-Staatsanwalt Federico Cafiero de Raho wies allerdings darauf hin, dass die ’Ndrangheta weiterhin stark und gefährlich sei: „Wenn wir glauben, wir haben die ’Ndrangheta ausgehoben, dann täuschen wir uns.“

Luxemburger Justiz bestätigt Zugriffe

Auch von der Luxemburger Justiz gab es zu dieser Operation Präzisionen. „Wie Eurojust mitteilte, hat die Operation ,Pollino‘ zu einer Reihe von Festnahmen in mehreren europäischen Ländern geführt, darunter auch im Großherzogtum Luxemburg“, heißt es von der Pressestelle.

Diese Untersuchungen hätten einen Bezug zum italienischen Mafia-Milieu. Zwei Männer im Alter von 23 beziehungsweise 39 Jahren seien von der großherzoglichen Polizei im Süden des Landes auf der Grundlage eines europäischen Haftbefehls verhaftet worden.

Es hätte entsprechende Durchsuchungen durch die Justizbehörden gegeben. Die beiden festgenommenen Männer seien von einem luxemburgischen Untersuchungsrichter vernommen worden. Angesichts des gegenwärtigen Ermittlungsstandes könne die luxemburgische Staatsanwaltschaft keine weiteren Informationen herausgeben, man verweist auf die Hauptermittlungsarbeit in und den Antrag auf Amtshilf-ersuchen aus Italien.