PEKING
MM/DPA

IWF schraubt globale Wachstumsprognose herunter - Wirtschaftswunder in China ist vorbei

Trotz des Rückenwinds durch niedrige Ölpreise senkt der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für die Weltwirtschaft. Das schwächste Wachstum in China seit knapp einem Vierteljahrhundert bremst auch die Weltkonjunktur. Laut seinem weltweiten Konjunkturausblick wird die globale Wirtschaft in diesem Jahr langsamer wachsen als erwartet, sagte der IWF gestern und schraubte seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr um 0,3 Punkte auf 3,5 Prozent Wachstum nach unten (2016: 3,7).

Die Euro-Zone kann wegen schwächerer Investitionsaussichten nur mit 1,2 Prozent Wachstum (minus 0,2 Punkte) rechnen. 2016 sollen es 1,4 Prozent werden - 0,3 Punkte weniger als bisher erwartet. Auch für die großen Eurowirtschaften Deutschland, Frankreich und Italien wurde die Prognose heruntergeschraubt.

Lokomotive China geht der Dampf aus

In der zweitgrößten Volkswirtschaft in China fiel das Wachstum im vergangenen Jahr mit 7,4 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 1990, dem Jahr nach der blutigen Niederschlagung der chinesischen Demokratiebewegung, als Wirtschaftssanktionen gegen China verhängt worden waren. Damit wurde das Ziel der Regierung, die 7,5 Prozent angestrebt hatte, erstmals seit 1998 - wenn auch nur knapp verfehlt. Im letzten Quartal 2014 wuchs die Wirtschaft nur noch um 7,3 Prozent, wie das Statistikamt berichtete. Die schwächere Konjunktur in China wird sich nach Angaben des Präsidenten der EU-Handelskammer in China, Jörg Wuttke, auch auf die europäische Wirtschaft auswirken. Die Erwartungen an Wachstum und Margen in China müssten in den nächsten zwei, drei Jahren zurückgeschraubt werden. Der Währungsfonds rechnet in diesem Jahr mit einer Verlangsamung des Wachstums in China auf 6,8 Prozent - 0,3 Punkte weniger als bisher vorhergesagt. Mit dem langsameren Wachstum in China, dem Euro-Raum, in Japan, Russland und anderen Ölexport-Ländern verschlechtern sich auch die Aussichten für die Weltkonjunktur. Die Vorteile durch niedrige Ölpreisen würden durch negative Faktoren wie schwächere Investitionen „mehr als ausgeglichen“, sagte IWF-Forschungsdirektor Olivier Blanchard in Peking.