BETZDORF
MARCO MENG

SES-Gewinn sinkt im ersten Quartal um fast ein Viertel

Die neue Führungsriege des Satellitenbetreibers SES präsentierte gestern zum ersten Mal Quartalszahlen und tat das mit zufriedenen Gesichtern. Warum im Vergleich zum 1. Quartal des Vorjahres Einnahmen, operativer Gewinn und Nettoergebnis zurückgegangen sind, erklärte das Unternehmen gestern am Firmensitz in Betzdorf vor allem mit dem seitdem stark veränderten Dollarkurs. Doch auch bei festem Wechselkurs wären die Einnahmen mit 477,6 Millionen Euro um 4,9 Prozent niedriger gewesen (2017: 540,6 Millionen Euro); das operative Ergebnis mit 138,8 Millionen Euro immerhin um 21,4 statt 25,7 Prozent.


Gefragte Aktie
Das erste Quartal des Jahres schloss SES unterm Strich mit einem Nettogewinn von 98,2 Millionen Euro ab. Im ersten Quartal 2017 waren es noch 128,4 Millionen Euro gewesen, 23 Prozent mehr. Der Konzernumsatz und das EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen) von 304,4 Millionen Euro entsprachen indes den Erwartungen. Das zeigte auch der Börsenkurs gestern, der nach Bekanntgabe der Bilanzzahlen rund zehn Prozent zulegte. Rund 70 Prozent der Aktien von SES werden an luxemburgischer und vor allem Pariser Börse gehandelt.
Es sei ein guter Start ins Jahr 2018 gewesen, so gestern der neue SES-Vorstandsvorsitzende Steve Collar, der Anfang des Monats Karim Michel Sabbagh an der Spitze des Satellitenbetreibers ablöste.


Fast 90 Prozent der Einnahmen für dieses Jahr schon vertraglich fest
Grund zum Optimismus geben neue Satelliten, die im Laufe des Jahres Profite generieren werden. Der SES-15-Satellit hat Anfang des Jahres seinen Betrieb aufgenommen. Dieser Satellit sei bereits ein Haupt-Satellit für den nordamerikanischen Luftfahrtmarkt, wie SES mitteilt. Der SES-14 ist auf dem Weg zu seiner Position und wird Ende des Jahres neue Einnahmen bringen. 85 Prozent der für dieses Jahr erwarteten Einnahmen sind bereits vertraglich vereinbart, so das Unternehmen, das einen Auftragsstand im Wert von 7,2 Milliarden Euro in den Büchern hat.

Wie Collar anmerkt, stand die Satellitenbranche in den letzten Jahrzehnten nicht vor solchen Umbrüchen wie sie sie innerhalb der letzten zwei Jahre erfuhr. Darum ist die Strategie, die Einnahmequellen zu diversifizieren, womit man sich auf dem richtigen Weg sieht: Denn die Geschäftssparte „SES Networks“ legte im ersten Quartal mehr als acht Prozent zu, wenn man feste Wechselkurse zugrunde legt, während die Sparte „SES Video“ 3,8 Prozent nachgab. Der Preisdruck auf den Märkten sorgt dafür, das Vorhersagen schwieriger zu treffen sind, sagte Collar, und die Erschließung neuer Geschäftsbereiche ist zuerst mit hohen Investitionen verbunden, bevor sie Einnahmen bringen. „Vom Überschuss reinvestieren war immer eine Philosophie von SES“, sagte Collar. Zufrieden ist der SES-Chef darum, dass im ersten Quartal zahlreiche Verträge abgeschlossen werden konnten, die später Einnahmen bringen werden, so der SES-Chef.

Auf dem Papier jedenfalls wird die Bilanz getrübt, wenn man sie mit dem ersten Quartal des Vorjahres vergleicht. Wie der neue SES-Finanzchef Andrew Browne erklärt, hat das Minus vor zahlreiche Positionen vor allem mit dem veränderten Kurs des Dollars zu tun, in dem das Unternehmen etwa die Hälfte seines Geschäfts abwickelt. „Der Profit war auch im ersten Quartal eigentlich hoch“, sagt er. Das Vorjahr profitierte von Sondererlösen von fast 25 Millionen Dollar - die herausgerechnet, wären die Einnahmen im ersten Quartal 2018 genau gleich denen des ersten Quartals 2017. Zudem wurden in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres fünf Millionen Euro für Restrukturierungskosten aufgewendet.