LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

In Luxemburg gibt es in vielen Städten zahlreiche Gemeinschaftsgärten, die immer beliebter werden - Dahinter steckt eine europäische und eine lokale Bewegung

Der Hauptbahnhof ist nicht der Ort, der einem beim Thema Gärtnern einfällt. Und doch: Aus Holz zusammengezimmerte Beete stehen auf den geteerten Flächen. In ihnen wächst zartes Grün. Die Landschaftsarchitektin Delphine Hardy und der Künstler Ramdani Zine el Abidine betrachten sie liebevoll.

Die beiden kümmern sich um zahlreiche Gemeinschaftsgärten in Luxemburg. Im Grund arbeiten an den Beeten nahe der Petruss regelmäßig fünf bis zehn Freiwillige, aber auch in den Rotonden finden sich fünf bis sieben begeisterte Gärtner ein, ebenso in weiteren Gärten im Land. Angefangen hat alles mit Gemeinschaftsgärten der Transitionsbewegung, die in Luxemburg zur Zeit mit dem Film „Demain“ durch die Gemeinden tourt, der unter anderem am 26. April um 19.00 in Grevenmacher gezeigt wird. Getragen wird diese Bewegung vom „Centre for Ecological Learning Luxembourg“ (CELL). Später entwickelte sich unter anderem das Projekt „EarthOurGarden“, das nicht nur das Gärtnern fördern will, sondern auch das Gemeinwesen und den interkulturellen Austausch. Es wird vom „Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte“ und anderen Partnern unterstützt. Delphine Hardy und Ramdani Zine el Abidine erklären, worum es geht.

Warum gärtnern Sie neben den Gleisen in Kübeln - und finden dafür auch noch Freiwillige?

Delphine Hardy Es gibt eine Reihe von gemeinsamen Aktionen und Gärtnern ist eine davon. Bei uns geht es ums Gärtnern, aber auch ums Teilen und die Gemeinschaft. In diesen und viele andere Gemeinschaftsgärten im Land kommen Alte, Junge, Hausfrauen, Rentner, Führungskräfte, Neuankömmlinge, Flüchtlinge und Asylsuchende. Das Restaurant hier in den „Rotondes“ nutzt unseren Kompost von diesem Gemeinschaftsgarten, unsere Teilnehmer das Gemüse, das wir anbauen. Weil der Boden hier verseucht und asphaltiert ist, kultivieren wir in Kübeln. Aber wie gesagt: Es gibt viele Gemeinschaftsgärten in Luxemburg, von denen wir vier betreuen.

Ramdani Zine el Abidine Wir sind Teil der Transition-Bewegung, die 2006 vom Iren Bob Hopkins initiiert wurde und sich für umfassendes ökologisches Wirtschaften und partizipative Demokratie einsetzt. Beispiele dafür sind Städte wie Ungersheim im Elsass, aber auch Freiburg oder Karlsruhe. Außerdem leben wir in einer Zeit, in der viele froh sind, über das Gärtnern Muße und gleichzeitig freundschaftliche menschliche Kontakte zu finden.

Was wächst hier - und für wen?

Hardy Wir haben hier ein Schild das zeigt, was zusammen passt. Bohnen kann man nicht mit Tomaten pflanzen, da beide die gleichen Nährstoffe brauchen. Aber Möhren und Porree oder Tomaten und Möhren passen sehr gut. Wenn ich etwas ernte, nehme ich nur das, was ich brauche und lasse den anderen auch noch etwas. Manchmal kochen wir auch zusammen. Im Winter gibt dann beispielsweise für alle eine Kürbissuppe. Diese gemeinschaftlichen Erfahrungen gehören zum Konzept dazu.

Zine el Abidine Viele Leute kommen gerade deswegen zu uns. Die Leute finden den gemeinschaftlichen Aspekt sehr wichtig, sie wollen ihre Freude am Gärtnern mit anderen teilen, mehr über Pflanzen lernen und ihr eigenes Gemüse ziehen. Dazu kommt noch ein Garten, den wir seit 2016 am „Marienhaff“ beim Flüchtlingsheim betreiben. Jeder Garten wird von zehn bis 15 Leuten gepflegt und wir haben immer mehr Nachfrage. Die Idee verbreitet sich stark über die sozialen Medien. Auch andere CELL-Projekte haben Zulauf. Die Leute haben die Nase voll vom Klimawandel und wollen konkrete Aktionen. Unser Projekt „EarthOurGarden“ entwickelt die interkulturellen Gärten in Düdelingen und dem Marienthal und unterstützt die Gemeinschaftsgärten an der Petruss, den „Rotondes“ und in Esch/Alzette. Andere Projekte wie in Sanem befinden sich in der Entwicklung.

Was ist ihr Ziel?

Hardy Ein nachhaltigeres Leben in Gemeinschaft, bei dem sich alle besser fühlen. Die Transitionsgruppe hat sich 2012 nach den Filmen „Transition 1.0“ und „Transition 2.0“ zusammengefunden. Sie hat sich rund um Projekte wie Ernährung Gärtnern in der Stadt, Energie und ähnliche Fragen entwickelt. Das Projekt „EarthOurGarden“ will interkulturellen Austausch, gegenseitiges Kennenlernen und Sozialkontakte, Lust an neuen, auch beruflichen Fähigkeiten und eine Erziehung in ökologischem Sinne fördern. Insbesondere der interkulturelle, soziale Aspekt steht im Zentrum von „EarthOurGarden“. Wir teilen Worte, Taten, Wissen, Produkte, Erfahrungen. Hier werden die Teilnehmer zu Initiatoren.

earthourgarden.cell.lu