ESTELLE BECK

An diesem Donnerstag feiert der Luxemburgische Bibliothekar-, Archivar- und Dokumentarverein (ALBAD) zusammen mit seinen Mitgliedern sein 25-jähriges Bestehen. Der Fachverein versteht sich als Austauschplattform für seine 120 Mitglieder, setzt sich aber auch für die Berufsinteressen von Bibliothekaren, Archivaren und Dokumentaren ein. Estelle Beck, seit April 2016 Präsidentin der ALBAD, gibt einen Ausblick auf die Ziele der Vereinigung für die Zukunft und eine Bestandsaufnahme über die Bibliothekenlandschaft Luxemburgs.

„Für uns ist wichtig, dass die ALBAD als Austauschplattform wahrgenommen wird. So wie heute Abend bieten wir unseren privaten und institutionellen Mitgliedern, zu denen beispielsweise Bibliotheken in privaten Unternehmen oder Gemeindebibliotheken zählen, mehrmals im Jahr die Möglichkeit, sich zu treffen und über die praktischen Aspekte des Berufs auszutauschen. In Luxemburg gibt es verschiedene Typen von Bibliotheken; der Austausch zwischen diesen Gruppen ist allerdings ausbaufähig. Wenn die ALBAD diese Rolle als Austausch- und Informationsplattform auch weiterhin wahrnehmen will, wollen wir ebenfalls in Zukunft den Bereich der Weiterbildung stärken. Konferenzen, Kolloquien oder Weiterbildungsseminare, wie sie häufig in Frankreich oder Belgien angeboten werden, gibt es in Luxemburg nur wenige. Auch Konferenzen über die Ziele und Entwicklungen des Bibliothekswesens im Allgemeinen wären interessant.

Unserer Ansicht nach ist das Bibliothekswesen in Luxemburg noch stark ausbaufähig. Es besteht ein Mangel an öffentlichen Bibliotheken, und wir sprechen uns für die Schaffung neuer Bibliotheken aus. Gleichzeitig müssen sich die Bibliotheken den Verhaltensgewohnheiten der Leser anpassen, zum Beispiel mit E-Books, und ein attraktives Angebot entwickeln. Die Voraussetzung dafür ist allerdings ein politischer Wille und die Anerkennung von Bibliotheken als kulturelle Institutionen. Nach den „Assises culturelles“ im vergangenen Sommer waren viele Bibliothekare etwas enttäuscht, dass Bibliotheken fast gar nicht erwähnt wurden. Dabei spielen sie in der Kultur und in der Wissensvermittlung eine tragende Rolle.

Bibliotheken können nur gut arbeiten, wenn ihre Finanzierung stimmt. Das fängt beim Personal an. Verschiedene Häuser kämpfen mit Personalmangel. Es ist allerdings auch eine Frage der Einstellungspolitik, denn Bibliotheken brauchen qualifiziertes Personal. Es gibt Beispiele hier im Land, die zeigen, wie Bibliotheken mehr sein können als nur Bücher und Säle, und ihren Besuchern beispielsweise mit Schreibateliers oder Vorlesungsveranstaltungen für Kinder etwas bieten.

Die ALBAD begrüßt darüber hinaus das geplante Archivgesetz, auch wenn wir in bestimmten Punkten Änderungen vorschlagen. Wir stellen allerdings fest, dass das Gesetz größtenteils das Nationalarchiv betreffen wird, woraus man schließen kann, dass der Name ‚Archivgesetz‘ vielleicht nicht ganz passend ist. Wir erkennen aber an, da es bislang kein Archivgesetz gab, dass mit diesem Text ein erster Schritt in die richtige Richtung unternommen wird. Als ALBAD würden wir uns natürlich auch über jeden anderen gesetzlichen Rahmen freuen, der sich beispielsweise für die Unterstützung der Leseförderung oder die Klärung der mit E-book verbundenen Rechte einsetzt.“