Ende Juli, Anfang August ist Luxemburg ein kleines Paradies. Die Straßen sind größtenteils leer, was zur Folge hat, dass morgens die Staugefahr nahezu null ist. Nun ja, Ausnahmen bestätigen die Regel, die Pendler und Arbeitnehmer, die jeden Tag über die Autobahn A1 nach Luxemburg fahren, können einen ganzen Sommerhit davon singen. Leer sind nicht nur die Straßen, sondern auch die Büros der Politiker und die Parteizentralen. Die einen brutzeln drei Wochen unter der spanischen Sonne, die anderen fahren mit dem Drahtesel durch die Provence. Hauptsache weit weg von den lästigen Wählern, die immer am Nörgeln sind, aber scheinbar nie kapieren, dass sie nur die Politiker serviert bekommen, die sie verdienen. Dumm nur, dass die das nicht erkennen, diese bekloppten Wähler.
Neue Wähler braucht das Land, denken sich ja fast alle Parteien, darum wird ja heftig darüber gestritten, wer denn in Zukunft seine Stimme bei den Parlamentswahlen abgeben darf und soll. Und weil man den Wählern ja locker ein X für ein U vormachen kann und ihnen eh nicht auffällt, wenn man nach den Wahlen so mir nichts, dir nichts die eigenen Standpunkte zu verschiedenen gesellschaftspolitischen Themen frisiert, kann man ihnen dann noch schnell im Vor-Urlaubsfieber eine Liste unterjubeln, mit Vorschlägen zum vereinfachten Erlangen der luxemburgischen Nationalität. Die Partei, die dem CSV-Staat den Namen verpasste, unterstrich vor den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr noch ihre Sympathie für die luxemburgische Sprache, da es in ihrem Wahlprogramm auf Seite 45 heißt, dass das Beherrschen der Luxemburger Sprache eine Voraussetzung für den Erwerb der Luxemburger Nationalität bleibe. Im darauf folgenden Absatz heißt es weiter, dass das Lëtzebuergesche ein wesentliches Merkmal der luxemburgischen Identität sei. Als in den Ministerien noch CSV-Minister regierten, wurde heftig auf alle Politiker eingedroschen, die von den zukünftigen Neo-Luxemburgern nur spärliche bis gar keine Luxemburgisch-Kenntnisse verlangten. Verflucht bis in alle Ewigkeiten wenn nicht sogar exkommuniziert wurde alle, die die Staatsbürgerschaften „bradéieren“ wollten. Jetzt, juhu, schlägt die CSV doch glatt vor, die Luxemburgischkenntnisse für Kandidaten, die Lëtzebuerger werden möchten, zu lockern. Zu allem Überfluss noch die mündlichen. Prost, um mit Metty oder Jempi am Tresen ins Gespräch zu kommen, ist es ja wichtiger, die N-Regel zu beherrschen, als vier korrekte Sätze mündlich zu formulieren. Halt ich versteh wahrscheinlich nur Bahnhof. Die schriftlichen Fähigkeiten sind nicht zu unterschätzen, denn wie soll man sonst als Neo-Luxemburger eine korrekte SMS zu schicken, um gratis bei der Päischtcroisière mit zu schippern? Hat irgendein Pressemensch in der Parteizentrale jetzt herausgefunden, dass Luxemburgisch gerade dabei ist, zu einer wichtigen Schriftsprache zu werden? Der Vorschlag ist zweifelsohne nicht ernst gemeint und wahrscheinlich ein Sommerlochfüller. Sollte ich mich irren, so müsste ich demnächst meine Frau mit Auswanderungsgedanken konfrontieren.


