FRANKFURT/LUXEMBURGMM/DPA

Optimierungen statt innovative Neuerungen auf der IAA - 2016 wird kein Wachstumsjahr

Die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt ist eine der größten Fachmessen der Welt. Die Branche steht aber vor einigen Herausforderungen.

Der mögliche Eintritt neuer Wettbewerber wie Google und Apple wird die Automobilindustrie aus Sicht vieler Hersteller stark verändern. „Unser Geschäft bekommt ganz neue Spielregeln“, sagte beispielsweise der neue BMW-Chef Harald Krüger der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag). VW-Chef Martin Winterkorn hatte der Deutschen Presse-Agentur am Wochenende gesagt: Für den Volkswagen bedeute der rasante digitale Wandel, alles zu hinterfragen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte Kooperationen mit IT-Firmen nicht ausgeschlossen. Daimler werde aber sicher kein Auftragsfertiger wie Foxconn werden, der nur Hardware herstelle. Die „rote Linie“ verläuft für Zetsche beim Betriebssystem: „Wir wollen, dass die Systeme anderer in den Autos funktionieren, aber nicht die Funktionen unserer Autos übernehmen“, sagte Zetsche dem „Handelsblatt“ (Montag).

Das vernetzte und selbstfahrende Auto gehört neben alternativen Antrieben zu den Schwerpunkten der IAA, die am Dienstag mit einem ersten Pressetag beginnt. Wird die Messe neue Kaufimpulse wecken? Fachleute wie der Direktor des CAR-Instituts sowie Inhaber des Lehrstuhls für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer, sind da eher skeptisch.

Nur wenige Kaufimpulse

Der Schub durch die Automesse sei für die Branche „überschaubar“. Grunde dafür führt der Automobilmarktexperte in seiner neusten, gestern veröffentlichten Studie, einige an. So schwächeln beispielsweise sämtliche neue Märkte. „Brasilien steckt mit einem Einbruch von 20 Prozent bei den Neuwagenverkäufen nach sieben Monaten tief im Minus, Russland mit 35 Prozent Rückgang bei den Autoverkäufen im Zeitraum Januar bis Juli 2015 in einer großen Krise und China verabschiedet sich von seinen hohen Wachstumsraten. Die ‚alten‘ Autonationen USA, Europa und Japan sollen jetzt für Wachstum sorgen. Dabei ist auch dort nicht alles im Lot“, schreibt der Forscher in seiner Analyse.

Während der Markt in Spanien derzeit von einer staatlichen Abwrackprämie belebt wird, besteht auf den übrigen gesättigten Märkten ein Kaufimpuls höchstens durch Innovationen. Allerdings hat nach Dudenhöffer das Auto vor allem für junge Leute an Attraktivität gegenüber früher verloren: Neuwagenkäufer werden demnach immer älter, gekauft würde vor allem über die „zweite Vertriebsschiene“, indem Autohändler und Autobauer Neuwagen selbst zuließen und dann diese „Gebrauchten“ mit starken Nachlässen verkauften.

Wenig echte Innovation

Viele Neuerungen auf der IAA seien zudem eher eben Nachfolger bestehender Modelle und konventionelle Optimierung, die kaum als Durchbruchs-Innovationen gefeiert werden können.

„Mit den Elektroautos hätte die Branche einen Umbruch gestalten können“, erklärt Dudenhöffer. „Immerhin zeigt das junge US-Unternehmen Tesla, dass es für Elektroautos mit entsprechender Reichweite durchaus weltweit einen Markt gibt.“ Doch in Punkto Elektromobilität hat sich - wahrscheinlich auch wegen des derzeit so günstigen herkömmlichen Kraftstoffs - wenig getan.

Die seit dem Ende der Weltfinanzkrise des Jahres 2009 wachstumsverwöhnte Branche müsse sich für das Jahr 2016 auf Null-Wachstum einstellen, meint Dudenhöffer. „Da Kapazitäten insbesondere in China in den letzten Jahren deutlich ausgebaut wurden, wird 2016 ein Jahr mit Überkapazitäten.“ Die Gewinne der Autobauer und Zulieferer werden im Jahr 2016 wieder geringer werden, so das Resümee des Branchenexperten.