LUXEMBURGGUSTY GRAAS

Clemens V. (1265-1314) war der erste Papst, der in Südfrankreich residierte

Das Herrschaftszentrum der katholischen Kirche wird heute automatisch mit dem Vatikan assoziiert, so als sei Rom seit jeher die unumstrittene Festung des Papstes gewesen. Doch dem war nicht immer so: Durch das Versagen von Papst Bonifaz VIII. war Rom durch Avignon ersetzt worden. Im Jahre 1305 war der aus der Gascogne stammende Bertrand de Got als Papst Clemens V. zum ersten der sieben Päpste in Avignon bestimmt worden. Sein Pontifikat sollte einen Paradigmenwechsel in der Gesellschaft einläuten: Das klassische Mittelalter nahte seinem Ende, die Renaissance stand vor der Tür.

Clemens V. stammte aus einer Adelsfamilie im aquitanischen Villandraut. Obwohl Aquitanien seit 1258 der englischen Krone unterstand, sprachen seine Einwohner das alte Französisch. Bernards Onkel Arnaud de Got war bereits Bischof von Agen, dort wo der kleine, äußerst begabte spätere Papst Aufnahme im Kloster für seine Studien fand.

Der Weg für eine kirchliche Laufbahn war also frühzeitig geebnet worden. Zusammen mit seinem Freund Arnaud de Pellegrue, der ihn zeitlebens begleiten sollte, entschied er sich am 9. März 1280 die Klosterschule fluchtartig zu verlassen. Der sehr an Architektur Interessierte wollte unbedingt nach Italien und schrieb sich an der damals sehr renommierten Universität Bologna ein. Als dort 1282 Unruhen ausbrachen, kehrte er über Mailand und die Schweiz zurück nach Frankreich.

Frauen kein Tabuthema

Clemens sollte nie aus seinem Hang für Frauen einen Hehl machen. Sogar als Papst frönte er ungeniert dem Sexualleben. Die Hypokrisie der katholischen Kirche war in dieser Epoche besonders ausgeprägt. Als er in Bologna die Wahl getroffen hatte, Gott zu dienen, war das keine Ursache für ihn, auf Frauen zu verzichten. Der reine Lebensgenuss lag ihm mehr am Herzen als das Schicksal der Armen. Auch wenn er das Zölibat der Geistlichen predigte - seiner Meinung nach könne ein Mann aber nicht den weiblichen Reizen widerstehen.

Bertrand, im Besitz eines Doktortitels im Kirchen- und Zivilrecht sowie in der Theologie, hatte ein besonderes Interesse für die griechische Literatur, vor allem für Platon. Trotz seines schlechten Gesundheitszustandes sollte er eine bedeutende theologische Laufbahn einschlagen.

Papst Bonifaz VIII. ernannte ihn zum Bischof in Comminges. Er schaffte es zudem, eine einflussreiche Position im Dreiecksverhältnis zwischen dem französischen König, dem englischen Herrscher und dem Papst einzunehmen.

Seine Krönung als dritter französischer Papst fand am 14. November 1305 in Lyon statt und wurde von einer Tragödie überschattet, da beim Einsturz einer Mauer über 50 Menschen getötet wurden. Durch seinen üppigen Lebensstil und den Missbrauch kirchlicher Gelder sollte Clemens allerdings schnell an Popularität verlieren.

Zwiespältiges Verhältnis zum französischen König

In seiner ersten Bulle teilte er dem französischen König unmissverständlich mit, dass er sich nicht in Rom niederlassen würde, wollte er doch auf keinen Fall im Vatikan leben. Clemens fühlte sich immer sehr stark mit dem imposanten Kloster Cluny nahe Dijon verbunden, dort wo er ebenfalls den Papstsitz installieren wollte. König Philipp der Schöne drängte ihn aber, sich in Avignon niederzulassen.

Zwei Jahre nach seiner Ernennung führte der Papst aber immer noch ein Nomadenleben. Es dauerte bis zum 9. März 1309, bevor Clemens endlich die Bénézet-Brücke in Avignon überquerte, wo er von Robert, König in Neapel und Graf der Provence, empfangen wurde. Die Feiern dauerten Monate. Sein ständiger Aufenthaltsort befand sich allerdings in Groseau, am Fuße des Mont Ventoux. In einer weiteren Bulle unterstrich er die Legitimität der Kapetinger, musste er doch seine Ernennung als Papst Philipp dem Schönen verdanken. Die Macht der Kirche gefiel der Krone allerdings wenig. Besonders die Auseinandersetzung um die Anerkennung der Tempelritter machte beiden Parteien sehr zu schaffen.

Clemens verteidigte den Orden gegenüber dem König, musste aber durch die Bulle Non sine magna cordia vom 24. August 1307 zumindest einer Untersuchung gegen die Tempelritter wegen ihres Vermögens stattgeben. Letzten Endes konnte auch er sie nicht vor dem Scheiterhaufen bewahren. Der König schickte sich zudem an, gegen die Juden zu kämpfen.

Es war auch zu dieser Zeit, als Heinrich von Luxemburg den Kaiserthron bestieg. Clemens hatte übrigens bei dieser Wahl keine unwesentliche Rolle gespielt, sollte doch Peter von Aspelt, ein einflussreicher „Kaisermacher“, von ihm zum Erzbischof von Mainz ernannt werden. Clemens pflegte überdies ein gutes Verhältnis zu dem Luxemburger, dessen Krönung zum Kaiser allerdings vom Hause Neapel abgelehnt worden war.

Ab dem Herbst 1306 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends. Um sieben Uhr morgens des 8. April 1314 fiel er in das Koma und sollte sterben. Clemens ging in die Geschichte als ein unwürdiger Papst ein, dem man Korruption, Geldgier und Nepotismus vorwarf.


Bibliografie: Mossé Claude, Clément V, Éditions Stock, 1998