LUXEMBURG
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20 Fragen an den „déi Lénk“-Abgeordneten David Wagner

Für unsere diesjährige Sommerserie - die letzte vor den Wahlen vom 14. Oktober - ließen wir einigen ausgewählten Politikern eine Reihe von Fragen via Mail zukommen, von denen die meisten auf dem berühmten Fragebogen von Marcel Proust beruhen. Einige haben noch am gleichen Tag geantwortet, bei anderen lässt die Antwort immer noch auf sich warten.

Befragt wurden in erster Linie die Fraktionsvorsitzenden beziehungsweise die Gruppenanführer der im Parlament vertretenen Parteien. Heute mit dem „déi Lénk“-Abgeordneten David Wagner, der für seine Partei im Zentrum kandidieren wird.

Was war in Ihren Augen das wichtigste politische Dossier in der zurückliegenden Legislatur?

DAVID WAGNER Es fällt mir schwer, die Politik in „Dossiers“ einzuteilen, weil alles zusammenhängt und vom ökonomischen Unterbau abhängt. Aber das Problem der Wohnungsnot und die Arbeitsrechte des Salariats waren die wichtigsten Baustellen.

Welches sind für Sie die Prioritäten in einer neuen Legislatur?

WAGNER Weiterhin die Wohnungsnot aber auch die Stärkung der Rechte der arbeitenden Leute.

Welches Ministeramt würde Sie reizen?

WAGNER Ein Ministerium für die ökonomische und soziale Umstrukturierung des Landes, das den Bruch mit der kapitalistischen Wirtschaftsordnung einleitet.

Soll Xavier Bettel Premier bleiben?

Wagner Persönlich gönne ich ihm das. Aber ich mache mir keine Illusionen. Wer auch immer Premierminister ist, solange der liberale Wirtschaftskurs beibehalten wird, wird sich nichts fundamental ändern.

Wohin fahren Sie in den Urlaub, und warum?

Wagner Wieder nach Südfrankreich. So wie wir es uns vorstellen, werden wir von Westen (Gegend Perpignan) nach Osten fahren, um natürlich einen Halt in Marseille zu machen.

Was haben Sie sich in sportlicher Hinsicht für den Urlaub vorgenommen?

WAGNER Ein bisschen Mountain-Bike, unter anderem im Bambësch. Mein Arzt sagte mir, Fahrrad wäre ein guter Ausgleich für eine gestresste Natur wie ich. Mal sehen.

Welche Bücher planen Sie, im Urlaub zu lesen?

Wagner Zur Zeit lese ich chinesische Science-Fiction von Liu Cixin („Le problème à trois corps“, „la forêt sombre“). Den ersten Band habe ich hinter mir, der zweite, ein wenig dicker, wird mich wahrscheinlich noch eine Zeit beschäftigen. Hoffentlich wird in der Zwischenzeit der dritte Band auf Französisch übersetzt, denn ich habe nicht vor, ein Crashkurs in Mandarin abzuschließen.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Wagner Die Abwesenheit von jeglichem Zwang.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Wagner Diejenigen, von denen ich mir wünsche, dass man sie mir entschuldigen würde.

Was ist für Sie das größte Unglück?

Wagner Hoffnungslosigkeit.

Ihre liebsten Romanhelden?

Wagner Meine „Lieblingssachen“ sind immer von meinem Gemüt abhängig. Sagen wir mal Zorba.

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?

Wagner All diejenigen, die sich für die Befreiung des Menschen eingesetzt haben, indem sie an den Fundamenten der oppressiven Ordnung rüttelten.

Ihre Lieblingshelden in der Gegenwart?

Wagner Im Grunde genommen gibt es in der wirklichen Welt keine Helden. Widerstand leisten ist schon „heldenhaft“ genug.

Ihr Lieblingsmaler?

Wagner Jeroen Bosch.

Ihr Lieblingsautor?

Wagner Orwell, Asimov, Wells, Sonallah Ibrahim... Und natürlich Karl Marx!

Ihr Lieblingskomponist?

Wagner Bach... und Freddie Mercury.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Wagner Entspannen (wenn meine Geistesverfassung es mir erlaubt), lesen und soviel lachen wie möglich.

Ihr Hauptcharakterzug?

Wagner Ich kann sehr gut entschuldigen, empfinde keinen Hass. Nur gelegentlicher Zorn, der sich so schnell legt, wie er entstanden ist.

Ihr größter Fehler?

Wagner Wer würde so etwas öffentlich preisgeben?

Und nein, ich leide nicht an übertriebenem Perfektionismus.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Wagner Ich versuche zu entspannen und mich davon zu überzeugen, dass nicht alles so schlimm ist.