COLETTE MART

Der Politmonitor, der angesichts der durchwachsenen politischen und wirtschaftlichen Lage unseres Landes mit Spannung erwartet wurde, belegt einen grundsätzlichen Vertrauensverlust in die Regierung, aber auch in die Politik allgemein.

Kommentatoren, aber auch Politiker selbst, müssen sich demgemäß einige Fragen über die Politikverdrossenheit der Bürger stellen. Während der letzten Jahre prägten negative Schlagzeilen die europäische Politik; die hohe Verschuldung vieler Mitgliedstaaten, die von der Politik oft fraglos hingenommen wird, die Jugendarbeitslosigkeit und die Perspektivlosigkeit einer ganzen Generation, sowie die Zerstörung der Umwelt haben viele Wähler verunsichert.

Die Bürger gewinnen immer mehr den Eindruck, dass die Politik auf verheerende gesellschaftliche Entwicklungen keinen Einfluss mehr hat, und dass sie sich oft gezwungenermaßen mit Missständen arrangiert, weil ja vielleicht die Welt ganz anderswo als in den nationalen Parlamenten regiert wird. Politiker haben in der Tat nur noch einen begrenzten Einfluss auf die Globalisierung der Wirtschaft, die Vergrößerung der sozialen Gräben, sowie die Zerstörung natürlicher Lebensräume, die oft auf Kosten der Entwicklungsländer gehen.

Der einzelne Politiker, der sich dem Wähler stellt, ist durch die Mediatisierung, sowie den psychologischen Druck von Meinungsumfragen unter Zugzwang; der Popularitätsdruck kann jedoch von der Aufarbeitung gesellschaftlicher Probleme eher ablenken. Es wird demgemäß für Politiker immer schwieriger, sich in komplizierte Akten hineinzuarbeiten und sich komplexen Problematiken überhaupt zu stellen.

Interessanterweise werden sie aber auch nicht unbedingt danach beurteilt. Wer die Karte der Mediatisierung in der Politik gut spielen kann, wer die Sympathien der Fernsehzuschauer hat, hat auch die besten Chancen, wiedergewählt zu werden.

Nur muss sich der Wähler dann auch bewusst sein, dass er in einem populären und mediengewandten Politiker eben einen Menschen mit Kompetenzen und Inkompetenzen wählt, und dass man in den einzelnen Politiker nicht alle Erwartungen hineinprojizieren kann. Regierungen und Parlamente setzen sich aus Menschen aller beruflichen Sparten zusammen, die es zu einem gewissen Grad an Popularität gebracht haben.

Die Lösung komplizierter gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Probleme kann jedoch nur Hand in Hand von Politikern mit Zivilcourage, vertrauenswürdigen Verwaltungen, sowie Spezialisten der weltweit vernetzten wirtschaftlichen Vorgänge gelöst werden.

Um also dem Vertrauensverlust in die Politik entgegen zu wirken, ist jeder Politiker im Endeffekt gefordert, erneut und auf ganz bescheidenem Niveau, wieder Vertrauen zu wecken.

Zum Beispiel dadurch, dass er in seiner unmittelbaren Umgebung den Menschen, seinen Nachbarn, seinen Mitarbeitern, seinen Kindern, seinen Beratern zuhört und zu verstehen versucht, was sie bewegt, wovor sie Angst haben, was sie vom Leben erwarten und welches ihre Sorgen sind. Und dementsprechend handelt.