LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Beim traditionellen Neujahrs-Empfang der FEDIL setzte Präsidentin Michèle Detaille auf eine Mischung aus Optimismus und Realismus, Zeigefinger und gute Noten

Der Neujahrsempfang der FEDIL fand nicht umsonst unter dem Motto „Back to school“ statt. Es war eine diplomatische Mischung zwischen Leviten lesen, Forderungen anbringen und loben, die FEDIL-Präsidentin Michèle Detaille den rund 900 geladenen Gästen in den Messehallen auf Kirchberg servierte - wie immer mit viel pädagogischem Geschick. Dazu gab es eingespielte, amüsante Filmausschnitte, in denen das Unwissen von Kindern und Teenagern in Sachen Industrie, Urlaub oder Löhne klar wurde. Dennoch waren die Botschaften der Unternehmerin, die seit März 2019 an der Spitze der FEDIL steht, klar. Es ging ihr darum, dass Politiker mehr über die Industrie wissen, die Botschaft des lebenslangen Lernens in den Unternehmen ankommt und dort Schule macht, aber auch darum, dass die Industrie selbst näher an die Schule rückt, denn die beständige Suche nach Talenten bleibt eine der größten Herausforderungen. Schlechte Noten hingegen bekam das Arbeitsrecht der alten Schule, dass nicht mehr in die neue Zeit passe, ebenso wenig wie die Industriefeindlichkeit, die laut Detaille nicht nur vom Zeitgeist, sondern auch von der Parteifarbe beeinflusst wird - ein Seitenhieb auf realitätsferne Grüne.

Zunächst dankte die FEDIL-Präsidentin, die selbst die ALIPA-Unternehmensgruppe leitet, jedoch dem scheidenden Wirtschaftsminister Etienne Schneider (LSAP) für seinen Einsatz und die Modernisierung der Organisationen im Umfeld seines Ministeriums. Er hatte durchaus umstrittene Dossiers wie die Joghurtfabrik Fage, die Ansiedlung von Google, die derzeit noch diskutiert wird, sowie die Niederlassung von Knauf unterstützt. Am Ende des Abends erhielt er stehende Ovationen für seinen steten Einsatz. Dann kam Detaille auf die Rolle junger Talente zu sprechen. Tatsache ist, dass alle Unternehmen gute Leute suchen. In der Vergangenheit wurde die Industrie oft als Ort gesehen, an dem Geringqualifizierte ein Auskommen finden konnten. Doch Umwelttechnologie, Digitalisierung und Anpassungen verlangen oft nach höheren Qualifikationen. Zum Bedauern von Detaille gibt es viel zu wenig Informatiker und Techniker; trotz attraktiver Entwicklungen wie E-Autos, Windkraft oder wiederverwertbaren Verpackungen. Letztere stellt sie selbst in Wiltz her. Mit Blick auf den Nachwuchs-Bedarf rüffelte sie die Regierung: „Angesichts des Mangels an Arbeitskräften in zahlreichen Branchen ist es nicht die richtige Zeit, um eine generelle Reduzierung der Arbeitszeit von oben zu diktieren.“ Niemand müsse Unternehmens-Chefs sagen, dass sie ein Ohr für ihre Mitarbeiter bräuchten. „Das ist überflüssig“, verbat sie sich. Weitaus wichtiger ist ihr die Konjunktur. Mit Verweis auf das statistische Amt Statec, dass von „einer Zeit der Verlangsamung“ gesprochen hatte, warnte sie, dass die derzeitigen 2,4 Prozent Wachstum nicht reichen, um das hohe Niveau der Löhne, Sozial- und öffentlichen Ausgaben zu halten. Eine weitere Sorge galt dem Übergang zu nachhaltigen Energien. Mit Blick auf den „Green deal“ der EU-Kommission und den nationalen Klima- und Energieplans geisselte Detaille: „Diese Entwicklung wird langsam zum Synonym der Disruption.“ Die FEDIL, so machte die Präsidentin klar, ist nicht gegen den Wandel. Aber sie will ihn zeitlich angemessener und vor allem finanziell flankiert wissen - sonst könnten Betriebe schließen.

Die Energiewende müsse begleitet und diskutiert und nicht nur verordnet sein, so ihr Tenor. Das war auch als Seitenhieb auf die Akzisenerhöhung zu verstehen. Schließlich zitierte Detaille noch den französischen EU-Kommissar Thierry Breton, der gefordert hatte, dass Konkurrenten Europas den gleichen Preis für gültige Normen zahlen sollten. Das ist beispielsweise bei Chinesen, die Stahl ohne CO2-Auflagen herstellen können, beispielsweise bislang nicht der Fall. „Wir würden uns freuen, wenn Luxemburg diese ehrgeizige und realistische Haltung übernehmen würde“, sagte die FEDIL-Chefin, selbst überzeugte Liberale, in Richtung der Minister - und meinte wohl vor allem Umweltministerin Carole Dieschbourg.

Am Ende ihrer Rede nutzte Detaille die Aufmerksamkeit des Saals noch, um für den Vorschlag eines Technologieparks neben der Universität in Belval zu werben. Dort könnten Unternehmen und Institute zusammenarbeiten, gemeinsame Infrastrukturen nutzen und die Prinzipien der „Circular Economy“ anwenden. „Wir sind bereit, das zu begleiten und zu unterstützen“, betonte Detaille und lächelte. Die Schule ist eben nicht nur ein Ort der Lernens, sondern auch einer, an dem man sich Freunde fürs Leben macht.