LUXEMBURG
LISA ELSEN

Beim diesjährigen Gare Art Festival dreht sich alles um das Material Holz

Es scheint, als wären Bildhauersymposien mittlerweile zum festen Bestandteil der Kunst- und Kulturszene in Luxemburg geworden.

Egal ob Muse-Symposium in Koerich oder Gare Art Festival in Luxemburg-Stadt: Die Symposien locken Besucher aus allen Teilen des Landes an und wecken so das Interesse für Bildhauerei.

Das Gare Art Festival findet dieses Jahr bereits zum 19. Mal statt, unter der Leitung von Florence Hoffmann und dem ,,Groupe Animation Gare“. Da jedes Jahr mit einem anderen Material gearbeitet wird, dreht sich dieses Jahr alles um Holz.

Bereits seit der ersten Auflage 2001 ist der Grundgedanke des Symposiums, den hauptstädtischen Bahnhofsdistrikt für Besucher attraktiver zu machen.

Aus diesem Grund werden jedes Jahr nationale wie internationale Bildhauer von einer Jury ausgewählt, um für mehrere Wochen unter freiem Himmel an ihren Skulpturen zu arbeiten.

Keine leichte Entscheidung, wenn man bedenkt, dass man aus rund 98 Projekten am Ende sechs auswählen muss. Die diesjährigen Künstler, Hermann Gschaider, Anne Lindner, Nadine Zangarini, Michael Rofka, Maurizio Perron und Ayhan Özgür, arbeiten dieses Mal ausschließlich mit Holz .

Ein Austausch über die Grenzen hinaus

Wenn nationale und internationale Künstler zusammenkommen, dann entsteht zwangsläufig ein Austausch, der über die Landesgrenzen hinausgeht. Dieser kulturelle Austausch liegt auch dem österreichischen Botschafter Gregor Schusterschitz am Herzen. Die gemeinsame Ausarbeitung von Kulturprojekten sei wichtig, auch in Bezug auf Europa, so Schusterschitz weiter. Am Gare Art Festival gefällt ihm vor allem die Zugänglichkeit für den Besucher. Man kann miterleben wie ein Kunstwerk entsteht, fast als würde man den allerersten Strich eines Malers sehen oder das erste Wort eines Schriftstellers lesen.

Natur und Umwelt als gemeinsamer Nenner

Auch die luxemburgische Bildhauerin Nadine Zangarini ist dieses Jahr mit von der Partie. Da es beim Gare Art Festival nicht darum geht einen Gewinner auszumachen, gibt es auch kein Konkurrenzdenken unter den Teilnehmern. Etwas, das die Arbeitsatmosphäre innerhalb der Gruppe stark beeinflusst, so Zangarini. Obwohl sie beim Gare Art Festival in einem anderen Umfeld arbeitet als gewohnt, findet sie das Konzept durchaus interessant. Nicht nur, weil man intensiv als Gruppe zusammenarbeiten kann, sondern auch wegen des Kontakts mit den Besuchern, die den Bildhauern über die Schulter schauen und Fragen stellen können.

Zentrales Element ihrer Arbeit ist die Natur. Aus diesem Grund soll ihre Holzskulptur, die den Namen ,,Urban Tree“ trägt, die Wichtigkeit zwischen Natur und Stadt verdeutlichen, schließlich sind es die Bäume, die uns Sauerstoff liefern, in den Städten aber leider oft Mangelware sind.

Für Zangarini bedeuten Bäume innerhalb einer Stadt jedoch auch Geborgenheit, ein Aspekt den sie durch die Form und den Durchbruch in der Mitte ihrer Skulptur ausdrücken möchte.

Der Durchbruch erfüllt aber noch einen weiteren Zweck: Da wir im Zeitalter der „Selfies“ leben, soll es den Besuchern möglich sein, durch die Skulptur hindurchzuschauen und Fotos zu schießen, was dem Ganzen eine interaktive Komponente verleiht. Auch bei den anderen Bildhauern spielt die Natur eine wichtige Rolle, so zum Beispiel bei Hermann Gschaider, Künstler aus Österreich. Bei ihm muss man den Begriff Skulptur schon fast revidieren, da es sich bei seiner Werk mit dem Titel ,,House of Water“ eher um eine Plastik als um eine Skulptur handelt. So werden ständig Elemente weggenommen, während andere hinzukommen. „Fast wie bei einem Fisch, den man zerlegt, kann man so in das Innere des Kunstwerks hineinschauen“, erklärt Gschaider. Für ihn ist es immer wieder eine Suche nach der inneren Schönheit.

Sein ,,House of Water“ greift aber auch das Thema der Ver- und Entwurzelung auf, nicht zuletzt, weil er durch die Wegnahme und das Hinzufügen von Elementen seiner Plastik die Wurzeln zu rauben scheint. Heutzutage werden Filter und Speicheranlagen für das Wasser benötigt, früher griff man in den Alpen auf Rohre zurück. Etwas was mit seinen eigenen Wurzeln zu tun hat, so Gschaider.

,,Humanity is doomed“

Die luxemburgische Künstlerin Anne Lindner setzt sich ebenfalls mit Umwelt und Natur auseinander, geht dabei aber andere Wege. Scheibe für Scheibe zersägt sie den Baumstamm, der für sie den weiblichen Teil der Natur repräsentiert.

Am Ende werden die Scheiben so zusammengefügt, dass man den Eindruck hat, die Installation sei eine DNA-Spirale. Auf dem oberen Teil der Installation befindet sich etwas das aussieht, als wäre es aus Plastik, jedoch aus Maisstärke besteht. Schließlich sollen Industrie und Plastik lediglich angedeutet werden und nicht als Mittel den Zweck heiligen. Außerdem sieht man nackte, betende Männer. Auf der einen Seite beten sie die Natur an, greifen aber gleichzeitig auf Plastik zurück. Dieser Zerstörung der Umwelt ist auch der Name ,,Humanity is doomed“ geschuldet. Mit der Installation plädiert Lindner für einen bewussteren und nachhaltigeren Lebensstil. Man sieht also: Holz ist ein vielseitiges Material, das Raum für unterschiedliche Konzepte und Ideen lässt

Bis zum 2. August kann man den Bildhauern beim Arbeiten auf der Place Heinisch zuschauen. Die fertigen Skulpturen werden anschließend bis zum 26. September im hauptstädtischen Bahnhof zu sehen sein.