LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Katie Melua im „Journal“-Interview über ihre georgischen Wurzeln und ihr neues Album

Mit ihrer unvergleichlichen Stimme und den unverwechselbaren Songs hat es Katie Melua auf die ganz großen Bühnen der Welt geschafft. Seit zehn Jahren ist ihr Erfolg ungebrochen. Am 10. Dezember legt die 29-Jährige einen Zwischenstopp in der Rockhal ein: Auf der Setlist ihre bewährten Hits und natürlich auch die Songs ihres neuen Albums. Im Journal-Interview spricht die sympathische Musikerin über die neue Platte, alte Hits und ihre Zukunftspläne.

Ihr neues Album heißt „Ketevan“, wieso dieser Titel?

Katie Melua Ketevan ist in der Tat mein georgischer Geburtsname. Das neue Album wurde im Rahmen meines zehnjährigen Bühnenjubiläums veröffentlicht. Diese Dekade stimmte mich nachdenklich, ich wollte zurückblicken. Dieses Zurückblicken brachte mich zurück nach Hause, nach Georgien. Ich bin an der Schwarzmeerküste aufgewachsen. Auf dem Album ist zwar keine georgische Musik, ich verarbeite darin aber viele Erinnerungen an mein Heimatland. Daneben haben mich einige georgische Künstler inspiriert. Es fühlte sich also genau richtig an, diesen Namen zu wählen.

Ist das Album noch persönlicher als die Vorgänger?

Melua Eigentlich ist jedes meiner Alben sehr persönlich. Man versucht immer, so viel wie möglich von sich selbst in die Songs einzubringen. „Ketevan“ ist vielleicht deshalb eine Spur persönlicher, weil ich mich selbst wieder mehr um das Songwriting gekümmert habe. Das war in der Vergangenheit selten der Fall, besonders bei meinem letzten Studioalbum „Secret Symphony“. Diesmal wollte ich mehr meiner eigenen Lyrics und Musik einbringen, statt nur meiner Stimme.

Stand der Albumtitel von Anfang an fest?

Melua Nein, er wurde ganz zum Schluss gewählt. Das Wichtigste ist immer, gute Songs zu haben. Jedes Lied muss eine Geschichte erzählen. Bevor nicht alle Songs stehen, kennen wir nicht die Persönlichkeit des Albums. Natürlich hat man stets ein Ziel vor Augen, visiert einen gewissen Albumcharakter an. Obwohl, immer wenn ich versuche, im Vorfeld ein spezifisches Konzept oder einen kennzeichnenden akustischen Sound für ein Album festzulegen, komme ich am Ende doch wieder davon ab (lacht).

Sie sagten, Sie wollten diesmal Ihre eigenen Lyrics einbringen, Sie arbeiten aber auch mit einem Co-Writer?

Melua Auch wenn die Worte und Lyrics von mir kommen, bevorzuge ich es, mit Co-Writern zu arbeiten, die noch besser mit Wörtern umgehen können. Ich bin besser und schneller im musikalischen Part als im Texten. Ich wähle trotzdem das Thema und die Story. Dann kommt der Co-Writer ins Spiel, der das eben alles besser formulieren oder besser reimen kann. Jeder hat seine Stärken.

Welches sind die Themen der neuen Songs?

Melua Die Themen sind immer die gleichen: love and life. Aber wie gesagt, spielen diesmal meine Erinnerungen an Georgien mit. Das stärkste Thema ist sicherlich das des Meeres, die Kraft der See.

Haben Sie einen persönlichen Favoriten?

Melua Am meisten verbunden fühle ich mich mit „I Never Fall“, weil das Thema sehr ironisch ist. Dazu inspiriert wurde ich durch ein Gemälde, das ich bei einem Freund gesehen habe, und durch den englischen Ausdruck „falling in love“. Ich wollte mit dieser Formulierung spielen. Warum heißt es, „falling in love“? Viele Menschen wollen dieses „fall in love“. Es hat also nichts mit einem Unfall zu tun. Es ist ein Wortspiel. Auf dem Gemälde war wiederum jemand zu sehen, der stürzt, aber es war schwer zu sagen, ob er wirklich versehentlich stürzt oder gewollt springt. Darum also der Refrain, „I never fall, I always jump“. Das ist zugleich mein Lebensmotto.

Zehn Jahre sind Sie nun schon erfolgreich im Geschäft, haben Sie sich in dieser Zeit verändert?

Melua Ja, definitiv. Zwischen dem 18. und dem 29. Lebensjahr entwickelt sich jeder weiter. Die Erfahrung lehrt dich gewisse Dinge. Man wird weiser. Naivität ist zwar eine gute Qualität, also keine Schande, jedoch etwas anderes, wenn man 18 ist als mit 29. Alles was du vorher getan hast, ist geschehen, kann nicht mehr geändert werden, und das mag ich. Es ist wichtiger, als sich ständig auf die Fülle an Möglichkeiten, die die Zukunft vielleicht bietet, zu fokussieren.

Also kein Bedauern wegen vergangener Dinge?

Melua Nein, jeder macht Fehler und lernt daraus. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wenn ich mir vor Augen halte, wo ich mit meinen 29 Jahren bin. Alles, was ich immer tun wollte, war eine erwerbsfähige Musikerin zu sein. Das habe ich erreicht und bin sehr glücklich darüber.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?

Melua Ich weiß es nicht, ich denke ich habe einfach eine sehr verrückte, wilde Leidenschaft, sogar Besessenheit für die Musik entwickelt. Es ist die Art, wie mich Musik beeinflusst, und damit meine ich die Musik im Allgemeinen. Musik war immer meine Retterin, ich habe mich oft darin geflüchtet. Ich denke nicht ständig daran, dass ich immer so weiter machen muss. Gerade diese Gedankenlosigkeit, statt immer darüber nachzudenken, dass Musik mein ganzes Leben bestimmen muss, hält das Ganze am Laufen.

In Luxemburg werden Sie ganz bestimmt auch Ihre größten Hits wie „Nine Million Bicycles“ spielen. Hat man nach so vielen Jahren noch Lust dazu?

Melua Die Beziehung zu solchen Songs ist wie die Beziehung zu einem Menschen (lacht), und zum jetzigen Zeitpunkt bin ich sehr verliebt in diese Lieder, es gibt aber auch Zeiten, wo ich mir sage: „Oh nein, nicht schon wieder dieser Titel“. Aber meine Band schafft es immer wieder, einen frischen Wind in die Songs zu bringen, sodass sich gerade auch „Nine Million Bicycles“ irgendwie neu für mich anfühlt.

Gibt es irgendetwas, das Sie in Sachen Musik noch ausprobieren wollen?

Melua Ich würde sehr gerne mal ein Album in georgischer Sprache machen. Davon rede ich schon lange. Dazu müsste ich aber einige Monate in meiner alten Heimat verbringen und dazu fehlt mir leider die Zeit. In einigen Jahren vielleicht. Das ist jedenfalls ein großer Traum.
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