Einfach schockierend, was da gestern bekannt wurde. Skandalös, dass nicht nur Fragebögen der gemeinsamen Tests, die einen Teil der Orientierungsprozedur vom „fondamental“ in die Sekundarstufe darstellen, sondern sogar Lösungen in Umlauf gerieten. Und das offenbar nicht bloß an einer Schule, sondern an mehreren im Land. Außerdem haben sich die, die das zu verschulden haben, offenbar sogar richtig Mühe gegeben, das Material zu verarbeiten, damit es in Windeseile per Mail weiter gereicht werden kann. Warum tut jemand so etwas? Persönlicher Gefallen an Eltern von Schülern, die sicher gehen wollen, dass ihr Kind in die gewünschte Sekundarschule orientiert wird? Oder steht dem doch eine wie auch immer geartete Gegenleistung gegenüber, was natürlich noch skandalöser wäre.

Auf jeden Fall muss es eine Nachfrage für das Prüfmaterial gegeben haben, nicht wahr? Da gibt es Eltern im Land, die sich aber eine Menge Fragen stellen müssen. Zum Beispiel darüber, was sie ihren Kindern da eingebrockt haben. Und was leben sie ihnen eigentlich vor? Dass man durch tricksen besser weiter kommt als durch ehrliche Arbeit. Ein Bärendienst fürs Leben, die sie ihren Kindern da leisten! Respekt denjenigen Eltern, die verfügbare Informationen über die Tests ablehnten und die Schummelei meldeten. Mogeln bringt niemanden weiter. Und früher oder später kommt dafür immer die Rechnung. Im vorliegenden Fall kommt sie unmittelbar, erst einmal für die Schüler. Leider müssen auch die Schüler, die sich ordentlich vorbereitet haben, sich nun zusätzlichen Prüfungen unterziehen. Das wird in den sozialen Netzwerken von Eltern scharf kritisiert und auch der SEW/OGBL warnt vor einer „Bestrafung der Schüler durch zusätzliche Tests“. Klar verursacht das mehr Stress für die rund 4.800 betroffenen Schüler und mitunter auch für ihre Eltern. Aber einfach ein Auge zudrücken und die Schüler, die mit einem Vorteil in die Tests gehen, diesen voll ausspielen lassen? Das kann auch nicht angehen und würde diesen Teil der wichtigen Orientierungsprozedur vollends verfälschen. Das Ministerium hat einen gangbaren Mittelweg gefunden, um das zu vermeiden. Es wird natürlich auch Wege finden müssen, um hundertprozentig zu gewährleisten, dass geheime Testbögen auch geheim bleiben. Manche versuchen, Minister Meisch nun einen Strick daraus zu drehen, dass die Fragen vielleicht zu früh verschickt wurden, oder aber nicht als „streng geheim“ gekennzeichnet gewesen seien.

Mais arrêtons! Dass Prüfungsfragen nicht im Vorfeld verraten werden dürfen, ansonsten die Übung völlig sinnlos wird, weiß doch jeder. Wetten, dass die Leute, die die „Leaks“ zu verantworten haben, das auch getan hätten, wenn die Fragen nur einige Tage vorher verschickt und mit einem dicken Stempel „streng geheim“ versehen worden wären? Aber natürlich müssen die Informationen so gut wie möglich geschützt werden. Hat diese Affäre doch traurigerweise bewiesen, dass das Vertrauen in die Ehrlichkeit, das Pflichtbewusstsein und die Professionalität aller mit den Fragebögen Betrauten nicht ausreicht. Bleibt zu hoffen, dass die Ermittlungen den Schuldigen, die natürlich auch ihren Kollegen einen Bärendienst geleistet haben, schnell auf die Schliche kommen. Es steht viel auf dem Spiel!