LUXEMBURG
NOÉMIE LAPLANCHE

Die 21-jährige Alisha Leyder über ihr Tanzstudium und ihre Zukunft

Nach ihrem Abschluss am Gymnasium stand für die heute 21-jährige Alisha Leyder aus Warken fest, dass sie unbedingt einen Bachelor im Tanz absolvieren möchte. Diesen September startet nun bereits ihr drittes Jahr in den „performing arts“ an der Universität von Barcelona. Im Interview erzählt Alisha, was dieses Studium so besonders macht, und worauf man als Tänzer achten muss, um sich stets weiterzuentwickeln.

Warum hast Du Dich für Barcelona entschieden?

Alisha Leyder Das war eine relativ spontane Entscheidung. Mein Traum war es eigentlich immer, Tanz in Paris zu studieren. Ich entschied mich dann gegen Frankreich, weil man hier nur ein Staatsdiplom machen konnte, ich jedoch wollte unbedingt einen Bachelor absolvieren. So habe ich mich über weitere Universitäten informiert. Die in Barcelona kannte ich eigentlich nicht, ich bin nur zufällig bei meinen Recherchen über ihre Internetseite gestolpert. Damals dachte ich, dass es doch verrückt wäre, in einer Stadt wie Barcelona zu leben und zu studieren, schließlich war ich bis dahin noch nie in Spanien. Ich habe mich dann doch spontan für die Audition angemeldet. Im April 2017 bin ich zum Vortanzen gegangen und habe mich nebenbei ganz in die Stadt verliebt. Zum Glück wurde ich schließlich auch angenommen.

Woher kommt Deine Leidenschaft fürs Tanzen?

Alisha Als ich vier Jahre alt war, habe ich zusammen mit meiner Schwester den Film „Save the Last Dance“ gesehen. Den fand ich super, und meine Schwester hat mich daraufhin immer wieder zu ihren Tanzstunden mitgenommen. Mich hat das immer sehr inspiriert und einfach glücklich gemacht, sodass ich dann auch unbedingt tanzen wollte und mich für Tanzstunden einschrieb. Mit fünf Jahren habe ich dann am Konservatorium in Diekirch begonnen, Ballett zu tanzen. Mir hat das so sehr gefallen.

Welche Tanzstile praktizierst Du?

Alisha Am Konservatorium in Diekirch habe ich damals angefangen, Ballett und Jazz zu lernen. Das habe ich bis zu dem Zeitpunkt gemacht, als ich studieren ging. Heute in Barcelona sind meine Hauptfächer Ballett und zeitgenössischer Tanz, und meine Nebenfächer Jazz, Tap, Commercial, Aerials, Pilates, body conditioning und natürlich auch einige theoretische Fächer wie Management, Tanzgeschichte, Anatomie und Ernährung.

Das ist ja eine bunte Mischung. Warum hast Du Dich für so unterschiedliche Tanzarten entschieden?

Alisha An der Universität zu Barcelona hat mir von Anfang an gefallen, dass ich mich nicht nur im Ballett und zeitgenössischen Tanz spezialisieren kann, sondern auch andere Tanzarten lernen darf. Persönlich finde ich es so wichtig, als Tänzer mehrere unterschiedliche Tanzarten zu lernen. Die Vielfalt eines Künstlers wird auch immer mehr gesucht und ist von großem Vorteil, um unterschiedliche Jobs zu bekommen. Ich habe zum Beispiel auch einmal in der Woche Gesangsunterricht, Schauspielunterricht und physisches Theater. Ich kann als Tänzerin also auch Musicals machen, wenn ich möchte. Zudem wird bei Jobcastings immer mehr nach Tänzern gesucht, die singen und schauspielern können.

Was unterscheidet Dein Studium von einem klassischeren Studium?

Alisha Der größte Unterschied ist ganz klar, die physische Anstrengung. In meinem Studiengang hat man weit mehr physische Kurse als theoretische. Zudem muss ich meistens sechs Stunden am Tag trainieren, öfters auch länger, wenn wichtige Proben für ein Projekt anstehen.

Worin liegen die Herausforderungen eines solchen Studiums?

Alisha Die größte Herausforderung ist es in meinen Augen, einfach gesund zu bleiben und ein gutes Gleichgewicht zwischen Geist und Körper aufrechtzuhalten. Zudem muss man auf eine ausgewogene Ernährung achten und darauf, genügend Pausen zu machen. Am Anfang ist es mir schwer gefallen, mich gesund zu ernähren, weil wir meistens nur 15 Minuten oder vielleicht mal eine Stunde Pause zwischen den Kursen hatten. Um da nicht einfach irgendwas Schnelles in sich hineinzustopfen, sondern etwas Gesundes, ist nicht immer leicht. Zudem ist es in einem solchen Gebiet schwer, sich nicht immer mit den anderen Tänzer der Klasse zu vergleichen: Jeder ist anders gebaut, hat seinen eigenen Rhythmus und seine Stärken und Schwächen. Psychisch ist es wichtig, sich dessen bewusst zu sein. Dann muss man auch darauf achten, nicht exzessiv zu trainieren, sondern ein gutes Gleichgewicht zwischen Training und Pausen zu finden, in denen man genügend Schlaf bekommen soll. Ohne diesen Schlaf und die Erholung kann der Körper nicht alles geben, was von ihm verlangt wird.

Wie steht es eigentlich um die luxemburgische Tanzszene?

Alisha Tatsächlich wird sie immer größer, das macht mich sehr froh. Es gibt viele luxemburgische Tänzer, die meisten arbeiten jedoch im Ausland. Trotzdem wurden in den letzten Jahren sehr viele junge Talente gefördert, zum Beispiel, um an Wettbewerben an der „Confédération Nationale de Danse“ (CND) teilzunehmen. In Luxemburg-Stadt im TROIS C-L werden sogar jeden Tag gratis Tanzkurse für pre- und professionelle Tänzer angeboten. Ich würde sagen, dass es kein Problem ist, in Luxemburg hauptberuflich als Tanzlehrer zu arbeiten, wenn man das möchte.

Zurzeit sind noch Sommerferien. Hast Du da eine Pause vom Tanzen eingelegt?

Alisha Während der Sommerferien mache ich etwas langsamer mit dem Training, höre jedoch nicht komplett auf, da ich stets meine Technik weitertrainieren möchte. Im 3 C-L habe ich jeden Tag trainiert, an dem dort geöffnet war. Dann habe ich in der CND an einem Intensiv-Tanzkurs teilgenommen. Eine Woche lang wurde dort trainiert, genau wie an der Uni in Barcelona. Nebenbei ging ich dann auch zum Fitness, um meine Stärke und Ausdauer nicht zu verlieren. Diese sind für Tänzer sehr wichtig. Im August bin ich dann doch etwas gereist, auch wenn ich meine Augen stets offen gehalten habe, um Tanzworkshops im Ausland zu machen.

Wie stellst Du Dir Deine professionelle Zukunft vor?

Alisha Ich möchte mir auf jeden Fall alle Optionen als Künstlerin offen lassen und mich nicht an etwas festklammern. Eines meiner Ziele ist es, in einer zeitgenössischen Kompanie zu sein und dort Choreografien zu machen. Auch wäre ich offen für kommerziellen Tanz, zum Beispiel in Werbungen. Wenn ich dann etwas älter bin, könnte ich mir vorstellen, als Tanzlehrerin zu arbeiten. Heute wäre es für mich eine Option, weiter in Richtung „physical theater“ zu gehen, wo ich das Singen und die Schauspielerei mit dem Tanzen vereinen könnte. Nicht zuletzt arbeite ich zurzeit eng mit meiner Modelagentur, in welcher ich mich weiter als Model und Tänzer promoten möchte.

Die Künstlerin ist auch auf Instagram zu finden.