Keine Entwarnung an der Front gegen die Arbeitslosigkeit. Mit insgesamt 24.444 Jobsuchenden (die von der ADEM in Beschäftigungsmaßnahmen vermittelten mit einbezogen), liegt diese Zahl um fast 8.000 höher als Ende 2008, dem Jahr als die „Subprime“-Krise, nachdem sie reihenweise US-Kreditinstitute in die Knie gezwungen hatte, auch nach Europa überschwappte. Sechs Jahre später blickt die amerikanische Wirtschaft 2015 einer Wachstumsrate von 3,5 Prozent entgegen - so stark ist sie seit zehn Jahren nicht gewachsen, die Arbeitslosigkeitsrate dürfte auf 5,6 Prozent fallen. Nach Ausbruch der Krise war sie quasi doppelt so hoch.

Derweil kommt „Old Europe“ - Arbeitslosenquote von zehn Prozent in der EU, 11,5 in der Eurozone - nicht in die Puschen. Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone soll - nach Jahren der Rezession und des Mini-Wachstums - in diesem Jahr bei lediglich 1,2 Prozent liegen, meinte kürzlich der Internationale Währungsfonds. Luxemburg sticht da mit einer voraussichtlich fast doppelt so hohen Wachstumsrate schon deutlich heraus. Dabei war das BIP-Wachstum rezent um 1,1 Prozent nach unten revidiert worden angesichts der zahlreichen Unwägbarkeiten in der Welt, die unseren internationalen Wirtschaftsstandort weiter schwächen könnten. Merke: Auch das Wachstumsszenario, das die Grundlage des Haushaltsgesetzes 2015 bildet - +3,3 Prozent - würde selbst bei konstanter Wiederkehr und bei optimaler Effizienz der ADEM nicht reichen, um den „taux de chômage“ schnell und konsequent zu drücken. Zwar hat sich die Arbeitslosigkeit im Jahre 2014 stabilisiert; um sie von einem Rekordniveau zurück zu drängen, müssen allerdings eine Menge Faktoren stimmen und eine Menge Anstrengungen unternommen werden. Dass sich kürzlich Regierung und UEL auf eine „Partnerschaft für die Beschäftigung“ geeinigt haben, ist in diesem Sinne absolut zu begrüßen. Sicher werden die Gewerkschaften Anfang Februar auch zu dieser Partnerschaft stoßen. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, welche die Betroffenen in unerträgliche und oft ausweglose Situationen bringt, muss die oberste Priorität in ganz Europa sein.

In den Ländern, die am meisten unter der nicht enden wollenden Krisenserie gelitten haben, sind die Arbeitslosenquoten in solche Höhen geschnellt, dass eine ganze Generation droht, nie richtig finanziell unabhängig Fuß zu fassen. In Griechenland etwa - das morgen eine Richtungswahl vornimmt - übersteigt die Arbeitslosigkeit 25 Prozent, ist jeder zweite junge Mensch ohne Job. Daran ändert sich fundamental wenig, wenn nun eine politische Kraft an die Macht käme, die tausende im Zuge drastischer Sparmaßnahmen verschwundenen Stellen im Staatsdienst wieder herstellen würde.

Die Herausforderung ist, die Bedingungen zu schaffen, damit die Wirtschaft wieder richtig auf Touren kommt, die Betriebe Planungssicherheit und Perspektiven erhalten und Jobs schaffen. Ein schwieriger Balanceakt, den beispielsweise Griechenland nicht alleine packt. Bleibt zu hoffen, dass die milliardenschweren Programme von EZB und EU-Kommission den Balanceakt nicht noch schwieriger machen.