LUXEMBURG
MARCO MENG

Versicherer lanciert „Friday“ - Abschied vom klassischen Geschäft

Digitalisierung und Startup-Unternehmen, die das Geschäft streitig machen, setzen Versicherern derzeit zu. Mit dem mobilen Versicherer „Friday“ ergreift die Bâloise-Gruppe nun die Gelegenheit beim Schopf und kehrt den Spieß gewissermaßen um: Die Niederlassung Luxemburg gründet in Berlin ein eigenes Startup.

Im Herbst hatte die Unternehmens-Gruppe bereits mitgeteilt, sich verstärkt im Online-Segment präsentieren zu wollen. Bis Ende März soll nun „Friday“ an den Markt. Der Rechtsträger des Insurtechs ist die neu errichtete Niederlassung der Bâloise Assurances Luxembourg S.A. in Berlin, wie die luxemburgische Filiale gestern dem „Journal“ auf Nachfrage bestätigte. „Friday“ ist der Markenname dieser Niederlassung. „Friday passt so gesehen perfekt zu unserer strategischen Ausrichtung Simply Safe: schnell, einfach, direkt“, sagte Carole Arendt, Sprecherin der Groupe Bâloise Assurances à Luxembourg. „Zudem wollen wir durch Transparenz eine besondere Kundenfreundlichkeit erzielen.“

Der schweizerische Versicherer will mit seiner Offensive die Digitalisierung des Konzerns vorantreiben. Über die neue Marke, die sich vor allem an junge Kunden richtet, soll man in 90 Sekunden ein Versicherungsangebot für den Kfz-Bereich erhalten können. Monatliche Zahlungen und Kündigung sollen zudem dem Versicherungsnehmer größere Flexibilität bringen. Geschäftsführer der Baloise-Tochter wird Christoph Samwer. Richtig, den Namen hat man schon gehört: Er ist der Cousin der bekannten drei Samwer-Brüder, die unter anderem Rocket Internet und das Online-Schuhhaus Zalando gründeten.

Dass die Bâloise Gruppe sich mit „Friday“ einen eigenen digitale Versicherer zu eigen macht, greift dem vor, was ansonsten dem klassischen Versicherungsgeschäft zusetzt. Bâloise selbst begründet das so: Man wolle Innovationen im Bereich der Digitalisierung starten und bis 2021 - zumindest in Deutschland - zum „beliebtesten Mobile-Versicherer avancieren“. Andere Märkte sollen dann folgen. Darum auch ist Luxemburg das Mutterhaus: Aufgrund dieser angestrebten Internationalität hat die Luxemburger Bâloise die Niederlassung in Berlin und nicht die deutsche Basler-Tochter „Friday“ gegründet, erklärt Arendt.

Bisher sollen die Schweizer 50 Millionen Schweizer Franken (rund 46 Millionen Euro) in das Insurtech-Startup investiert haben oder noch investieren wollen. Wolle man in der Digitalisierung einen Sprung nach vorne machen, könne dies nicht aus den traditionellen Strukturen heraus erfolgen, begründete Bâloise. Unter der Bezeichnung „Simply Safe“ will die Gruppe ihr Geschäft neu ausrichten. Neben Umstrukturierungen, Neugründungen sind auch Startups ein Thema.

Ähnlich wie Banken vermehrt mit Fintech-Unternehmen kooperieren und sie in ihr Geschäft einbinden, tun das vermehrt Versicherer mit sogenannten Insurtech-Startups. Vor der Baloise-Gruppe hatte beispielsweise die W&W-Gruppe Treefin übernommen und die Allianz ist bei Instamotion eingestiegen. PwC Luxembourg veröffentlichte letztes Mal im Juni den „ PwC Global FinTech Report“, nach dem 74 Prozent der Versicherer, also drei von fünfen, davon ausgehen, dass Startup-Unternehmen in den nächsten fünf Jahren die Versicherungsbranche umkrempeln werden.

Lëtzebuerger Journal