LUXEMBURG
MARCO MENG

Luxemburgs Finanzplatz gut aufgestellt - auf den ersten Blick

Die luxemburgischen Geldhäuser haben ihre Kosten im Griff. So sieht es jedenfalls auf den ersten Blick aus, wenn man die gestern von der Finanzaufsicht CSSF veröffentlichte Gewinn- und Verlustrechnung der hiesigen Kreditinstitute liest.

Demnach konnte der Sektor im letzten Jahr das Ergebnis vor Rückstellungen um 14,9 Prozent auf 6,36 Milliarden Euro steigern. 2015 betrug das Ergebnis 5,5 Milliarden Euro. Laut CSSF ist das Volumen dieses Wachstums aber nicht nur außergewöhnlich, sondern vor allem auf eine Bank am Finanzplatz zurückzuführen. Um welche Bank und welche Transaktion es sich dabei handelte, verriet die CSSF nicht. Es gab letztes Jahr viel Bewegung auf dem luxemburgischen Finanzplatz, so erwarb u.a. Hauck & Aufhäuser das Fondsgeschäft der Sal. Oppenheim in Luxemburg mit einem Vermögen von immerhin 25 Milliarden Euro, ohne dass dafür ein Preis genannt wurde, auch verkaufte die Commerzbank ihre Tochter CISAL für 68 Millionen Euro an Julius Bär. Die Schweizer übernahmen letztes Jahr auch die Bank Leumi Luxemburg SA. Ein Kaufpreis wurde hier ebenfalls nicht genannt. Und bei der Übernahme der BHF-Bank International S.A. durch Caceis blieb der Kaufpreis geheim. Neben diesen Übernahmen verkauften auch einige luxemburgische Banken Töchter und Beteiligungen im Ausland.

Obwohl wegen der niedrigen Zinsen, sogar sogenannter Negativzinsen, die Zinsmarge - die Spanne zwischen Zinssatz für vergebene Darlehen und dem, den Banken der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen - im Vergleich zu früheren Jahren gering ist, pendelte sich die Gewinnspanne doch über das letzte Jahr bei 5,3 Prozent ein. Dieser Anstieg, der bei etwas mehr als die Hälfte der luxemburgischen Kreditinstitute zutraf, machte 57 Prozent des Bankergebnisses am Finanzplatz aus.

64 Prozent dieser Kreditinstitute konnten das Volumen ihrer Ausleihungen steigern, während 65 Prozent es schafften, den Ertrag auf ihre Aktiva zu steigern. Bei 33 Prozent der Banken trafen beide Faktoren zu. Bestimmte Banken haben zudem laut CSSF damit begonnen, ihren institutionellen Kunden negative Zinssätze für Guthaben zu berechnen. Die oben ersichtliche deutliche Volumenzunahme träfe aber nur auf eine begrenzte Zahl der Banken zu, betont die CSSF.

Das Netto-Kommissionseinkommen (Provisionen) ging im letzten Jahr um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, was vor allem an dem in der in der ersten Hälfte des letzten Jahres weniger günstigen Börsengeschehen zusammenhängt. Diese negative Wirkung habe nur teilweise durch die verbesserte Entwicklung der Kapitalmärkte ab dem drittem Quartal 2016 ausgeglichen werden, so die Finanzaufsichtsbehörde. Die Verminderung des Netto-Provisionseinkommens betrifft mehr als die Hälfte der Banken in Luxemburg.

Eine Transaktion verfälscht die Statistik

Demgegenüber punkteten luxemburgische Banken mit den übrigen Einkommen, die um 33,9 Prozent im Vergleich zu derselben Periode des vorigen Jahres gesteigert werden konnten. Allerdings setzt sich dieser Einkommens-Posten von Bank zu Bank unterschiedlich zusammen.

Für 2016 war es zudem laut CSSF die Transaktion einer Bank am Finanzplatz, die durch eine Veräußerung allein 97 Prozent dieser Einkommenssteigerung realisiert hat. Lässt man diese Transaktion beim Berechnen der Profite und Verluste der hiesigen Geldhäuser außen vor, läge das übrige Provisionseinkommen letztes Jahr nur um 1,1 Prozent gegenüber dem von 2015, während die Gesamtkosten um 1,2 Prozent gestiegen sind (die Personalkosten dabei nur um 0,1 Prozent). Die Kostensteigerung betrifft die große Mehrheit der Banken des Finanzplatzes und spiegele ebensogut Investitionen in neue technische Infrastrukturen wider wie Kosten, die durch Anpassung an neue Regulatorien entstehen.