LUXEMBURG
MARCO MENG

Immer neue „Fintechs“ - Visa aber lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen

Der Markt der Bezahldienstleister ist ein heiß umkämpfter. Zahlreiche neue Fintech-Unternehmen tauchten in den letzten Jahren auf, die immer neue und bequemere Bezahlmöglichkeiten anbieten. Eine Herausforderung für etablierte Marktführer in diesem Bereich. Wird es in zehn Jahren noch Kreditkarten geben? stellte sich so mancher Marktbeobachter die Frage. Vielleicht schon. Die Zeiten aber, in denen die Karten umständlich durch ein Lesegerät gezogen werden mussten, sind definitiv vorbei.

Der Kreditkartenanbieter Visa setzt sich an die Spitze der innovativen Neuerungen und führt nicht nur kontaktloses Bezahlen ein, sondern ermutigt auch Entwickler, die eigene Visatechnologie für bargeldlose Bezahlmechanismen zu nutzen.

Offen für Entwickler:Das „Visa Developer Center“

„Innovativ zu sein ist wichtig“, erklärte gestern dazu Jean-Marie de Crayencour, „Visa Country Manager“ Belgien und Luxemburg. Aus diesem Grund hat das Unternehmen Anfang des Jahres eine Entwickler-Plattform ins Leben gerufen und Programmierer eingeladen, diese Plattform für ihre Apps und Dienste zu nutzen. Das umfasst eine Reihe von Programmierschnittstellen, Codebeispielen, Dokumentationen und eine virtuelle Testumgebung. Dadurch will das Unternehmen eigenen Angaben nach Branchenpartnern die Möglichkeit, auf Basis der Visa-Technologie neue, einfachere und sicherere Bezahlmöglichkeiten zu schaffen. Ebenso hat Visa seinen „Token“-Service auf „Cloud“-basierte Zahlungen ausgeweitet, also auf bankeigene mobilen Bezahl-Apps sowie „Wearables“ oder Internetbrowser-basierten „digitalen Geldbösen“. Der Visa-Token ist heute bereits Grundlage für Samsungpay, genauso wie für Applepay oder Googlepay. (Ein „Token“ - elektronischer Schlüssel oder Chipschlüssel - ist eine Hardware- oder Softwarekomponente zur Identifizierung und Authentifizierung von Benutzern, d.R.) Visa unterhält selbst drei Innovationszentren, eines in London, eines in Berlin und eines in Tel Aviv. In Luxemburg gibt es bislang keine direkte Kooperation mit der hiesigen „Fintech“-Community, allerdings arbeite Visa mit allen hier im Land ansässigen Banken zusammen, von denen viele wiederum direkte Kooperationen mit hiesigen „Fintech“-Startups haben.

NFC immer mehr genutzt

Jüngst waren Visa Inc. (USA) und die vormals zu europäischen Banken gehörende Visa Europe zu einem Unternehmen fusioniert. Diese Vereinigung gebe nun der innovativen Strategie weiteren Schub, sagte Crayencour bei der Vorstellung der kontaktlosen Visa-Bezahlkarte „V Pay“ gestern in Luxemburg. „Die Welt des Bezahlens ändert sich“, unterstreicht Crayencour. Nachdem sein Unternehmen Anfang des Jahres die kontaktlose Kreditkarte herausgegeben hatte, folgte nun eine Debitkarte, die ebenfalls mit der kontaktlosen Datenübertragungstechnologie NFC funktioniert. Eine Technologie, die laut Visa in Luxemburg und auch europaweit immer mehr genutzt wird. Der Kreditkartenriese ist sich sicher, dass kontaktloses Bezahlen, sei es mit Karte, Smartphone oder sogenannte „Wearables“ bald zur täglichen Gewohnheit gehören wird. Luxemburg, erklärt Visa, sei gut positioniert, denn hier würden bereits 80 Prozent der Händler die kontaktlose Bezahlmöglichkeit anbieten; bis 2017 rechnet Visa mit einer Steigerung auf 95 Prozent.

Luxemburg, so die Einschätzung, werde beim kontaktlosen Bezahlen im kommenden Jahr europaweit die Führung übernehmen. Allein seit im Februar die kontaktlose Kreditkarte herausgebracht wurde, verzehnfachte sich deren Nutzung bis April; die Zahl der Transaktionen multiplizierte sich mit 30.

Diese Zahlen verdeutlichten eindeutig die steigende Nachfrage, stellt Crayencour: fest „Kontaktlos wird zur neuen Norm.“