LUXEMBURG
JACQUELINE KIMMER

Die Minister Corinne Cahen und Nicolas Schmit bezogen am Internationalen Tag für Menschen mit Behinderung Stellung zu möglichen Problemen

Heute sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation weltweit über eine Milliarde Menschen in irgendeiner Form behindert. Diese Menschen stoßen allzu oft nicht nur auf physische Hindernisse, sondern auch auf soziale und mentalitätsbedingte Barrieren, wie Familien- und Integrationsministerin Corinne Cahen gestern auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Arbeitsminister Nicolas Schmit unterstrich.

Der 3. Dezember, internationaler Tag für Menschen mit Behinderung, hat die Sensibilisierung für ein verstärktes Bewusstsein für die Belange von Menschen mit Behinderung zum Ziel. Es geht darum, den Inklusionsgedanken voranzutreiben und gemeinsam nach praxisbezogenen und dauerhaften Lösungen in allen Lebensbereichen zu suchen, die niemanden von vornherein ausschließen. Um dieses Miteinander konkret zu realisieren, setzt das Familien- und Integrationsministerium verstärkt auf die Förderung des Konzeptes des „Design for all“. Neben seiner Rolle als Koordinator für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und des fünfjährigen Aktionsplanes, arbeitet das Familien- und Integrationsministerium nach Cahens Worten „insbesondere an geeigneten Lösungen in den Bereichen der Zugänglichkeit, Sensibilisierung und Kommunikation“. Dies geschieht im Dialog mit betroffenen Menschen und in Zusammenarbeit mit den vom Familien- und Integrationsministerium konventionierten und finanzierten Trägern, die für und mit behinderten Menschen arbeiten.

Gutes Abschneiden von Luxemburg hervorgehoben

Arbeitsminister Nicolas Schmit kam auf die am Dienstag veröffentlichte Eurostat-Studie zur Situation von Menschen mit Behinderungen in der EU im Jahr 2013 zu sprechen, bei der Luxemburg mit „appréciable Resultater“ abschnitt. Lag im vergangenen Jahr die Erwerbsrate von Menschen ohne Behinderung in der EU bei 66,9 Prozent, so war sie mit Behinderung bei 47,3 Prozent. In Luxemburg war der Unterschied laut Eurostat am kleinsten: 64,9 Prozent ohne, 62,5 mit Behinderung, dies vor Schweden und Frankreich.

Ferner wies Minister Schmit darauf hin, dass man in Zukunft den Zugang für zum Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung sicherstellen und die Anpassung des Arbeitsplatzes an die Bedürfnisse dieser Menschen gewährleisten müsste. Unumgänglich ist es nach Schmits Worten, die in unseren Köpfen vorherrschenden Vorurteile endlich abzuschaffen, denn eine „Person mit Behinderung ist nicht weniger produktiv als andere“.

134.000 Telefonanfragen beim „Contact Center“

Wie die beigeordnete Direktorin des Arbeitsamtes (ADEM), Gaby Wagner , zu berichten wusste, werden derzeit 4.111 „Salariés handicapés“ (SH) und „Salariés à capacité de travail réduite“ vom Arbeitsamt betreut. 57,5 Prozent sind Männer (2.362), 42,5 Prozent Frauen (1.749). Der „Service des salariés handicapés“ der ADEM, der zurzeit 19 Mitarbeiter zählt, ist beauftragt mit „des mesures d’orientation, de formation, de placement , de rééducation, d’intégration et de réintégration professionnelle“ der Menschen mit Behinderung, die zu mindestens 30 Prozent arbeitsunfähig sind. 2013 wurden 431 „mesures de réinsertion et de formation“ von den Dienststellen der ADEM organisiert, 2014 waren es deren bislang 361.

Ferner wies Gaby Wagner darauf hin, dass das „Contact Center“ der ADEM ausschließlich mit Menschen mit einer Behinderung besetzt ist, die eine eigene Ausbildung erhalten haben. Derzeit zählt das „Contact Center“ 21 Telefonberater, von denen dreizehn „full-time“ und acht Halbzeit arbeiten. Im vergangenen Jahr wurden 134.000 Telefonanfragen vom „Contact Center“ bearbeitet, von denen 72 Prozent im ersten Anlauf gelöst werden konnten.