LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Ab 2017 gilt der Energiestandard für alle Wohngebäude - Konsortium bildet Handwerk aus

Das Handwerk ist vorbereitet auf die Energiestandards, die ab Januar 2017 gelten. Dann müssen alle neuen Wohngebäude in Luxemburg dem Energiestandard AA entsprechen, also Passivhäuser sein. Die Handwerkskammer, die „Fédération des Artisans“, myenergie und das „Institut de Formation Sectoriel du Bâtiment“ (IFSB) haben sich deshalb bereits 2014 im Konsortium LuxBuild2020 zusammengeschlossen. Seither bereiten sie die Weiterbildung im Handwerk vor.

Das Konsortium diskutierte und plant intensiv in Arbeitsgruppen. „Möglich würde das auch, weil wir EU-Mittel zur Verfügung hatten“, erklärt Christiane Conrady, Koordinatorin von LuxBuild und myenergie bei der gestrigen Vorstellung der Ergebnisse.

Aufgabenteilung bei LuxBuild

Die Energieberatungsagentur myenergy sammelte Berichte aus Unternehmen und kommunizierte über die Entwicklung, die Handwerkskammer setzte sich für einen gewerkübergreifende Zusammenarbeit ein, aktualisierte Kompetenzanforderungen sowie Fachkenntnisse und entwickelte eine Selbstkontrolle der Betriebe. Darüber hinaus bildete sie bislang 563 Unternehmenschefs und leitende Mitarbeiter sowie 400 Baustellenleiter und Teamführer im Handwerk aus. „Die Handwerkskammer stellt auch externe Berater für kleine Betriebe zur Verfügung und hat Lernboxen entwickelt“, präzisiert Conrady. Diese Boxen bieten in vier verschiedenen Sprachen einen Überblick über neue Materialien und Änderungen für Elektriker, Fassadenbauer, Gebäudetechniker oder Schreiner.

Zwei Kompetenzzentren auf Krakelshaff

Die Fédération des Artisans baut auf dem Krakelshaff in Bettemburg gegenüber dem IFSB zwei neue Kompetenzzentren für Gebäudetechnik und -innenausbau. Das Gelände stellt die Regierung zur Verfügung. Michel Reckinger bedankte sich als Präsident der Fédération des Artisans nochmal ausdrücklich bei Staatssekretärin Francine Closener vom Wirtschaftsministerium. „Ohne diese Unterstützung wäre es nicht so schnell gegangen“, sagt er. Die durch eine Unternehmensabgabe finanzierten Zentren sollen Ende 2018 fertig sein. Die angebotene Weiterbildung stützt sich auf Kompetenzprofile, die für rund 30 Handwerksberufe aus den Bereichen Gebäudetechnik und Innenausbau unter Berücksichtigung des Europäischen Qualifikationsrahmens ausgearbeitet wurden. Sie sollen Fortschritte während der gesamten Laufbahn ermöglichen.

Das IFSB nutzt sein bereits vorhandenes Schulungsgebäude und bietet begleitende Beratung an, beispielsweise dann, wenn ein kleines Unternehmen gar nicht weiß, welche Weiterbildung sinnvoll oder notwendig wäre. Bislang gibt es rund hundert neue Weiterbildungsangebote, die Ende November vorgestellt wurden. Die zuständige Abteilung für Unternehmensdienstleistungen wurde 2015 eingerichtet.

Die Zusammenarbeit innerhalb von LuxBuild lief so gut, dass Conrady sicher ist, dass sie fortgeführt wird. „Im Ausland beneidet man uns darum“, unterstrich sie.

Politisches Ziel

Closener ging auf das Umfeld der Initiative ein. „In Luxemburg gibt es rund 2.300 Betriebe mit mehr als 50.000 Mitarbeitern, die betroffen sind. Gleichzeitig haben wir rund 135.000 Gebäude, das entspricht etwa 220.000 Wohneinheiten“, sagte sie. Ihre Zahl sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Da Gebäude rund 40 Prozent der Energie verbrauchen und für 36 Prozent des CO“-Ausstoßes verantwortlich sind, hat die EU sich energiepolitisch zum Ziel gesetzt, die Energieeffizienz um 20 Prozent zu erhöhen, ebenso den Anteil erneuerbarere Energien. Gleichzeitig soll der CO2-Ausstoß um 20 Prozent gesenkt werden.

Vorreiter in Europa

„Die Regierung will neue Gebäude und Renovierungen so energieeffizient wie möglich gestalten. Deshalb gibt es seit 2008 immer mehr Regeln“, betonte Closener. Ab Januar 2017 ist der Standard AA obligatorisch. Damit sind wir Vorreiter in Europa“, unterstrich die Staatssekretärin. Sie rechnete vor: „Durchschnittlich liegt der jährliche Heizölverbrauch bei 13 Litern pro Quadratmeter, bei einem Gebäude mit AA-Standard dagegen nur bei drei Litern.“

Closener sieht die Weiterbildungsinitiative als langfristige Stärkung der Position luxemburgischer Unternehmen in der Großregion. „LuxBuild hat im Kleinen vorgemacht, was wir bei Rifkin im Großen verwirklichen“, lobte sie. Die Nationale Rat für nachhaltiges Bauen werde sich ebenfalls weiter mit dem Thema Gebäudepolitik beschäftigen.

Aber nicht nur die Unternehmen müssen überzeugt werden, sondern auch die Kunden. Conrady betonte, dass durch die staatliche Förderung bei energierelevanten Sanierungen in diesem Jahr viele Menschen auf das Thema aufmerksam geworden seien.
Im Januar 2017 soll die Webseite www.luxbuild.lu online gehen, auf der alle Angebote zu finden sind.