LUXEMBURG
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Wie im „Centre Hospitalier du Nord“ Covid-19-Patienten wieder fit werden, um selbständig atmen zu können

Eine sehr gute Nachricht kam gestern aus dem „Centre Hospitalier du Nord“: ein Covid-19-Patient aus dem Grand Est konnte die Klinik nach 23 Tagen verlassen und von der Luxembourg Air Rescue nach Hause geflogen werden. Es ist das erste Mal, dass einer der insgesamt zehn Patienten aus der vom der Pandemie besonders betroffenen Region, denen sich Luxemburg im Rahmen der grenzüberschreitenden Solidarität angenommen hat, rückgeführt werden kann.

Joseph war drei Tage in einer Reanimation in Mulhouse, bevor er am 23. März von der Air Rescue nach Luxemburg verbracht wurde. Erinnern an die Reanimation im CHdN kann er sich erst seit dem 1. April. Zuvor lag er im künstlichen Koma und musste beatmet werden. „Es geht mir sehr gut“, wird der Patient in einer Pressemitteilung zitiert, er freue sich nun, seine Familie wiederzusehen und bedanke sich von ganzem Herzen bei der Mannschaft, die ihn versorgte.

„Adult Respiratory Distress Syndrom“

Welchen Leidensweg Covid-Rea-Patienten erwartet, lässt sich aus den Erläuterungen von Dr. Jo Tompers entnehmen. „Wenn Patienten zu uns kommen, sind ihre Lungen durch das Virus so geschädigt, dass sie das Blut nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgen können“, erklärt der Anästhesist im CHdN. In der Fachwelt spreche man dann von einem „Adult Respiratory Distress Syndrom“. „In dieser Phase hat es sich bewährt, Patienten lange, also mindestens 16 Stunden täglich auf den Bauch zu legen. Das ist aber kein Covid-Novum, sondern eine schon länger bekannte Therapie bei Patienten, die aus anderen Gründen ein ARDS aufweisen“, so der Spezialist weiter.

Luftröhrenschnitt

Um die Prozeduren aushalten zu können, müssten die Patienten, bei denen ein Luftröhrenschnitt praktiziert wird, relativ tief ins künstliche Koma gelegt werden. Um Hautschäden durch die Bauchlage zu vermeiden, kommen spezielle Schaumstoffmatten zum Einsatz. Der Patient werde aber auch relativ früh schon in einen „Mobilisationsstuhl“ gesetzt oder gestellt, in der Regel zweimal am Tag. Das tue den Lungen extrem gut, heißt es. Seit ein paar Jahren setze das CHdN bei ARDS-Patienten diese Technik erfolgreich ein, durch die die Beatmungszeit um 33 Prozent verringert werden und der Patient sich besser erholen kann.

Wichtig sei allerdings auch, dass der Patient schnell wieder aus dem Koma herausgeholt wird, um zunächst mit maschineller Unterstützung wieder selbstständig atmen zu können. Ziel ist es, die Atemmuskulatur wieder so aufzubauen, dass der Patient wieder völlig ohne Maschine atmen kann. Ist das der Fall, wird die Tracheotomie entfernt und der Kranke atmet wieder durch Mund und Nase. Danach wird er auf der Rea-Station noch ein, zwei Tage überwacht, bevor es auf die Normal-Station geht.

Teamwork

„Nach Besprechung mit unseren Ärzten haben wir entschieden, unsere Standards bei den Covid-19-Patienten beizubehalten. Und die Resultate haben uns Recht gegeben. Was aber auch auf die gute Zusammenarbeit zwischen Krankenschwestern, Ärzten und Kinesitherapeuten zurück zu führen ist“, unterstreicht Gilles Martin, der für die Reanimation verantwortlich zeichnet. Neben Bauchlagerung und Frühmobilisierung erhalten die ARDS-Patienten natürlich auch Medikamente, „wir haben uns wirklich auf die beschränkt, die von den meisten Experten anerkannt werden und nicht auf „experimentelle“ Therapieempfehlungen“, erklärt Dr. Tompers, „mit diesem Ansatz bekommen wir die Patienten in zehn bis 15 Tagen aus der Reanimation raus“. Die Behandlung sei extrem zeitaufwändig und kraftintensiv, umsomehr da Ärzte und Pfleger in voller Schutzmontur - Tyvek-Anzüge, FFP2-Atemschutzmaske und Sicherheitsvisier - arbeiten müssen.

Patient Joseph erwachte am 1. April wieder aus dem künstlichen Koma und konnte nach zwei negativen Covid-19-Tests in die herkömmliche Reanimationseinheit verlegt werden, wo ihm am 6. April die Trachealkanüle entfernt werden konnte. Am 9. April ging es für ihn auf die Normal-Station, wo sich eine multidisziplinäre Mannschaft um seine Rehabilitation kümmerte. Bislang konnten vier weitere Patienten aus der „Rea“ auf die Normal-Station verlegt werden und zwei sind in Vorbereitung für eine solche Verlegung.

Kontakt mit ihren Familien halten können sie übrigens über Computer-Tablets, die das CHdN ihnen zur Verfügung stellt.