PATRICK WELTER

Landwirt war bis heute mehr Berufung als Beruf. Doch der primäre Sektor wird mehr und mehr zu dem, was er im Sozialismus schon war und auf amerikanischen und australischen Großfarmen ist - ein Industriezweig wie jeder andere auch. Durchgeplant und durch getaktet. Es heißt Mitmachen oder eine Nische suchen

Der Weinbau hat es vorgemacht. Der durchschnittliche Betrieb, mit Durchschnittsgröße und durchschnittlicher Qualität ist zum Untergang verdammt. Dank der europäischen Weinmarktordnung gibt es nur noch „die da unten“ und „die da oben“. Oder klarer formuliert: Standardisierten Wein für den ahnungslosen Verkäufer, ohne Anspruch, dafür mit schönem Namen. Hauptsache es knallt im Kopf. Aus dem nahen Rheinhessen wird ein Wein erfolgreich in Millionen Flaschen nach Übersee exportiert, dessen Geschmack jeden Weinkenner gruseln lässt. Die besondere Perversion liegt darin, dass dieser „Black Tower - German Whitevine“ aus zusammengemixten südeuropäischem Billigwein besteht.

Auf der anderen Seite stehen die Weine für Liebhaber und Kenner. Diejenigen die wissen, dass Wein nicht aus dem Chemiebaukasten und Crémant nicht aus dem Drucktank kommen. Sie sind bereit für die Flasche deutlich mehr als 2,99 Euro auszugeben. Beim dreifachen des Discountpreises gehen die wirklich trinkbaren Weine los. Die Luxemburger Winzer beschreiten den Weg zur Qualität schon seit fast zwei Jahrzehnten. Erfolgreich.

Der lange Exkurs über den Weinbau zeigt die Weggabelung auf, vor der die konventionelle Landwirtschaft steht. Es mag noch ein paar Jahren dauern bis sich die Schere so auftut, aber sie wird sich öffnen - gnadenlos. Wer nur Durchschnitt anbietet, konkurriert nicht mit seinem Nachbarn, sondern gleich mit dem Bauer in China, genauso wie mit dem Farmer im Mittelwesten. Der klassische bäuerliche Familienbetrieb ist am Ende - hier drückt der Weltmarkt, dort die Verbraucher. Der Kunde, der auf Massentierhaltung pfeift und seinen Schweinebraten für die berühmten 2,99 Euro aus der Discounter-Theke kauft, dazu den Joghurt für 29 Cent, ist der primäre Sargnagel des bäuerlichen Familienbetriebs. Eher kurz- als mittelfristig sind seine Preisvorstellungen nur noch mit immer größeren Agrarfabriken zu erfüllen.

Der oft belächelte Biobauer steht jetzt schon besser da, als der konventionelle Kollege. Er hat nämlich Kunden, die bereit sind Geld für Qualität auszugeben. Auch unterhalb der administrativen Bio-Hürde gibt es Platz für Landwirte die vor allem auf regionale Qualität setzen. Es muss kein Bio-Huhn sein, aber eines, das als freilaufendes Huhn sowohl Tageslicht als auch Gras gesehen hat. Zahlreiche Verbraucher wollen weder Käfigeier, noch Massentierhaltung, ohne gleich Bio-Apostel zu sein. Sie wissen: Wenn Rind und Schwein vernünftig leben können, also ohne den Stress einer industriellen Haltung, verwandelt sich ihr Fleisch in der Pfanne nicht in einen degenerierten Schwamm. Es stände den Luxemburger Bauern gut an, wenn sie das aussichtslose Rennen mit den Big-Playern aufgeben würden und sich wie ihre Weinbaukollegen auf das Thema Qualität und Individualisierung konzentrieren. Regionale und gesunde Produkte finden immer ihren Käufer.