LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Mutterhaus Praktiker will Anteile an luxemburgischen Batiself-Filialen verkaufen

Es war beileibe nicht zum ersten Mal, dass die Muttergesellschaft der deutschen Baumarktkette Praktiker gestern von sich reden gemacht hat im Zusammenhang mit der Schließung, der Umstrukturierung oder dem Verkauf von Niederlassungen bzw. Filialen. Mit der gestern erfolgten Bestätigung, dass sie sich besitzrechtlich von den drei in Luxemburg bestehenden Filialbetrieben trennen will, die unter dem Namen Batiself firmieren, schreibt Praktiker nunmehr ein weiteres Kapitel im Zuge einer mehrjährigen Firmenrestrukturierung, die in erster Linie durch die krisenbedingte Stagnation der Umsatzzahlen für die ganze Branche und den daraus resultierenden starken Konkurrenzdruck verursacht wurde, der vor allem zwischen den deutschstämmigen Baumärkten geführt wird.

Abbau in mehreren Etappen

Als Auslöser für die tiefgreifenden Veränderungen der letzten Jahre sehen viele Beobachter auch die von Praktiker 2010 gestartete Rabatt-Aktion „20% auf alles“, die zwar direkt auf den Umsatz drückte, ohne dafür die Verkaufszahlen in entsprechendem Maße verbessern zu können. Die Muttergesellschaft von Praktiker, die bis vor zwei Jahren noch im saarländischen Kirkel ansässig war, ist mittlerweile nach Hamburg verlegt worden, gegen den Protest von Tausenden von Beschäftigten, die seinerzeit gegen die Verlegung auf die Straße gegangen waren. Mit dieser Verlegung allein war es jedoch nicht getan, die in den Jahren 2010 und 2011 erzielten Ergebnisse belasten weiter die Unternehmensbilanz und bereits im November 2011 war der Abbau von 1.400 Mitarbeiterposten beschlossen worden, davon allein 500 in der Unternehmensverwaltung als Folge des Umzugs nach Hamburg und der Zusammenlegung der Verwaltung mit einem anderen Unternehmen.

Damals wurden die drei luxemburgischen Filialen in Foetz, Strassen und Ingeldorf nicht betroffen, und auch durch den jetzt angepeilten Verkauf der Firmenanteile von jeweils 60% an den luxemburgischen Filialen sollen diese normal weiter arbeiten können, weil sie nach wie vor profitabel seien, wie es gestern aus Hamburg hieß.

Kaufinteressenten für Batiself-Geschäfte

Auch wenn die luxemburgischen Betriebe nicht direkt in der Praktiker-Kette erfasst sind, weil sie als Franchise-Unternehmen funktionieren, soll sich der Verkauf des von Praktiker selbst gehaltenen Firmenanteils von jeweils 60% durchaus lohnen und dem Konzern die frische finanzielle Luft verschaffen, die er in nächster Zukunft braucht. Filialen in der Türkei und in der Ukraine wurden bereits im vergangenen Jahr veräußert, Praktiker verfügt zur Zeit noch über 430 Baumärkte in 9 Ländern mit insgesamt rund 20.000 Beschäftigten. In den drei luxemburgischen Batiself-Geschäften arbeiten 170 Mitarbeiter.

Während die Hamburger Muttergesellschaft gestern keine Angaben zu eventuellen Kaufinteressenten machen wollte, war von OGBL-Seite zu erfahren, dass die Gewerkschaft am Nachmittag mit der Direktion der Batiself-Geschäfte zusammensaß und dabei erfahren konnte, dass es insgesamt 4 Interessenten geb aus Luxemburg, Belgien, Frankreich und Großbritannien. Darüber hinaus wurde bekannt, dass der gemischte Betriebsrat von Batiself bereits im Januar dieses Jahres über die bevorstehende Transaktion informiert worden war.