COLETTE MART

Nachdem durch die Affären um Silvio Berlusconi Prostitution und Mädchenhandel in die ersten Reihen der europäischen Politik gerückt waren, ist es bei dem zurzeit europaweit diskutierten Fall um den deutschen Abgeordneten Sebastian Edathy die Pädophilie. Auch wenn sich Edathy mit der Bestellung von Fotos nackter Jungen in Deutschland nicht direkt strafbar gemacht hat, ist er politisch nicht mehr zu halten. Er trat zurück und seine Partei, die SPD, will sich von ihm trennen, weil sie der Ansicht ist, dass so jemand im Bundestag nichts verloren habe. Obwohl allgemein Kinderpornografie-Konsumenten nicht auf Anhieb pädophile Übergriffe nachzuweisen sind, entstand glücklicherweise ein Bewusstsein in der Weltöffentlichkeit dafür, dass nackte Kinder im Netz auch Missbrauchsopfer sind.

750.000 Pädophile seien pro Minute online, schrieb „Die Zeit“ letzte Woche in einem bewegenden Artikel darüber, wie und wo Nacktaufnahmen von Kindern und Jugendlichen entstehen. Es sind rumänische Jungen aus armen und abgelegenen Dörfern, die mit falschen Versprechungen und mit Geschenken angelockt werden, und sich für Nacktaufnahmen zur Verfügung stellen, mit oder ohne sexuelle Handlungen.

Als Kinderpornografie werden nur sexuelle Handlungen zwischen und mit Kindern auf Fotos und Videos qualifiziert; die Opfer dieser weltweit gewinnbringenden Industrie, in der laut einer UN-Studie aus dem Jahr 2009 immerhin 20 Milliarden US Dollar pro Jahr umgesetzt werden, werden zum Zweck dieser Aufnahmen missbraucht und verlieren auch jede Kontrolle über die Bilder, die über sie im Netz zirkulieren.

Der Fall Edathy brachte erstmals nach den schwerwiegenden Pädophilie-Vorwürfen gegen Vertreter der katholischen Kirche in den letzten Jahren den sexuellen Missbrauch von Kindern, diesmal Online, wieder ins Rampenlicht der Aktualität. Ein Augenmerk ist hier auf arme Kinder und arme Familien zu richten, in und außerhalb Europas, denn leider ist in sehr armen Ländern, wie den Philippinen um Beispiel, durchaus festzustellen, dass die Eltern der Kinder zu den Komplizen des Missbrauchs vor der Webkamera werden, was natürlich die Fahndung nach den Tätern erschwert. Die offene Prostitution von Kindern im ostasiatischen Raum ist aus diesen Gründen auch ein günstiges Umfeld für die Kinderpornografie, da es in besagten Milieus einfacher ist, an Kinder heranzukommen. Rund um den Fall Sebastian Edathy war in der Presse zu lesen, dass unter den Konsumenten von Kinderpornografie auch viele Lehrer, Ärzte, Pastoren, Journalisten und Polizisten seien.

Trotz der beängstigenden Ausmaße, die die Pädophilie annimmt, trotz der Tatsache, dass Pädophile in allen Berufssparten zu finden sind, ist positiv hervorzuheben, dass die Fahndungen durch die Möglichkeiten des Internet verbessert werden konnten.

So konnten zum Beispiel Täter aus Industrienationen, die sich in Südostasien an Kindern vergriffen, in ihren Häusern festgenommen werden, weil auf Webkameras Gesichter identifiziert und sie dadurch ausfindig gemacht werden konnten.