LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

„Jetzt stehen wir vor einer Katastrophe für eine ganze Generation, durch die unermessliches menschliches Potenzial verschwendet, jahrzehntelanger Fortschritt untergraben und tief verwurzelte Ungleichheiten verschärft werden könnten“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres gestern beim Start der UN-Kampagne „Save our Future“, bei der es darum geht, die Aufmerksamkeit auf die Förderung der Bildung weltweit zu lenken. Dass jeder eine Schule besuchen darf und dort wichtige Grundlagen für das Leben erwirbt, ist in unseren Breitengraden eine Selbstverständlichkeit. Anderswo längst nicht. Rund 250 Millionen Kindern weltweit bleibt der Unterricht verwehrt, meist weil die Mittel fehlen. Wo Familien täglich ums Überleben kämpfen müssen, bleibt Bildung für viele unerschwinglich.

Ein Computer mit Internetanschluss für „Homeschooling“? Undenkbar! Und die Armutsspirale dreht weiter. Die Covid-19-Pandemie hat die Lage weiter verschärft. Guterres bezeichnet sie als „größte Beeinträchtigung aller Zeiten“ für die weltweiten Bildungssysteme. Noch Mitte Juli seien in mehr als 160 Ländern Schulen geschlossen gewesen, rund eine Milliarde Kinder seien betroffen gewesen. Deshalb der Appell des UN-Generalsekretärs, die Bildungseinrichtungen so schnell wie möglich wieder zu öffnen, damit die Schere der Ungleichheiten nicht weiter auseinander geht.

Auch in Luxemburg ist gewusst, dass nicht jeder Schüler gleich gerüstet war, um in der Lockdown-Phase Zugang zu Unterricht zu bekommen, trotz enormer Anstrengungen aller Bildungsakteure. Deshalb es richtig und wichtig war, schnellstens Wege zu finden, um die Schulen wieder anlaufen zu lassen. Man kann nur hoffen, dass bei der kommenden „Rentrée“ weitere Schritte in Richtung „Normalität“ unternommen werden können, genauso wie man nur hoffen kann, dass die Mobilitätshürden für Studenten verschwinden, die Betriebe in dieser harten Phase der Unsicherheit weiter Praktikanten begrüßen und die jungen Absolventen es nicht zu schwer haben, im derzeit äußerst angespannten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Sie haben das Glück, in einem Land zu leben, das ihnen viel Unterstützung und viele Perspektiven bietet. Ganz anders Jugendliche in Entwicklungsländern, um die sich Guterres besonders sorgt.

Staaten mit geringem oder mittlerem Nationaleinkommen haben schon vor der Krise fast 1,5 Billion Euro zu wenig für die Bildung ausgegeben. Dieser Graben droht sich durch die Auswirkungen von Covid-19 noch deutlich weiter zu vertiefen. „Es ist entscheidend, dass die Bildung im Fokus der internationalen Solidaritätsbemühungen steht, von Schuldenmanagement und Stimulierungspaketen bis hin zu globalen humanitären Appellen und offizieller Entwicklungshilfe“, sagt António Guterres.

Hoffen wir, dass der Appell nicht verhallt, wie so oft in Weltkrisenlagen, wenn Länder ihre Entwicklungshilfebudgets einfrieren oder sogar senken und die Spendenbereitschaft bisweilen drastisch abnimmt, worüber bereits zahlreiche international tätige Hilfsorganisationen klagen. Guterres hatte bereits vor geraumer Zeit vor dem Hintergrund der Feststellung, wie krass ein Virus die Zerbrechlichkeit und die Ungerechtigkeiten in unseren Gesellschaften aufzeigt, nicht nur zu einem sofortigen globalen Waffenstillstand aufgerufen, sondern sogar zu einer neuen Weltordnung, um Macht, Reichtum und Chancen gerechter auf dem Globus zu verteilen. Bislang ist ihm noch kein mächtiger Staatenlenker beigesprungen...