LUXEMBURG
MARCO MENG

Auch Handwerksbetriebe müssen sich digitalisieren - Strategien sind nötig

Digitalisierung hält in allen handwerklichen Bereichen Einzug. Marktstrukturen und Kommunikationskultur ändern sich, neue Wertschöpfungsmodelle entstehen. Experten der Digitalisierung im Handwerk und Betriebschefs aus Luxemburg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Wallonien und der „Région Grand Est“ präsentierten darum gestern den ganzen Tag über in der „Chambre des Métiers Luxembourg“ ihre Erfahrungen und Strategien und zeigten konkrete Umsetzungsprojekte. Die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen, denn die Digitalisierung fördert die Konkurrenz zwischen Industrie und Handwerk.

Sie bietet aber auch neue Chancen und Möglichkeiten, wie zum Beispiel eine Schreinerei aus dem deutschen Rheine zeigte, die durch die Digitalisierung auch in der Schweiz einen Absatzmarkt für ihre personalisierten Möbel gefunden hat.

Jeder Betrieb betroffen

Marc Gross, Generalsekretär der Interregionalen Handwerkskammer der Großregion (CICM), sagte: „Die Digitalisierung betrifft alle, jeder Betrieb muss sich seine eigene Digitalisierungsstrategie zurechtlegen.“ Viele Projekte sind in der Großregion schon angestoßen und geplant, dieses Potenzial sollen die Betriebe nutzen. Handwerksbetriebe in der Großregion zählen 700.000 Mitarbeiter und 50.000 Auszubildende.

Deutlich wurde bei den Gesprächen: Aus-, Weiter-, und Fortbildung kommt im digitalen Bereich gerade jetzt eine wichtige Bedeutung zu. Die zukünftige Entwicklungen digitaler Kompetenzen im Handwerk stand dann auch zum Abschluss in einer Diskussionsrunde mit Arbeitsminister Nicolas Schmit im Fokus.

Rudi Müller, Präsident des Interregionalen Rats der Handwerkskammern der Großregion (IRH), sieht in der Digitalisierung auch die Chance, Produktion aus dem Ausland zurückzuholen, indem die Unternehmen attraktive Produkte herstellen. „Beispiel Zahntechnik. Dort wurde in den letzten Jahren vielfach nach Osteuropa ausgelagert.“ Jetzt mit 3D-Druck, wandele sich das Blatt wieder. Auch was die Frage des Nachwuchses betrifft - darüber können Handwerksbetriebe lange Klagelieder singen -, sieht er in der Digitalisierung die Chance, dass Betriebe dadurch attraktiver werden: „Wer offen ist für Digitalisierung, ist attraktiv für junge Leute“, meinte Müller.

Guy Kreckut, Direktor „Relations institutionnelles et Territoires Conservatoire national des arts et métiers en Grand Est“, aus Nancy weiß, dass für viele kleinere Betriebe die technologische Transformation ein Problem ist. Darum stelle sich die Frage: Wie jetzt ausbilden, welche Kompetenzen werden gebraucht, welche Strategie müssen kleinere und mittlere Unternehmen (KMUs) haben? Hier sei auch die Politik aufgerufen, Mittel an die Hand zu geben, was Ausbildung, aber auch die digitale Sicherheit anbelangt.

Pascal Balancier, Experte der „edtech Agence du Numérique (AdN)“ in Lüttich, wies auf das Projekt „Digital Wallonia“ hin, das Unternehmen sensibilisieren soll. Er wies aber auch darauf hin, dass 40 Prozent der Menschen in Europa kaum digitale Fertigkeiten besitzen. Darum müssen diese Kompetenzen ausgebaut und modale Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Die interregionale Handwerkskammer hat das erkannt und am Vortag dazu eine Strategie publiziert, worauf Jean-Claude Reding, Präsident des Wirtschaft- und Sozialrats der Großregion (CESGR), hinweist wie auch darauf, dass KMUs da mehr Unterstützung als große Firmen brauchen. Da der Aus- und Weiterbildung große Bedeutung zukommt, sei die Zusammenarbeit der Sozialpartner wichtig, auch eine Reform im Schulwesen. „Nicht jeder muss wissen, wie ein Handy funktioniert“, sagte er, „und wer weiß schon genau, wie sein Auto funktioniert: man braucht aber eine grundlegende Bildung. Das Grundbildungssystem muss so gut funktionieren, dass eine dauernd angepasste Weiterbildung möglich ist.“

„Das Thema schürt auch Ängste, denn durch die Digitalisierung kommen Betriebsstrukturen durcheinander“, sagt Arbeitsminister Nicolas Schmit. „Wir haben aber keine Wahl. Keiner kann sagen, der Wandel gilt nicht für uns. Die Digitalisierung kommt, und in allen Bereichen.“

Die Menschen aber fragten: Was geschieht mit meinem Job? Daraus müssen wir die richtigen Antworten geben, indem die Digitalisierung von Betrieben und Sozialpartnern gestaltet werde.

„Es wird zwischen 10-15 Prozent Jobs geben, die durch die Digitalisierung verschwinden werden und 50 weitere Prozent werden sich sehr stark ändern“, sagt Schmit. Schulen und Ausbildung müssten sich dem anpassen. Kommenden Montag werde man darum ein Konzept, wie Betriebe sich dem Wandel anpassen können und das nach Konsultierung mit Sozialpartnern erstellt wurde, vorstellen. „In den Betrieben brauchen wir eine Kultur des Dialogs, denn der Wandel kann nicht gegen die Mitarbeiter funktionieren“, so der Arbeitsminister. Und da Aus- und Fortbildung wichtig sei, stelle sich auch die Frage, ob man dazu die nötigen Ressourcen habe, was nicht immer der Fall sei. Hier müsse die Großregion die Kräfte bündeln, denn was in Teilen davon gut funktioniere, könne auch anderswo funktionieren. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es, und zwar gemeinsam, so das Fazit.