LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die Stiftung Enovos verlieh den Exzellenz-Preis an sechs junge Ingenieure

Ingenieure sind gesucht. „Die meisten Länder leiden unter einem Mangel an Ingenieuren. Und die Großregion ist da leider keine Ausnahme“, stellte Tonika Hirdman am Samstag während der Verleihung des Enovos-Preises an sechs junge Nachwuchs-Ingenieure fest.

Damit hat die Generaldirektorin der „Fondation de Luxembourg“ mehr als Recht. Seit mehr als einem Jahrzehnt klagen alle Länder in Europa über einen Mangel an Ingenieuren. Das reicht von der Bau- bis hin zur Raumfahrtindustrie, alle Branchen sind betroffen. Darüber hinaus beklagen die Unternehmen auch die geringe Kompetenz von Schülern in Naturwissenschaften sowie den geringen Frauenanteil in den Ingenieurswissenschaften - unabhängig von der Spezialisierung. Deshalb legten Regierungen spezielle MINT-Programme auf, um mehr Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern und Ingenieurberufen zu wecken.

Luxemburg bildet da keine Ausnahme. Bildungsminister Claude Meisch meinte dazu einmal: „Wir haben in Luxemburg 150 Ingenieur-Studenten und 800 Psychologiestudenten. Die Nachfrage des Marktes ist genau umgekehrt.“ Tatsächlich reisen schon Unternehmen nach Portugal, um dort IT-Experten zu finden. Initiativen wie „WIDE“, Coding-Summerkurse oder Makerspace bringen nicht genug Abhilfe. Wer Ingenieur wird, muss sich keine Sorgen machen. Laut einer Studie finden 60 Prozent innerhalb der ersten zwei Monate nach dem Abschluss einen Job.

Aufregender Beruf

In Zeiten, in denen Produkte wie Tesla-Autos, Wasserfilter oder Überlegungen zum Klimawandel diesen Beruf betreffen, wird schnell klar: „Der Ingenieur ist Teil aller großen Projekte zur Erneuerung unserer Gesellschaft.“ So brachte es Hirdman auf den Punkt. Und zitierte Tesla-Gründer Elon Musk: „Engineering is the closest thing to magic that exists in this world.“ Diese Worte sprach Hirdman nicht ohne Grund, schließlich fand am Samstag die Verleihung des Exzellenz-Preises der Enovos-Stiftung statt, die unter dem Dach der „Fondation de Luxembourg“ operiert.

Bereits zum achten Mal wurden junge Ingenieure ausgezeichnet. Diesmal hatten sich 13 Kandidaten beworben. Sechs von ihnen konnten sich über die Urkunde sowie 2.500 Euro Preisgeld freuen (siehe Kasten). Alle hatten ihren Abschluss mit der Anerkennung „très bien“ erworben.

Eine Jury von sieben Mitgliedern hatte sie ausgewählt. Dies waren Jury-Präsident Michel Pundel, Thierry Flies, Olivier Georges, Laurent Heinen, Philippe Osch, Guy Hoss sowie Nico Binsfeld. Die Preise wurden in Anwesenheit von Hirdman, Claude Simon, dem Leiter des Bereichs Energieverkauf bei Enovos und Charly Huberty, Präsident der „Association Nationale des Etudiants Ingénieurs Luxembourgeois asbl“ (ANEIL) überreicht. Denn der Enovos-Preis wird gemeinsam mit den Partnern ANEIL und der Association da Vinci organisiert. Letztere fasst die Ingenieure sowie Architekten, Wissenschaftler und in der Industrie Beschäftigen zusammen. Die Vertreter der Partnerorganisationen ergriffen denn auch das Wort, ebenso wie Änder Schanck, Präsident und Gründer von Oikopolis, der über eine verantwortungsvolle Landwirtschaft und die Gemeinwohlökonomie sprach, die neue Werte für das Wirtschaftsleben liefert. So gehört eine verantwortliche Produktion und ein ebensolcher Konsum auch zu den UN-Nachhaltigkeitszielen von 2015.

Damit war der Ton gesetzt, dass Ingenieure bei ihren Entwicklungen auch an Werte denken. Die Themen der Laureaten reichten von der Zukunft der Stahlindustrie 2050 bis zur Geothermie und boten Anknüpfungspunkte für Gespräche mit den Vertretern anwesender Unternehmen. Manch einer von ihnen hatte im Hinterkopf, dass hier nicht nur gute Ingenieure standen, sondern auch mögliche zukünftige Mitarbeiter.