LUXEMBURG
MARCO MENG

Marie-Béatrice Noble suchte eine Arbeit in Luxemburg - und übernahm dann eine ganze Kanzlei

Inzwischen eine der fünf größten unabhängigen Kanzleien des Landes, ist MNKS - 2013 mit dem Preis „Best Luxembourg Law firm“ ausgezeichnet - spezialisiert auf Unternehmens- und Gesellschaftsrecht. Sowohl Mitarbeiterzahl als auch Umsatz haben sich in den letzten Jahren mehr als verdreifacht. Das „Journal“ sprach mit einer der beiden Gründerinnen, Marie-Béatrice Noble.

Vor etwa 20 Jahren kamen Sie nach Luxemburg, warum?

Marie-Béatrice Noble Mehr oder weniger war es Zufall. Wie es so oft geschieht, war Liebe im Spiel. Ich studierte damals in Frankreich Rechtswissenschaften und folgte meinem damaligen Freund hierher, der in Luxemburg eine Anstellung hatte. Ich sah mich natürlich zuerst einmal um, sah mir das Land an, und es gefiel mir, die Lebensqualität, die Möglichkeiten. Ich hatte dann auch schnell eine Arbeit gefunden und begann in einer hiesigen Anwaltskanzlei.

Seitdem leben Sie in Luxemburg?

Noble Ja. Eigentlich lief mein erster Vertrag nur für sechs Monate. Da bin ich übrigens kein Einzelfall, denn solche Geschichten höre ich immer wieder von verschiedenen Leuten. Wie gesagt, meine gesamte berufliche Karriere fand hier im Land statt, obwohl ich manchmal das Wetter meiner Heimat vermisse: Ich komme aus Südfrankreich. Da habe ich schon ein paar Jahre gebraucht, mich hier an das kühlere Klima zu gewöhnen (lacht.)

Bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber lernten Sie Ihre Geschäftspartnerin kennen?

Noble Ja, Katia Scheidecker und ich trafen uns 1999. Sie war wie ich eine Rechtsanwältin, die gerade erst mit ihrem Berufsleben begann. Wir arbeiteten eng zusammen, auch bei der internen Arbeitsorganisation, also nicht nur die rein fachlichen Dinge. So gewannen wir wertvolle Erfahrungen, und wir merkten, dass wir miteinander harmonierten. Als dann Landwell, die Anwaltsfirma, in der wir arbeiteten, aufgrund regulatorischer Vorschriften sich dem anpassen musste und die Frage des Verkaufs oder der Übernahme durch andere im Raum stand, entschieden wir uns, selbst die Kanzlei zu übernehmen. Damals war das ein Team von 20 Personen, heute sind wir 70.

Ein mutiger Schritt.

Noble Tatsächlich war es keine rein logische Entscheidung, denn es war von uns beiden ja nie geplant gewesen, eine eigene Kanzlei zu haben. Im Rückblick betrachtet ging das damals alles sehr schnell. Wir wollten jedenfalls nicht, dass die Kanzlei aufhört zu existieren. Ich vermute, wir waren sogar ein bisschen naiv, im positiven Sinne, wie wir heute wissen. So wagten wir den Sprung und machten aus der Firma „Noble&Scheidecker“ und dann MNKS nach unseren Initialen.

War es einfach?

Noble Na ja, „einfach“ kann man nicht sagen. Jetzt mit zeitlicher Distanz wundere ich mich manchmal selbst, welches Risiko wir eingingen. Unsere Motivation damals war einfach gewesen, das Geschäft fortzuführen und das Team zusammenzuhalten. Viele in unserer Umgebung haben uns unterstützt und uns geholfen, uns weiterzuentwickeln, sei es mit der Buchhaltung oder Finanzangelegenheiten, beim Aufstellen eines Businessplans, um die Banken zu überzeugen und dem Startup Anfangskapital zur Verfügung zu stellen. Irgendwann hat man auch durchaus mal schlaflose Nächte gehabt, aber doch eher selten. Ich denke, wir waren damals von unserem Vorhaben so begeistert, voller Adrenalin, und auch die Tatsache, dass wir beide im jeweils anderen einen Partner hatten, auf den man sich verlassen konnte, machte die Sache einfacher. Als wir mit der Firma begannen, waren wir gerade mal dreißig. Ich glaube nicht, dass ich den Schritt woanders gewagt hätte. Luxemburg gibt einem viele Möglichkeiten. Ich glaube, in Frankreich wäre es damals schwierig gewesen, Kunden zu finden, die einer jungen Frau das zugetraut hätten. Hier hatten wir zu Beginn vor allem Kunden aus dem angelsächsischen Raum, und denen war es völlig egal, dass die Chefs der Kanzlei junge Frauen waren. Inzwischen haben wir viele Private Equity-Firmen als Kunden, hinzu kommen jetzt Family Offices, aber auch Unternehmen, bei denen mir meine eigene Erfahrung als Firmengründerin hilft.

Sie nennen sich „Not a traditional Law firm“, warum?

Noble Es gibt mehrere Gründe. Einer ist, als wir uns selbständig machten, wollten wir eine Dienstleistungsgesellschaft gründen mit gemeinsamer Vision, gemeinsamen Werten und Zielen. Damals waren Kanzleien und Anwälte Individualisten; wir wollten eine multidisziplinäre Firma. Wir wollten nicht nur Rechtsberatung bieten, sondern waren auch am Geschäftsablauf und der Geschäftsentwicklung der Kanzlei interessiert. Ich las damals sehr viel über Management, denn ein guter Anwalt zu sein bedeutet ja nicht gleichzeitig, ein guter Firmenlenker zu sein. Sein juristisches Fach zu beherrschen und darin ein Experte zu sein, ist das eine; das andere aber ist, den Kunden zu verstehen und seinen Bedürfnissen gerecht zu werden. Das ist viel mehr als nur Gesetze zu kennen. Früher genügte es, ein Experte in seinem Fach zu sein, heute ist das nur die Basis. Um eine Frage richtig zu beantworten, braucht man heute mehrere Experten, man muss also auch ein Teamplayer sein.

Wie entspannen Sie?

Noble Ich spiele leidenschaftlich gerne Golf. Ich würde nicht behaupten, eine gute Golferin zu sein, aber es macht mir sehr viel Spaß. Man ist an der frischen Luft, kann abschalten, den Stress hinter sich lassen und muss sich auf den eigenen Schlag konzentrieren.