LUXEMBURG
JACQUELINE KIMMER

70 Leute bei Mahnwache für das „Wichtelhaus“ - Enttäuscht über Haltung des Schöffenrates

Die Abrisspläne für das 250 Jahre alte „Wichtelhaus“ haben die Beggener auf die Barrikaden gerufen: Mittwochvormittag trafen sich rund 70 Einwohner dieses Stadtviertels zu einer Mahnwache gegen dieses Abriss. Die Organisatoren der Mahnwache sprachen von „einem Misstrauensvotum gegen die Stadt Luxemburg“, die keinen Schutzbedarf für das Haus sah und Abrissgenehmigungen erteilte.

„Wichtelhaus“ bleibt bis auf weiteres stehen

Bis auf weiteres bleibt das „Wichtelhaus“ nun stehen. Allerdings, wie in Beggen zu erfahren war, ist das Haus „bislang weder kommunal im PAG („Plan d’Aménagement Général“) geschützt, noch national als Denkmal eingetragen“. Wie die Beggener unterstreichen, ist auch beim Rosenzüchterhaus Bourg-Gemen, „für das die Bürger/innen vom Limpertsberg sechs Jahre gekämpft hatten, bislang kein Schutz im PAG oder national gegeben“. Für die Organisatoren der Mahnwache in Beggen scheitert die „Stadt Luxemburg beim Schutz historischer Bausubstanz“.

Abrissverfügungen „ordentlich und lesbar“ anbringen

Auch monierten die Organisatoren der Mahnwache, dass es beim „Wichtelhaus“ anscheinend eine Verwechselung bei den Hausnummern gab. Den historischen Plänen, die sogenannten Ferraris-Karten aus dem 18. Jahrhundert, zu Folge gilt das Haus als schützenswert. Die Initiatoren der Mahnwache kritisierten darüber hinaus, dass Abrissverfügungen „nicht ordentlich und lesbar in den Fenstern ausgehangen werden, wie es so oft geschieht.“

Zur Mahnwache für das Beggener „Wichtelhaus“ hatten sich gleich mehrere Gemeindepolitiker, unter anderem Stadtbürgermeisterin Lydie Polfer, eingefunden. Die Bürgermeisterin zeigte sich dann auch recht optimistisch was die Zukunft des „Wichtelhaus“ betrifft. Zusammen mit dem Kulturministerium und den betroffenen Besitzern beschäftige man sich seit Ende Juli mit der Angelegenheit.

Nach Polfers Worten soll das „Wichtelhaus“ nun auf ein „Inventaire supplémentaire“ kommen. Damit stehe das Haus allerdings noch nicht unter Denkmalschutz, da das Gesetz hierfür eine langwierige Prozedur vorsehe. So müsste unter anderem der Staatsrat eine Stellungnahme abgeben.

ZUM „WICHTELHAUS“ IN BEGGEN

Ein historisch bedeutsamer Ort

Das „Wichtelhaus“ in der Rue de Bastogne ist für Beggen ein historisch bedeutsamer Ort: Bei dem etwa 250 Jahre alten Haus handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um das älteste Haus des Viertels. Es war Schule, Bauernhaus, Wohnhaus und Heimat der Beggener „Wichtelcher“. Das Haus soll abgerissen werden, um Platz für ein neues Immobilienprojekt zu schaffen.