LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Prügel unter Alkoholeinfluss: Häusliche Gewalt landet vor Gericht

Was Frauen oft jahrelang an Gewalt, Demütigung und Erpressung erleiden, zeigte am Donnerstag ein Strafprozess am Bezirksgericht Luxemburg.

Einem 47-jährigen Luxemburger wird vorgeworfen im Laufe der Monate November und Dezember 2016 seine Freundin, die unter rechtlicher Vormundschaft steht, häufig geschlagen zu haben. Als die beiden zusammenziehen, werden die Erwartungen aneinander nicht erfüllt, beide sind überfordert - und das sei dann der Auslöser für Gewalt.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Steuerungsfähigkeit beim Angeklagten zur Tatzeit durch Alkohol erheblich vermindert gewesen sein könnte. Alkohol enthemme und mache aggressiv, wodurch der Betrunkene gewalttätig werde. Es beginnt jedes Mal mit Drohungen, Einschüchterungen.

Ein Wort von ihr, das ihm missfällt, und schon verpasst er ihr eine Ohrfeige. Den Schlag büßt sie oft mit einer blutenden Lippe. Und Nicolas H. schlägt immer öfter zu. Einmal habe er ihr den Arm gebrochen. Er behauptet, sie sei gefallen. Sie würde unter Epilepsie leiden, beteuert er vor Gericht. Eine Privatkrankenschwester von „Help“ bestätigte allerdings, dass die Frau in der Wohnung körperlich misshandelt wurde.

Freiheitsstrafe von 18 Monaten gefordert

Zur rechtlichen Vormundschaft der Frau musste die Rechtsanwältin Sonja Vinandy als Zeugin aussagen. Weil plötzlich eine Reihe von Problemen auftauchten, zog das Paar von Düdelingen nach Schifflingen um.

Dann sei die Frau plötzlich hospitalisiert worden. Die Rechtsanwältin besuchte daraufhin die Frau in der Klinik, weil der Verdacht bestand, sie sei wie ein „Nusssack“ von ihrem Partner zusammengeschlagen worden. Das hätte sich dann bestätigt.

Mitte November 2016 wurde das Gericht eingeschaltet. Die Justiz ordnete eine Wegweisung von drei Monaten an. Zum Schutz des Opfers. Der Mann wurde aus der unmittelbaren Umgebung der Frau von der Polizei verwiesen. Über die Wegweisung und das Betretungsverbot setzt er sich dann aber mindestens fünf Mal hinweg.

Laut Verteidigung würde die Frau unter dem Korsakow-Syndrom (Morbus Korsakow) leiden. Eine Erkrankung des Gehirns, die sich vor allem durch starke Gedächtnisstörungen äußert.

Auftretende Gedächtnislücken füllen Betroffene meist mit erfundenen Inhalten (Konfabulieren). Die Krankheit tritt meist bei Menschen auf, die jahrelang zuviel Alkohol konsumiert haben. Sein Mandant hätte mit den Verletzungen der Frau nichts zu tun, sagte dessen Verteidiger. Für die Körperverletzung beantragt er somit einen Freispruch. Vor Gericht bestreitet der Beschuldigte jedenfalls alle Vorwürfe. Für die Nichteinhaltung der Wegweisung beantragt der Verteidiger entweder eine Aussetzung des Urteils oder, wenn nicht anders möglich, eine Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Für den Strafverfolger besteht die Gefahr, dass sich die Sachlage verschlimmern könnte. Wenn der Beschuldigte getrunken hat, sei er eine Gefahr für die Frau. Der Anklagevertreter beantragte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten und eine angemessene Geldstrafe. Ein wichtiger Schritt in Richtung Genesung des Angeklagten sei eine Entziehungskur, sagte Laurent Seck.

Das Urteil fällt am 26. April 2018.