Um Bildungsminister Claude Meisch (DP) zum Dialog zu bewegen, versammelten sich Lehramtsstudenten und Lehrbeauftragte gestern zu einer vom OGBL-Syndikat für Erziehung und Wissenschaft (SEW) organisierten Protestaktion auf dem Limpertsberg. Nicht einverstanden sind die angehenden Lehrer mit den Modalitäten des dreijährigen Praktikums, das mit der Reform im öffentlichen Dienst auf junge Grundschullehrer zukommen wird. Bisher habe Meisch alle Vorschläge zu Treffen abgelehnt, sagt der Lehrbeauftragte Marvin Caldarella Weis: Die Versammlung gestern sei „ein Akt, um zu zeigen, dass wir unzufrieden sind“. Kurz vor der Veranstaltung im Tramsschapp meldete sich das Bildungsministerium allerdings zu Wort: Das Praktikum, das 2016 anlaufen soll, sei „eine wirkliche Unterstützung“ für angehende Lehrer. Das „auf die Praxis in der Klasse ausgerichtete“ Praktikum helfe dem Lehrer, seine berufliche Selbstständigkeit zu entwickeln und gebe ihm auf der Grundlage der Bedingungen in der Praxis die notwendigen Werkzeuge für den Alltag mit auf den Weg.
Keine weitere Hürden
Die von Studenten und Lehrbeauftragen geäußerte Kritik richtet sich nicht prinzipiell gegen die Einführung des dreijährigen Praktikums. Es geht dabei vor allem um die Form und die Einschränkungen, die es mit sich bringt. Unter einem „sënnvolle Stage“ verstehen die Studenten und Lehrbeauftragten, die zur Untermauerung ihres Anliegens zusammen mit dem SEW eine Petition initiiert haben, dass sie in ihren beruflichen Anfängen von einem Tutor begleitet werden. Sie bezweifeln aber, dass es eine Vertrauensbasis geben kann, wenn sich die Berufsanfänger Bewertungen oder Prüfungen unterziehen müssen.
Bisher können angehende Lehrer, nachdem sie das „examen-concours“ hinter sich gebracht haben, nach einem zweijährigen, begleiteten Praktikum mit einer Festeinstellung rechnen. Zukünftig soll nur noch der „concours“ bleiben und innerhalb des dreijährigen Praktikums Prüfungen beziehungsweise Bewertungen stattfinden. Der Vorsitzende des SEW, Patrick Arendt, befürchtet deshalb eine Beeinträchtigung der pädagogischen Arbeit, weil sich der Nachwuchs auf „das Praktikum statt auf die Arbeit mit den Kindern“ konzentrieren müsse, wie er gegenüber dem „Wort“ sagte.
Dem Bildungsministerium zufolge stünden den zukünftigen Grundschullehrern über drei Jahre hinweg rund 500 Stunden zur Verfügung, um sich dem Praktikum zu widmen: Wöchentlich zwei Unterrichtsstunden in den ersten beiden Jahren, im dritten dann nur noch eine. Vom „appui pédagogique“ seien Lehrer im „Stage“ freigestellt.
Weiteres Argument der Initiatoren der Petition für ihre Kritik: Weil ihre vierjährige Grundausbildung auch Praktika beinhalte, seien Grundschullehrer nach Abschluss ihres Studiums bereit für den Unterricht. Sie fordern „eine individualisierte Unterstützung“ statt einer „aufgesetzten theoretischen Ausbildung“.
Die Studenten kritisieren außerdem Gehaltseinbußen: Studenten und Lehrbeauftragte wehren sich dagegen, in den ersten zwei Jahren nur 80, im dritten Jahr dann 90 Prozent ihres Gehalts zu beziehen.
Im Schreiben erinnert das Bildungsministerium daran , dass sich Regierung und die Gewerkschaften SNE und FEDUSE über die Umsetzung der Reform im öffentlichen Dienst für den Erziehungsbereich im März vor zwei Jahren einig waren.
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