Allein, wahlentscheidend ist sie wohl nicht, auch wenn Erziehung und Bildung laut der vorgestern erschienenen Umfrage die drittwichtigsten Punkte für die Wähler sind: Nach den Wahlen vom 20. Oktober aber wird sie eines der ersten Themen sein, die die zukünftige Regierung angehen muss. Insbesondere Die Neuregelung der Studienbeihilfen. Diese wird wohl oder übel unter dem magischen Stichwort „soziale Selektivität“ stehen. Das zeigt sich anhand der bisherigen Positionen der Parteien. Sozial gerecht sollen die Studienbeihilfen nach dem Willen der LSAP in Zukunft aussehen. Nachhaltig und sozial gestaffelt sieht das Modell der Grünen aus - mit finanzieller Planungssicherheit für die Studierenden. Sozial selektiv und leistungsbezogen stellt sich DP die zukünftige Studienbeihilfenregelung vor. Das alles entspricht zumindest dem aktuellen Stand der Dinge und dem anvisierten Modell einer Basis- und Komplementärbeihilfe, an dem die Hochschulministerin derzeit arbeitet. Wenn vorerst Einigkeit über dieses Modell zu herrschen scheint, dann hat das freilich damit zu tun, dass die entscheidenden Variablen noch offenstehen: Mobilität, Miete, Geschwister, Einkommen, das Verhältnis zu anderen Familienleistungen hier wie im Ausland - die Liste ist lang. Der nächsten Regierung kommt die delikate Aufgabe zu, sowohl der Marschrichtung des Europäischen Gerichtshofs zu folgen wie auch zuzusehen, die finanzielle Belastung für den Staat in den Griff zu bekommen. Die Summen der Studienbeihilfen sind in der Tat beeindruckend und wachsen jährlich - inzwischen sind es rund 100 Millionen Euro allein in Form von Börsen. Steht die grundlegende Ausrichtung fest, müssen folgerichtig die Ausgaben reduziert werden. Je nach Gewichtung des Mobilitätskriteriums würde dies vor allem zu Lasten des Großteils der Studenten gehen, die entweder in Luxemburg oder in der erweiterten Großregion studieren. Alleine Paris, Straßburg, Brüssel und Trier zogen im vergangenen Jahr rund 3.000 Studenten an; in der Länderverteilung sind es in Frankreich, Belgien und Deutschland zusammen etwa 8.000. Die Universität Luxemburg zählte im vergangenen akademischen Jahr 6.280 Eingeschriebene. Zum Vergleich: Etwas mehr als 15.000 Studenten wurden im vergangenen Jahr finanziell unterstützt.

Weniger Studienbeihilfen auszuzahlen würde jedoch auch das Prinzip der Autonomie infrage stellen, welches das bisherige Modell auszeichnete. Ein mögliches Nachsehen für all diejenigen, die im Anschluss an den Bachelor vielleicht das beiseite gelegte Geld für einen Master in Großbritannien oder den USA aufwenden wollten, oder für unbezahlte Praktika, oder sei es nur als Rücklage für die Absolventen, um nicht nur „im Minus“ ins Berufsleben zu starten. Ganz zu schweigen davon, ob sich nicht letztlich mehr aus Finanzierungsängsten gegen ein Studium entscheiden und somit der akademischen Traumquote, die das Land erreichen will, einen Strich durch die Rechnung machen. Die Studenten nach der Bologna-Reform finanziell wieder stärker einzuschränken, ihnen anschließend aber einen eigenen Statut zu verleihen, würde jedenfalls einer gewissen Ironie nicht entbehren.