LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Polnischer Einbrecher vor Gericht - Anklage fordert zwei Jahre Haft

Die Geschichte scheint unverfroren und amüsant: Angeklagt ist ein polnischer Staatsbürger. Der 40-Jährige soll am 1. Oktober 2016 mit einem Komplizen in ein Haus in Bad Mondorf eingestiegen sein und dort Schmuck im Wert von 3.000 Euro gestohlen haben. Als der Vorsitzende Richter den Angeklagten fragte, ob der Vorwurf des Wohnungseinbruchsdiebstahls denn zutreffe, bestritt der Mann den Einbruch und das bandenmäßige Vorgehen. Dann tischte er den Richtern eine Geschichte auf, die eigentlich fast zu gut ist, um wahr zu sein.

Sein Leben stehe sowieso schon Kopf

Diese Geschichte beginnt in Luxemburg. Ein Winzer habe versprochen, ihn im September als Saisonarbeiter in der Weinlese einzustellen. Dadurch hätte er in Luxemburg einige gute Jobs in Aussicht gehabt. Doch niemand hätte sich bei ihm gemeldet. Er sei anschließend ohne Job im Land herumgezogen. Am 30. September 2016 habe sich allerdings ein Desaster angebahnt. Beim Umsteigen auf dem Luxemburger Hauptbahnhof sei er einen kurzen Moment unaufmerksam gewesen und plötzlich sei sein Rucksack weg gewesen - wie vom Erdboden verschluckt. Er habe auf einen Schlag alles verloren: Ausweispapiere, Geld und Kleider. Sein Leben habe sowieso schon auf dem Kopf gestanden. Der Diebstahl habe ihm dann den Rest gegeben.

In Luxemburg habe er dann Michael kennengelernt, der eine große Anziehungskraft auf ihn ausgeübt habe. Der Mann sei unheimlich freundlich gewesen und habe ihn erst einmal beruhigt. Michael habe einen Bekannten besuchen wollen, der in Bad Mondorf wohnt. Der Angeklagte sei dann mit Michael dorthin gefahren. Das Haus sah irgendwie unbewohnt aus, weil die Fensterläden runter gewesen waren.

Der Angeklagte habe sich deshalb gewundert. Weiter nachgedacht hätte er aber nicht. Er hätte Michael vertraut, immerhin gehörte das Haus seiner Familie, so die Aussage. Im Haus habe Michael plötzlich nach Schmuck gesucht. Er hätte die Schatullen aufgebrochen und den Schmuck mitgehen lassen.

Als dann der Bewohner gegen 20.30 in seine Wohnung zurückkehrte und den Schaden entdeckte, habe er es mit der Angst zu tun bekommen. Der Bewohner hätte sofort die Polizei alarmiert und angegeben, mehrere Männerstimmen gehört zu haben, die er zu diesem Zeitpunkt niemandem zuordnen konnte. Er sei dann etwas hastig durch die Küchentür weggelaufen, ausgerutscht und habe sich das linke Bein gebrochen. Auch Michael habe die Flucht angetreten.

Verfolgungsjagd

Dann sei es zu einer Verfolgungsjagd durch das Wohngebiet gekommen. Ein aufmerksamer Nachbar hatte vor Gericht berichtet, er habe gesehen, wie ein mutmaßlicher Täter das Haus fluchtartig verlassen habe und an ihm vorbeigerast sei. Gemeinsam mit seinem Sohn habe er versucht, den Täter zu stellen. Der sei jedoch zu schnell gewesen. Der andere hätte irgendwo im Gras gelegen und hätte schwer geatmet. Mit letzter Kraft hatte er sich noch auf den nahegelegenen Kinderspielplatz schleppen können, wo die Verfolger ihn dann antrafen - ruhig auf einer Mauer sitzend.

Der Umstand, dass der Pole sich auf der Flucht ein Bein gebrochen hatte und unter den Verletzungsfolgen leiden wird, hielt Anklagevertreter Paul Minden nicht davon ab, eine Haftstrafe zu beantragen. Wegen Beteiligung an dem Einbruch und einschlägiger Vorstrafen wurden 24 Monate Haft beantragt. Anstatt ein umfangreiches Geständnis abzulegen, habe der Angeklagte den Richtern eine Räubergeschichte aufgetischt. Über den geheimnisvollen Komplizen, der Michael genannt wird, ist weiter nichts bekannt.


Urteil: 9. Februar 2016