LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

In der Coronakrise waren alle Ressourcen des Roten Kreuzes im Einsatz - Rückblick auf 2019

Für das luxemburgische Rote Kreuz waren es bewegte Monate. Während des Land auf ein Minimum heruntergefahren wurde, um die Ausbreitung des Coronavirus auszubremsen, haben die meisten Dienste der Organisation, wenngleich unter angepassten Bedingungen, weiter gearbeitet. Denn auch auf dem Höhepunkt der ersten Welle brauchten ältere Menschen, Obdachlose und andere Hilfe. In anderen Bereichen stellte sich die Organisation auf neu entstandenen Bedarf ein. Generaldirektor Michel Simonis meinte gestern, auf Notsituationen reagieren zu können, sei gewissermaßen in der „Genetik“ dieser seit mehr als 150 Jahren bestehenden Organisation verankert.

Im Zuge der Krise und der Einkommenseinbußen von Haushalten weitete das Rote Kreuz etwa den Zugang zu seinen „Butteker“ aus. Der stellvertretende Generaldirektor Marc Crochet bemerkte, das Rote Kreuz habe „dabei geholfen“, auf die Situation von Obdachlosen hinzuweisen, die die Anweisung der Regierung, „doheem“ zu bleiben, kaum befolgen konnten. Zusammen mit dem „Haut-Commissariat à la protection nationale“ sei es dann möglich gewesen, im  Hotel „De klenge Casino“ in Differdingen eine Unterbringung und gegebenenfalls eine Isolierung zu ermöglichen. Crochet lobte dann auch das beeindruckende Engagement von Mitarbeitern wie Freiwilligen, in dieser Krise mit anzupacken. Eine Mobilisierung in der Form habe er noch nicht erlebt. Dieses „beispiellose“ Engagement spiegelte sich zum Beispiel auch in der Zahl der neuen Blutspender wider. Gab es derer 2019 933, so begaben sich in diesem Jahr infolge eines Aufrufs fast doppelt so viele Freiwillige zu ihrer ersten Blutentnahme - ein Rekordwert. Simonis betonte, dass Luxemburg bei Blutspenden nach wie vor unabhängig sei. Darauf sei er „sehr stolz“. Rund 1.000 bis 1.500 Neuspender werden jährlich benötigt, um die Zahl der aktiven Spender aufrechtzuerhalten. Verbesserungsbedarf gebe es hingegen beim Blutplasma.

In finanzieller Hinsicht bedeuteten die vergangenen Monate allerdings auch, dass das Rote Kreuz deutlich weniger Spenden erreichten. Der „Mois du Don“ musste abgesagt werden. Beschweren wollte sich Crochet aber nicht.

2019 nahm die „Croix-Rouge luxembourgeoise“ rund 2.280.000 Euro an Spenden ein, davon rund 1,6 Millionen Euro für bestimmte Zwecke. Eine bedeutsame Unterstützung erhält das Rote Kreuz auch durch die „Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte“ (1,15 Millionen Euro).

Mehr als 770 Patienten in der Reha-Klinik

2019 war dann auch das erste vollständige Jahr für das im Vorjahr in eine Rehaklinik umfunktionierte Colpacher Schloss. Mehr als 700 Patienten seien aufgenommen worden, die infolge einer Krankheit oder eines medizinischen Eingriffs allmählich wieder für eine Rückkehr in ihr Zuhause fit gemacht wurden. Der Generaldirektor des „Centre de réhabilitation du Château de Colpach“, Jean-Philippe Schmit, zeigte sich erfreut über die äußerst hohe Zufriedenheitsrate von 95 Prozent, die eine Befragung der Patienten ergeben habe. Simonis meinte, das Projekt liege ihm „enorm am Herzen“, da es hierzulande eine hochwertige Reha erlaube.

In diesem Jahr wurde das CRCC indes im Kontext der Corona-Krise umfunktioniert und diente als Pflegeeinrichtung für Covid-Patienten. Seit Kurzem sei das CRCC aber wieder seiner eigentlichen Bestimmung gewidmet, erklärte Schmit. Sorgen bereitet der „Croix-Rouge“ der immer schwierigere Zugang zu Wohnraum. Das Rote Kreuz ist daher inzwischen verstärkt selber aktiv. Wie Michel Simonis mitteilte, sei erst am Dienstag eine Konvention mit dem Wohnungsbauministerium unterzeichnet worden, mittels derer sich der Staat finanziell am Bau für Sozialwohnungen für ältere und junge Menschen in Vianden beteiligen wird.