LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

EU-Bildungsbericht: Schulabbruch und Sprachbarrieren bleiben Baustellen

Schulabbruch, PISA-Kompetenzen, die Hürden eines dreisprachigen Bildungssystems: Die bildungspolitischen Herausforderungen für Luxemburg behalten auch weiter ihre Gültigkeit, wie ein Folgebericht der EU-Kommission jetzt zeigt. Die Regierung habe zwar in den vergangenen Jahren mit einer Vielzahl von Maßnahmen reagiert, doch so schnell zeigen sich mögliche Effekte in den Statistiken nicht. So könnte man etwas plakativ die aktualisierte Bestandsaufnahme der EU-Kommission zusammenfassen.

Schulabbruchsquote: Ziel nicht mehr eingehalten

Als zwei Herausforderungen für das Großherzogtum nannte Yuriko Backes, Chefin der Vertretung der EU-Kommission in Luxemburg, gestern den frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabbruch und die Beherrschung der PISA-Kompetenzen. In den europäischen Vergleichszahlen macht Luxemburg beim Schulabbruch mit einem Prozentsatz von 7,3 zunächst eine gute Figur und liegt weit unter dem EU-Durchschnitt von 10,6 Prozent. Ein Wert von 12,4 Prozent für das Jahr 2016, auf der Grundlage von nationalen Schätzungen sei aber wahrscheinlicher, so Backes, woraus sich ein völlig anderes Bild ergibt. Dem Bericht zufolge steigt die Zahl der Schulabbrecher seit 2009 und betrifft Jungen häufiger als Mädchen. Darin wird auch eine Verbindung zwischen Schulabbruch und der Klassenwiederholung hergestellt. „Der schulische Rückstand von mindestens zwei Jahren ist der eindeutigste Indikator für einen unmittelbaren Abbruch“, heißt im „Rapport de suivi de l‘éducation et de la formation 2018“, der dabei Bezug nimmt auf einen Bericht des luxemburgischen Bildungsministeriums. Eigentlich nur als erschreckend kann man die Tatsache bezeichnen, dass dem EU-Bericht zufolge „ungefähr 20 Prozent der Schüler bereits ein Jahr wiederholt haben, bevor sie ins dritte Grundschuljahr kommen“.

Als wiederkehrendes Element bezeichnete Backes das Abschneiden bei den PISA-Kompetenzen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Hier liegen die Leistungen luxemburgischer Schüler weit unter dem EU-Durchschnitt. Weitere Herausforderungen: Dem EU-Bericht zufolge wechseln nur die wenigsten Schüler zwischen klassischem und allgemeinen Sekundarunterricht. Er hält außerdem fest, dass die „schulischen Ergebnisse der Schüler stark von der Fähigkeit beeinflusst sind, sich an das dreisprachige System anzupassen“.

Positiv schneidet Luxemburg indes bei der Anzahl der Hochschulabsolventen und ihrer Beschäftigungsquote oder beim Thema Weiterbildung. Lívia Ruszthy, zuständig für Luxemburg in der Generaldirektion für Bildung der EU-Kommission, stellte „best practices“ aus anderen EU-Staaten vor. So stelle etwa Portugal Schülern, die mindestens zweimal ein Jahr wiederholt haben, einen Tutor zur Seite. Beim Thema Schulabbruch bemerkte Luka Böskens, Analyst bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dass eine Klassenwiederholung sowohl das Bildungssystem wie auch den einzelnen Schüler „koste“ und auch indirekte Kosten aufgrund eines verzögerten Eintritts in die Berufswelt nach sich ziehe. Böskens stellte einen OSZE-Bericht vor, der die Effizienz der in der Bildung eingesetzten finanziellen Mittel unter die Lupe nimmt.

Fortschritte in der EU

Wie sieht es in der EU aus? Der 2018er Bericht zeige, „dass die EU-Staaten Fortschritte gemacht haben in der Umsetzung der auf EU-Ebene beschlossenen Ziele“, so Backes. So ist etwa der Anteil der Kinder im Alter von vier Jahren in frühkindlicher Erziehung 2016 auf 94,4 Prozent gestiegen, womit das für 2020 gesetzte Ziel von mindestens 95 Prozent greifbar ist. Beim vorzeitigen Schulabbruch sind ebenfalls positive Nachrichten zu vermelden. Der Prozentsatz fiel EU-weit auf 10,6 Prozent zurück; innerhalb von zwei Jahren soll die Zehn-Prozent-Marke erreicht werden. Die größten Fortschritte wurden dabei zwischen 2014 und 2017 in Portugal, Spanien und Griechenland erzielt. Backes betonte, dass es natürlich besorgniserregend bleibe, wenn einer von zehn Jugendlichen das Schulsystem ohne Diplom verlasse.

Schwächen blieben indes in den Kapiteln PISA-Fächern und „Lifelong Learning“. Der Anteil der 15-Jährigen mit schwachen Leistungen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften sollte bis 2020 eigentlich unter 15 Prozent gedrückt werden, lag 2015 aber noch bei rund 20 Prozent. Derweil bildeten sich 2017 lediglich rund elf Prozent der Bevölkerung in den 28 EU-Staaten weiter. Als Ziel ausgegeben sind mindestens 15 Prozent.