LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

„Der parlamentarische Schlagabtausch als essenzielles Element der Demokratie hat somit die dreimonatige Auszeit des „Etat de siège“, der am vergangenen Mittwoch zu Ende ging unbeschadet überstanden“, stellt der „Revue“-Chefredakteur mit Genugtuung und Blick auf die heftige Debatte der Notstands-Nachfolgegesetze vergangene Woche fest. Na zum Glück brauchte der Belagerungszustand - in einem „état de siège“ befand sich die Festung Luxemburg zuletzt 1794-1795 - nicht ausgerufen zu werden. Als „Auszeit“ würden wir indes die letzten paar Monate nicht bezeichnen, war doch, im Cercle der Volksvertreter inklusive, so mächtig viel los wie selten. Etwas im Belagerungszustand dürfte sich indes der österreichische Kanzler gefühlt haben, dem unser Chefdiplomat laut „Die Presse“ mit seinem Unmut über die alpenrepublikanische Position gegen eine Flüchtlingsquote bombardierte: „Ich glaube, Kanzler Kurz meint, die blöden Deutschen, Portugiesen, Luxemburger und andere übernehmen das schon“. „Merde alors!“. Sagt auch eine Menge in Luxemburg beschäftigte Lothringer angesichts der Weigerung ihrer Regierung, die Zahl der steuerlich ausgenommenen „Télétravail“-Tage zu steigern. Dabei: „le télétravail m‘a redonné goût à la vie“, schwärmt eine Betroffene im „Républicain Lorrain“. Ein anderer ist heilfroh, die „foutue A31“ im Homeoffice fast vergessen zu haben. Wenn da nicht irgendwann das Pariser Finanzministerium belagert wird, falls sich nix dreht...