LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Kindesmissbrauch: 40-jähriger Flüchtling vor Gericht - Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre Haft

Am 3. Februar 2016 soll ein Migrant in der Notunterkunft für Flüchtlinge „Foyer d’hébergement pour réfugiés“ in Foetz ein siebenjähriges Mädchen sexuell missbraucht haben. Der 40-jährige Familienvater Nesat B., der den Missbrauch bei der Polizei vehement abgestritten hatte, musste sich am Montag und am gestrigen Dienstag wegen „Kindesmissbrauch“ vor der Kriminalkammer des Bezirksgerichts Luxemburg verantworten. Doch der Angeklagte blieb der Verhandlung unentschuldigt fern. Der Prozess wurde ohne den Angeklagten fortgesetzt.

Fall wirft viele Fragen auf

Die Familie kommt aus dem Kosovo und lebt seit November 2015 in Luxemburg. Am 3. Februar 2016 gegen 16.15 sei die Mutter nach unten in die Küche gegangen, um ein Glas Wasser zu holen. Als sie wieder hoch kam, sei das Mädchen plötzlich verschwunden gewesen. Die Mutter hätte überall nach ihr gesucht. „Also habe ich mit einem Sicherheitsbeamten an der Tür des Nachbarn geklopft“, sagt sie. Die Tür des Nachbarn, der gleich nebenan in Zimmer 7 wohnte, sei aber verriegelt gewesen. Niemand hätte sich gemeldet. Der Nachbar sei jedoch im Zimmer gewesen, sagte die Frau. Erst gegen 17.30 hätte sie die Stimme ihrer Tochter gehört, die aus dem Nebenzimmer kam. Das Mädchen hätte „Mutter, Mutter“ gerufen. Sie sei dann in das Zimmer des Nachbarn eingedrungen.

Der Nachbar habe das Mädchen in sein Zimmer gelockt, ihr Zigaretten und Alkohol angeboten, sagt sie. Die Tochter hätte eine Art Pyjama angehabt. Im Zimmer soll es stark nach Alkohol und Zigaretten gerochen haben. Beim Duschen habe das Mädchen dann der Mutter mitgeteilt, dass sie starke Bauchschmerzen und Schmerzen beim Wasserlassen verspüre. Am nächsten Tag hätte das Mädchen dann mehr erzählt. Der Mann hätte sie am ganzen Körper geküsst, auch zwischen den Beinen und hätte sie zum Oral-Sex gezwungen. Der Vater des Mädchens habe den Mann dann zur Rede gestellt. Der hätte ihm aber geantwortet: „Wir können es auf die richtige oder falsche Weise zwischen uns regeln.“ Am 4. Februar wird das Mädchen von einem Kinderarzt untersucht und von der Jugendpolizei angehört. In der Videovernehmung spricht das Kind von einem Mann mit schwarzer Hautfarbe. Der Mann hätte Englisch gesprochen und auf einer Matratze geschlafen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Nesat B. dem Mädchen einen Pornofilm zeigte, in dem ein Mann schwarzer Hautfarbe vorkam, der Englisch sprach. Der Computer wurde allerdings nie untersucht.

Forensik-Experte brachte Licht ins Dunkel

Die Ermittlungen ergaben, dass der Flüchtling Nesat B. offensichtlich das kleine Mädchen missbraucht hatte, da sich DNA-Spuren an der Unterwäsche des Mädchens befanden. Doch der Angeklagte lieferte kuriose Begründungen für die DNA-Treffer. Um sich zu entlasten, gab er freiwillig eine DNA- Probe ab. Dann erklärte er den Polizisten und dem Untersuchungsrichter, wie seine DNA in die Unterhosen des Mädchens gekommen sein könnte: Seine DNA sei bei der Wäsche übertragen worden. Der Forensik-Experte Dr. Poulain aus dem Staatslaboratorium hatte mehrere Spuren untersucht, die nach dem Vorfall im Zimmer des Angeklagten gesichert worden waren. Die ersten zwei Spuren stammen von zwei Unterhosen, die dritte von einem Trägertop. Bei der Untersuchung der DNA hatte der Experte eine große Übereinstimmung mit dem genetischen Fingerabdruck des Angeklagten festgestellt.

Die Vorsitzende Richterin stellte dem Gutachter die Frage „Könnte es sein, dass die DNA des Angeklagten auf die Wäsche des Kindes übertragen wurde?“ Auf Nachfrage musste der Sachverständige tatsächlich einräumen: „Es sei theoretisch immer möglich, dass DNA auf andere Gegenstände übertragen werden kann. Aber die Hypothese sei in diesem Fall sehr unwahrscheinlich, weil der Anteil der DNA des Angeklagten zu hoch ist.“

In seinem Gutachten beschreibt der Psychologe Robert Schiltz das Mädchen als hyperaktiv mit Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Deshalb seien die Aussagen des Mädchens manchmal umstritten. Wichtige Details hätte sie beim „psychologischen Interview“ ausgeklammert. Im Schnitt seien die Aussagen aber glaubwürdig. Das Mädchen sei zwar hyperaktiv, unaufmerksam und impulsiv, es sei aber unwahrscheinlich, dass eine Siebenjährige so lügen könne, sagte die Anklagevertreterin in ihrem Schlussplädoyer. Die gesicherte DNA-Spur sei eindeutig und weise auf den angeklagten Mann hin. Die Staatsanwältin forderte wegen versuchter Vergewaltigung und „attentat à la pudeur“ eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

Das Urteil fällt am 8. Januar.