GREVENMACHER
GILLES SCHREINER

Anne Mehlinger über die Kunst des orientalischen Tanzes

Kalbelia, Lavani und Gesundheit. Bei eben Genanntem handelt es sich weder um eine neue Virusmutation, noch um eine Inselgruppe aus den entferntesten Antillen. Anne Mehlinger hingegen kann sehr wohl etwas mit diesen Begriffen anfangen. Die 27-jährige Luxemburgerin, zur Zeit Germanistik - und Indologie-Studentin in Köln, könnte ganze Bücherbänder über diese indischen Tanzformen schreiben. Doch alles der Reihe nach.

Früh tanzt sich

Für Anne stellte sich die Frage eigentlich gar nicht, ob sie denn überhaupt einmal tanzen würde. „Mich inspirierte von klein auf meine um achtzehn Jahre ältere Schwester Trixy, die öfters auf Familienfeiern oder sonstigen Events auftritt. Ich war fasziniert von dieser Kunst und es war mehr als klar, dass ich einmal in ihre Fußstapfen treten würde“, gibt sich Mehlinger selbstsicher. Besuchte sie anfangs den klassischen Balletttanz, entdeckte sie mit 15 bereits ihre Vorliebe zum Bauchtanz und so kam es zur Einschreibung in den Bauchtanzkurs, geleitet von ihrer Schwester. „Es war auch Trixy, die mich dazu ermutigte, so früh wie möglich vor Publikum aufzutreten, um schon in jungen Jahren eine gewisse Routine zu bekommen.

Vom Fischerverein über RTL bis nach…

Und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Annes erster Auftritt war ein Meilenstein in der Tanzgeschichte. Kein geringerer als der Fischerverein von Düdelingen war es, der sich die Dienste der damals gerade 18 gewordenen aus Grevenmacher stammenden Künstlerin sicherte. „Die Nervosität war riesengroß, doch spätestens als jeder anfing mitzutanzen, war sie wie im Nu verschwunden“, ergänzt Anne. Weitere Auftritte folgten und ein gutes Jahr später wagte sie sich bei der Talentshow „Wanns de eppes kanns“ einzuschreiben, wo sie es sogar bis ins Finale schaffte : „Ich besitze einen äußerst vorwitzigen Charakter und unternehme oft Dinge, wo ich überhaupt nicht weiß, was mich erwartet.“

… Indien

Unschlüssig darüber, welche Richtung ihr Studiengang einschlagen würde, begab sich Anne als damals 19-Jährige ins ferne Indien. Indien, Land des Bauchtanzes… und schon unterbricht mich Mehlinger prompt mit dem Hinweis, dass der klassische Bauchtanz (Raks Sharki) aus Ägypten stammt und nicht aus Indien. Es ist sogar so, dass „ein Großteil der Bewegungen aus dem indischen Tanz übernommen wurde“. Anne selbst lernte diese besondere Form des Tanzens in Indien, die Kalbelia, bei der es sich eigentlich um einen nordindischen Zigeunertanz handelt. Die Lieder und Tänze sind Teil einer Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. 2010 wurden die Kalbelia-Volkslieder und Tänze von Rajasthan (Bundesstaat im Norden) als Teil des immateriellen Kulturerbens der UNESCO ernannt. Des Weiteren nahm sie während den sechsmonatigen Aufenthalts an diversen anderen Kursen teil, um ihr Tanzrepertoire zu erweitern, ob Bollywood-Tanz oder Lavani, eine Folkloretanzform aus Maharashtra. Sich selbst bezeichnet Anne als klassisch orientalische Tänzerin, die mit verschiedenen Formen experimentiert, um so ihrer Show den ganz besonderen Stempel aufzudrücken.

Kurse ahoi

Ab Januar wird sich Anne dann auch den einheimischen Tanzinteressierten widmen, denn dann beginnen ihre Workshops. Weitere Eckdaten werden in Kürze bekannt, und wer schon mal einen Vorgeschmack haben möchte, kann einen Blick auf www.divannadance.com werfen.