LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Agora zieht Bilanz: 46 Prozent der Gesamtbaufläche ist fertig oder im Bau - 75 Prozent ist vermarktet

Frank Vansteenkiste ist nicht nur Präsident der Entwicklungsgesellschaft Agora, sondern vor allem der Generalkoordinator der Landesplanungsabteilung im Nachhaltigkeits- und Infrastrukturministerium.

Und so kam er bei der gestrigen Pressekonferenz zur Bilanz 2017 auch auf die Rolle der Industriebrachen im Süden des Landes aus einer breiteren landesplanerischen Perspektive zu sprechen. Wohl bekannt sind die Auswirkungen des „Staubsaugereffekts“, den die Hauptstadt als Beschäftigungspol Nummer Eins ausübt: tägliche Staus in beide Richtungen auf der Autobahn A4. Diesen Effekt gelte es langsam aber sicher durch die Schaffung von attraktiven Beschäftigungspolen im Süden abzuschwächen.

Die ehemaligen Industriestandorte würden sich dafür in dem dicht besiedeltsten Teil des Landes, wo es immer schwieriger wird, „auf der grünen Wiese“ zu bauen, logischerweise anbieten.

Kombiniert mit der richtigen Verkehrsplanung

Allerdings müssen die Rekonversionen mit einer effizienten Verkehrsplanung einher gehen, damit die Rechnung auf geht. Vansteenkiste begrüßte in dieser Hinsicht die Ankündigung eines Express-Tram zwischen Luxemburg und Esch.

Sollte alles wie geplant laufen, könnte dieser Belval allerdings erst 2035 erreichen. Die ehemalige Industriebrache wäre dann aber bereits seit einigen Jahren zu 100 Prozent erschlossen - mit voraussichtlich 7.000 Einwohnern und rund 20.000 Personen, die hier täglich arbeiten und studieren.

Die Tramlinie allein - nebst Express-Radweg längs der A4 zwischen der Hauptstadt und Belval - reicht freilich nicht, auch innerhalb des „Minett“ muss der Verkehr neu gedacht werden.

Stichwort: „Bus à Haut Niveau de Service“ aber auch die intensivere Vernetzung der Radwege oder die andere Nutzung der Fracht-Bahnlinie zwischen Petingen und Esch. „Der Zugang zu den Brachen ist extrem wichtig“, unterstrich Vansteenkiste, der Belval „auf der Zielgeraden“ sieht.

75 Prozent der Gesamtgeschossfläche sind vermarktet

Er freute sich gemeinsam mit Agora-Direktor Vincent Delwiche darüber, dass seit den ersten Verkaufsverträgen 2004 bereits über eine Million Quadratmeter vermarktet werden konnten, demnach rund 75 Prozent der verfügbaren Gesamtgeschossfläche. Für Delwiche ein untrügliches Zeichen dafür, dass Investoren aus dem In- und Ausland Vertrauen in das Potenzial von Belval haben. Das Vertrauen brauchte freilich ein wenig, um sich zu entwickeln.

Die Uni, die Lokomotive des Areals, ließ länger auf sich warten als gedacht. Und die Finanz- und Wirtschaftskrise ab den Jahren 2007/2008 war nicht gerade günstig für das Immobiliengeschäft auf der ehemaligen Industriebrache. Seit 2014 aber geht es steil aufwärts mit den fertig gestellten Büroflächen, die sich mit etwa 210.000 m2 in diesem Jahr in fünf Jahren quasi verdoppelt haben. Belval ist mittlerweile der größte Peripherie-Bürostandort im Großherzogtum mit etwa fünf Prozent Marktanteil, Platz 5 auf der nationalen Bürostandortliste, vor dem Bereich um den Flughafen. Die starke Entwicklung sieht man in dem neuen Viertel auf Schritt und Tritt. Die Etappen im Fokus sind gerade die Entwicklung des „Square Mile“, dessen Herzstück, die ehemaligen Sinterbecken bald in ein außerordentliches Konversionsprojekt eingebunden werden. Rund um den zentralen Platz wird sich indes noch sehr viel tun. Während Belval-Nord fast komplett ist, wurde Belval-Süd gerade in Angriff genommen. Hier entsteht ein Campus inmitten eines Residenzviertels, das schnell Gestalt annehmen wird. Rund 46 Prozent der Gesamtbaufläche auf Belval, seien bereits fertiggestellt oder im Bau, bilanzierte Agora gestern.

Das Timing bis zu 100 Prozent ist eng gestrickt: am Horizont 2020/2021 wird Belval schon wieder völlig anders aussehen. Und 2022 soll die „Liaison Micheville“, welche die A4 unter dem Belval-Areal Richtung Frankreich hindurchführt abgeschlossen sein und sicher für etwas fließenderen Verkehr sorgen. Derzeit wird eifrig an der neuen Brücke für das Vorhaben gebaut.

Das Mega-Projekt Rekonversion von Belval soll indes um 2027 vollständig abgeschlossen sein.