BELVAL
MARA KROTH

Die Studentenorganisation „Conscious and Cultural Student Association“etabliert am Campus Belval eine studentische Kultur der anderen Art

Es ist Freitagabend, gegen 19.00. Die letzten Sonnenstrahlen fluten Belval, ebenso den „Belval Gaart“, einen kleinen Gemüsegarten, der zwischen den Hochöfen und Universitätsgebäuden liegt. Auf dem Rasen, zwischen vereinzelnden Kräuterbeeten auf hölzernen, klobigen Stühlen sitzen fünf Studierende der Universität Luxemburg, die der Studentenvereinigung „Conscious and Cultural Student Association“, kurz CCSA, angehören. Sie sind dafür verantwortlich, dass sich seit September letzten Jahres auf dem Campus etwas verändert hat.

„Uns fehlte etwas im luxemburgischen Studentenleben“, waren sich Soushyanes Shokoufeh (21), Martin Lecoutère (23), Sara Çela (24), Francesco Cascio (25) und Anna Unterholzner (27), die Gründungsmitgliedern von CSSA, einig. Diesem Gedanken entsprang das Kunstkollektiv im Herbst vergangenen Jahres. „Noc.turn - Nobody owns Culture“, besteht aus jungen, lokalen Künstlern, Musikern und weiteren Engagierten. Hinter dem Namen verbirgt sich: Aktivitäten zu Nacht und „turn“, was für den Wandel stehen soll. Mit „Nobody owns culture“ soll ein Zeichen gegen die als institutionalisiert wahrgenommenen kulturelleren Veranstaltungen hierzulande gesetzt werden, durch welche die Studierende sich oftmals nicht angesprochen fühlen.

„Niemand besitzt Kultur“

Um weitere Aktivitäten planen zu können und auch von Seiten der Universität gefördert zu werden, war die logische Konsequenz die Gründung einer Studentenvereinigung. Die Studierenden sind dankbar, besonders von François Carbon, dem Kulturbeauftragten der Universität, tatkräftig unterstützt zu werden. Dieser hat die Initiative der Studierenden sehr befürwortet. „Wir fühlten uns unzureichend repräsentiert von den existierenden Studentenvereinigungen, die entweder eine Fakultät, einen Studiengang, eine ethnische Gruppe repräsentieren oder ein ganz spezifisches Ziel haben“, sagt Francesco Cascio, der neu gewählte Schatzmeis- ter.

Das Ziel von CCSA: Verschiedene kulturelle Veranstaltungen für jeden. „Studierende, Mitarbeiter der Universität oder auch Externe sollen zu unseren Veranstaltungen kommen“, meint Ines Bröckel (20), Psychologie-Studentin und frisch gewählte Sekretärin. „Belval ist bisher so was wie ein ,One- Stop Shop‘. Man kommt hierher für Vorlesungen oder die Arbeit, aber hat keinen Grund zu bleiben“. Die anderen pflichten ihr bei: „Belval ist nachts wie eine Geisterstadt“. Ihr bisher erfolgreichstes Event war die „Rave the Cube“ - Party in der „Maison des Arts et des Étudiants“ auf dem Campus, die im vergangenen Februar stattfand. Um die 800 Menschen besuchten das Indoor Techno-Festival, auf welchem sieben verschiedene DJs auflegten. Zahlreiche Nicht-Studierende pilgerten zu diesem Anlass ebenfalls nach Belval. Alles in allem ein Riesenerfolg. Für die CCSA, für Belval und die Techno-Szene Luxemburgs.

Zugang für jeden

Doch es geht um mehr als Partys. „Die in Luxemburg lebenden Menschen haben verschiedene kulturelle Hintergründe, das zeigt sich vor allem der Studentenschaft. Daher ist es uns sehr wichtig, dass die Bandbreite der Veranstaltungen und Initiativen so offen wie möglich bleibt“, erzählt Cascio. Kulturell, bewusst, nachhaltig: Dazu zählt auch, dass ausschließlich vegetarisches Essen verkauft und auf internen Treffen zubereitet wird. Auf Einweggeschirr wird verzichtet, daher wurden Mehrweg-Becher mit dem Logo der Studentenorganisation bestellt.

Die bereits umgesetzten Projekte sprechen für sich: Regelmäßige Yoga-Stunden mit musikalischer Begleitung, Film- Vorführungen im „Kinosch“ in der Kulturfabrik Esch und anschließende Diskussionsrunde mit dem Regisseur, Kunstausstellungen, Apéros in der „Maison de la Transition“ in Esch, ein Gin- und Jazz-Abend mit Theatervorführung. „Die verschiedenen Projekte, die wir umsetzen, sind nur ein Spiegel unserer eigenen Zusammensetzung“, so Sara Çela. Tatsächlich sind die bewussten und kultureller Studierenden verschiedener denn je. Von Philosophie, Bauingenieurswesen über „European Governance“ oder Jura. „Unsere heterogene Zusammensetzung trägt dazu bei, dass jeder seine Stärken in die Umsetzung unsere Projekte einbringen kann“, stellt Martin Lecoutère, der Präsident von CCSA, fest.

Die Studierenden gehen, ihre Gegenstände bleiben

Eins der momentan laufenden Projekte erklärt Anna Unterholzner (27), die seit Beginn für die Studentenvereinigung illustriert und regelmäßig, auch an Sonntagen, im Park am „Gaalgebierg“ Yoga-Stunden im Rahmen von CCSA hält: „Viele Studierende kommen für ein Semester oder auch ein Jahr nach Luxemburg und kaufen viele Dinge für das eigene Zimmer, die sich im Anschluss nicht mehr im Koffer mit nach Hause nehmen lassen. Das ist nicht sehr nachhaltig“. Daher geht das Projekt „Leave Live Love“ in die erste Runde. „Studierende können die Dinge, die sie nicht mehr brauchen zu uns bringen, damit wir sie an die Neuankömmlinge im September verteilen können. So wollen wir Kreislaufwirtschaft betreiben und auch die neu ankommenden Studenten hier willkommen heißen“, erklärt die Philosophie- Studentin.

Am „Welcome Day“ im kommenden September hat die Studentenvereinigung intensiv mitgewirkt. „Am liebsten würden wir den gesamten Tag alleine organisieren, wir haben sehr viele Ideen“, scherzt Lecoutère. „Unser Ziel ist es, im nächsten September noch mehr Studenten zu rekrutieren und unsere Aktivitäten auszuweiten.“ In Planung sind bislang auch Kooperationen mit der Stadt Esch, und auch in Esch 2022 will sich die Studentenorganisation einbringen.

Jedoch würden sie sich mehr Unterstützung und Freiraum vom Fonds Belval wünschen. „Da die Universität die Gebäude und Veranstaltungsorte nicht besitzt, wird die Planung neuer Projekte verkompliziert. Je mehr wir uns im Campus-Leben engagieren, desto mehr bekommen wir zu spüren, dass wir wenig Freiheiten haben, da die Uni nicht selbst über ihre Flächen entscheiden kann“, bedauert der Vorstand. Ungeachtet dessen sind viele spannende Projekte in Zukunft von den engagierten Studierenden zu erwarten.


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