LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Philippe Hazizas Sneakershop ist ein Treffpunkt für Sneakerträger

Wissen Sie, ich mag Dinge, die man mit Marcel Prousts berühmter Madeleine vergleichen kann, Dinge, die einen an die eigene Kindheit erinnern”. Für Philippe Haziza können das Miniaturautos oder Sneakerschuhe sein. Der Südfranzose hat vor gut zwei Jahren in Luxemburg einen Sneakershop eröffnet, der sich schnell zur ersten Anlaufstelle für alle Sneaker-Afficionados gemausert hat. Anfangs bestand das Shopsortiment zu 30% aus Sneaker und 70% aus Mode; heute besteht über 80% des Sortiments aus Sportschuhen, die allerdings nicht mehr zum Sporttreiben getragen werden. Oder fast nicht mehr: Das Design aktueller Runningschuhe ist so modern, dass man durchaus in den Hightech-Lauf-Schlappen auch in den Edel-Club gehen kann, ohne vom Türsteher abgewiesen zu werden. Dieser neue Trend der Stilkreuzungen schwappt zurzeit aus Asien nach Luxemburg rüber und findet auch langsam aber sicher seine ersten Fans hierzulande. Generell würden sich die meisten Kunden aber für Vintage-Modelle interessieren, so Haziza. Schuhe, die vor 20 Jahren und mehr als das Nonplusultra der Sportschuhtechnik auf den Markt kamen und jetzt als Lifestyleschuhe ein zweites Leben vor sich haben.

Dekorationsobjekte

Hazizas Laden im Zentrum der Hauptstadt ist Shop, Fundgrube und Archiv in einem. Shop für alle Fashion-Victimes, die auf der Suche nach den allerneuesten Sneakertrends sind. Fundgrube für alle jene, für die die Kindheitserinnerungen nicht durch den Biss in die Madeleine zurückkommen, sondern wenn sie bei Philippe Haziza einen Turnschuh finden, der sie durch den Kinderalltag begleitet hat. Der Franzose berichtet von erwachsenen Männern, die auf einmal Tränen in den Augen hatten, als sie in einem Regal den Lieblingstreter aus ihrer Teenagerzeit entdeckten und dann gleich drei Paar davon gekauft haben. „Ein Paar in ihrer normalen Schuhgröße zum Tragen und zwei weitere in X-beliebigen Größen zum Aufbewahren als Souvenirobjekt”. Und von Kunden, die gleich fünf Paar von einem Modell ordern, um sich eine Reserve für die kommenden Jahre anzulegen.

Hazizas Laden ist auch ein Treffpunkt für Schatzjäger, die auf der Suche nach limitierten Auflagen sind: Handgefertigte Wildleder-Laufschuhe oder Modelle mit Keith Haring-Kunst. „Limited Edition“ sei aber nicht gleich „Limited Edition“ mahnt der Shopbesitzer. Zurecht: Ein Modell, von dem „nur“ 50.000 Paar produziert werden, kann man schlecht in einen Topf mit einem Schuh schmeißen, den weltweit lediglich eine gute Handvoll Läden verkaufen dürfen. Wo welcher Laden streng limitierte Sonderauflagen vertreiben kann, entscheiden die Hersteller selbst. Philippe Haziza bekommt die meiste Ware direkt von den Firmen; für spezielle Wünsche seiner Kunden wendet er sich an einen spezialisierten Sneakerhändler in den Vereinigten Staaten.

Philippe Haziza ist zweifelsohne auch ein Sneaker-Historiker, der über ein Archiv aus schmalen, breiten, bunten oder schwarz-weißen Vintage-Tretern wacht. Interessierten Kunden erläutert er die Entstehungsgeschichte eines Basketballschuhs oder referiert zwischen den Schuhkartons über den Siegeszug der legendären Adidas-Superstar-Modelle im Amerika der 80er Jahre. Er würde selbst noch viel von seinen Kunden lernen, so Haziza.

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