MERSCH
SIMONE MOLITOR

Das „Summer Orchestra Luxembourg“ bietet diese Saison drei Konzerte im „Mierscher Kulturhaus“

Mit einer Ode an die amerikanische Musik des 20. Jahrhunderts präsentiert sich das „Summer Orchestra Luxembourg“ (SOL) am kommenden Sonntag um 17.00 dem Publikum im „Mierscher Kulturhaus“. Hinter den Notenpulten sitzen größtenteils Musikschüler und -studenten aus Luxemburg sowie einige junge professionelle Musiker. Den Taktstock führt seit den Anfängen im Jahr 2014 Pit Brosius. Sein Fagott-Studium hat er letztes Jahr abgeschlossen. Ein Jahr Master in Direktion hat er noch vor sich. Vor der dritten Probe am Mittwochnachmittag haben wir uns mit dem jungen Dirigenten unterhalten.

Wer steckt hinter der Gründung des „Summer Orchestra Luxembourg“?

Pit Brosius Ein paar Schüler aus den Musikkonservatorien des Landes, unter anderem ich. Wir haben uns immer mal wieder bei vereinzelten Projekten getroffen und fanden es schade, dass nie etwas Gemeinsames anstand. Das zu ändern, war an sich die Idee. Das erste Konzert in der „Eglise St. Jean“ im Grund kam gleich so gut an, die Kirche war wirklich prall gefüllt, und die Musiker waren alle so begeistert, dass schnell entschieden war, weiterzumachen, auch im Winter. Am Anfang ging es wirklich darum, einen Teil der Sommerferienzeit durch dieses Orchesterprojekt zu bereichern. Inzwischen sind fünf Jahre vergangen, und die Nachfrage wächst immer noch.

Ist das Orchester auch zahlenmäßig gewachsen?

Brosius In der Tat. Die Zusammensetzung hängt aber immer ein bisschen vom Repertoire ab, das wir bei einem Konzert spielen. In Mersch haben wir bislang die bei weitem größte Musikerzahl. 42 oder 43 Leute sind dabei.

Nur Musikschüler oder auch Profis?

Brosius Sowohl als auch, jedenfalls nicht nur Schüler, die noch im Musikkonservatorium unterrichtet werden, sondern auch die Stufe, die danach kommt. Unsere Orchestermitglieder haben alle ein bestimmtes Niveau. Hinzu kommen junge professionelle Musiker, die immer wieder gerne mitmachen. Unter dem Strich also ein gutes Gleichgewicht.

Anfangs sollte das SOL aber vor allem eine Möglichkeit sein, vorberufliche Erfahrung zu sammeln?

Brosius Das stimmt. Es sollte ein bisschen etwas dazwischen sein, weil es an Möglichkeiten für Musikschüler fehlt. Die paar Projekte, die man von der Musikschule her kennt, sind zwar toll, aber eine gewisse Lücke gab es doch. Das SOL soll tatsächlich in gewisser Weise eine Vorbereitung auf das berufliche Leben sein. In diesem Kontext helfen die professionellen Musiker unseren jungen Talenten natürlich extrem viel, dadurch dass sie ihre Erfahrung einbringen.

Zurzeit ist das SOL im „Mierscher Kulturhaus“ in Residenz, welche Möglichkeiten und Chancen bietet dies?

Brosius Bislang haben wir ausschließlich in Kirchen gespielt, was auch gut geklappt hat, insbesondere im Sommer, wo die meisten Kultur- und Konzerthäuser ohnehin ihre Türen geschlossen haben. Jetzt, da Claude Mangen uns in sein Haus geholt hat, können wir unser Projekt noch professioneller aufziehen. Drei Konzerte werden wir in dieser Saison dort spielen. Ein richtiger Konzertsaal bietet ganz andere Möglichkeiten als eine Kirche. Alleine von der Akustik her ist dies eine ganz andere Erfahrung. Mit verschiedenen Repertoires stößt man in einer Kirche nämlich an seine Grenzen. Am Sonntag bieten wir ein amerikanisches Programm mit viel Piano und Percussion. In einer Kirche geht das nicht. Hier sind die Möglichkeiten dagegen fast unbegrenzt. An sich war unser Repertoire aber von Anfang an relativ vielfältig. Das reichte von klassischer Musik über romantische Stücke bis hin zu solchen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Wie läuft eine solche Residenz - oder allgemeiner, die Vorbereitung auf ein Konzert - überhaupt ab?

Brosius Als Orchester funktionieren wir wirklich pro Projekt, das heißt, wir sehen uns stets nur im Vorfeld eines Konzerts zum Proben. Wir als Organisationsteam haben natürlich regelmäßig Kontakt. Während einer Woche proben wir dann täglich rund vier Stunden, so auch seit Montag in Mersch. Die Noten bekommen die Musiker immer einen Monat im Voraus. Die Stücke studieren sie dann ein, so gut es eben individuell möglich ist. Und dann proben wir eine Woche zusammen im Orchester. Das sind intensive Tage, die volle Konzentration erfordern. Die Residenz im „Mierscher Kulturhaus“ bietet uns jetzt eine Regelmäßigkeit: In einer Saison - und vielleicht sogar einer zweiten - können wir mehrmals am gleichen Ort spielen und uns so auch ein Publikum aufbauen. Dadurch bekommen wir mehr Sichtbarkeit.

Wie laufen die Proben bislang?

Brosius Nach zwei Proben klappt es wirklich schon ganz gut, obwohl das Programm extrem schwer ist. Ich muss sagen, wir haben diesmal wirklich eine sehr starke Mannschaft.
Warum haben Sie gerade das Motto „American Music“
gewählt?

Brosius Ich stelle Programme immer unter einem Thema zusammen, oder sagen wir, so dass sie zusammenpassen. Etwas Amerikanisches hatten wir bislang noch nie, weil dazu eben ein großer Konzertsaal nötig ist. Für mich persönlich bietet die amerikanische Musik wirklich ein fantastisches Repertoire: fantastisch für die Musiker und das Publikum.

Auf was darf sich das Publikum freuen?

Brosius Geboten wird wirklich ein bisschen von allem. Wir fangen mit John Adams „Tromba Lontana“ an. Das ist das rezenteste Stück im Programm. Mit „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin gehen wir zudem ein bisschen in Richtung Jazz und Blues. „Appalachian Spring“ von Aaron Copland ist etwas folkloristischer. Und dann haben wir auch noch „The Unanswered Question“ von Charles Ives im Programm. Mir ist es wichtig, immer ein oder zwei Stücke auszuwählen, die das Publikum etwas fordern, alles in allem ist es jedoch ein ziemlich zugängliches Programm.

Und was planen Sie für die nächsten Konzerte?

Brosius Im November laden wir zu einem Konzert mit französischer Musik ein. Das haben wir so auch noch nie gemacht. Da spielen wir Debussy, Ravel, Saint-Saëns und Fauré. Und im April feiern wir Beethovens 250. Geburtstag mit einem Piano-Concerto und einer Symphonie.

Es ist auch immer ein Solist dabei...

Brosius Das war uns von Anfang an wichtig, um eben professionelle Musiker mit unseren Leuten in Kontakt zu bringen und von ihrer Erfahrung profitieren zu lassen. Durch den Austausch lernen unsere Musiker viel hinzu. Am Sonntag ist der junge niederländische Pianist Wouter Bergenhuizen dabei. Für unser erstes Projekt konnten wir Alena Baeva gewinnen, die damals schon eine extrem renommierte Violinistin war. Das hat den Musikern so gut gefallen, dass wir uns entschieden haben, immer einen professionellen Solisten mit einem gewissen Renommee zu verpflichten. Das war übrigens viel einfacher, als wir anfangs dachten. Sie alle treten indes ehrenamtlich auf, und sind dann die letzten zwei oder drei Tage bei der Probe dabei. Das gibt dem Ganzen noch einmal eine besondere Energie und verändert die ganze Stimmung.

Welche Bilanz ziehen Sie nach fünf Jahren SOL?

Brosius Es macht uns immer noch genauso viel Spaß wie beim ersten Konzert. Übrigens ziehen wir immer mehr Musiker aus dem Ausland hinzu, um unser Repertoire weiterzuentwickeln. Luxemburg ist klein, ein ganzes Orchester nur mit Luxemburgern zusammenzustellen, wäre schwierig. Für jedes Konzert verstärken wir uns deshalb mit fünf bis acht ausländischen Talenten, was der ganzen Sache noch einmal einen frischeren Wind gibt. Das SOL wächst und wächst. Und wir haben noch kein Ende vor Augen.


Weitere Information unter www.summerorchestra.lu
sowie www.kulturhaus.lu