KEHLEN
LJ
Steckbrief Kehlen

Fünf Listen für elf Sitze

Die Gemeinde Kehlen besteht aus den Ortschaften Dondelingen, Kehlen, Keispelt, Meispelt, Nospelt und Olm. Sie dehnt sich auf 5.449 Hektar aus und zählt 5.903 Einwohner (gegenüber 5.048 im Jahr 2011). Geführt wird die Gemeinde von einer LSAP/CSV-Koalition. An der Spitze: Bürgermeister Guy Scholtes (LSAP), der auf Aloyse Paulus gefolgt war. Letzterer - er amtierte seit 2004 - war im Juni 2016 aus persönlichen Gründen zurückgetreten. Schöffen sind Lucien Koch und Felix Eischen (beide CSV), letzterer auch Abgeordneter. Die LSAP zählt insgesamt fünf Mandate im Gemeinderat, die CSV vier. DP und Grüne halten jeweils einen Sitz. Interessant: Neben den traditionellen Parteien tritt am 8. Oktober auch erstmals eine Kandidatenliste der „Piratepartei“ an. Letztere ist allerdings unvollständig.

Der Urnengang am 8. Oktober könnte spannend werden. Zum einen geht mit der „Piratepartei“ zusätzlich zu CSV, LSAP, DP und Grünen ein neuer Wettbewerber um die Wählergunst ins Rennen, zum anderen treten einige politische Schwergewichte nicht mehr an. Wie der ehemalige Bürgermeister Aloyse Paulus, der im Juni 2016 aus persönlichen Gründen zurückgetreten war. Werden die Karten also neu gemischt? Wird die LSAP/CSV-Koalition abgelöst? Die DP ist auf jeden Fall bereit, Verantwortung zu übernehmen, sagt Rat Tom Hansen. Der Energie-und Versicherungsfachmann erklärte uns im Interview auch, welche Schwerpunkte er und sein Team in Kehlen setzen wollen.

Herr Hansen, wie bewerten Sie die politischen Akzente in Kehlen in den letzten Jahren?

Tom Hansen Es wurde Einiges auf die Schiene gebracht und ganz besonders im Schulwesen. Hier standen überfällige Projekte auf der Tagesordnung, welche die DP auch mitgetragen hat. Wobei wir uns aber stets dafür eingesetzt haben, dass die Ausgaben nicht aus dem Ruder laufen, aber auch weiter gedacht wird.
Zum Beispiel bei der neuen Musikschule, wo der Kostenvoranschlag von fünf Millionen unserer Meinung zufolge überschritten werden wird. Eine Idee wäre auch zu überprüfen, ob man das Vorhaben nicht kostengünstig mit einem Schwimmbad kombinieren könnte, das öffentlich genutzt werden könnte, aber vorrangig den Kindern in der Gemeinde zugänglich sein sollte. Sie werden heute zu Schwimmkursen nach Strassen gefahren. Das bringt ihnen nur Stress und Kehlen mehr Verkehrsbelastung.

À propos Verkehr: Olm, Kehlen und Keispelt sind zumal in Spitzenzeiten sehr belastet. Was kann man dagegen tun?

Hansen Wir streiten seit Jahrzehnten für Umgehungsstraßen für Kehlen und Keispelt. Die Pläne sind fertig, aber es scheint da nicht genügend politischen Willen zu geben, um endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Es ist wohl wahr, dass die „Nordstrooss“ ein wenig von dem Transit-Verkehr abgezweigt hat, aber der Lastwagenverkehr bleibt in einer Region mit zahlreichen Industrien und landwirtschaftlichen Betrieben sehr dicht.
Wir treten auch dafür ein, dass eine direkte Verbindung zwischen der Aktivitätszone zwischen Kehlen und Olm und der Arloner Straße in Mamer hergestellt wird. Unabdingbar ist für uns auch, dass ein schlüssiges Verkehrskonzept besteht, bevor in Olm mit dem Bau der rund 800 Wohnungen begonnen wird, deren Bau die SNHBM dort über mehrere Jahrzehnte plant. Sonst ist der Verkehrsinfarkt vorprogrammiert. Ich habe mich im Gemeinderat bei dem Projekt enthalten, weil ich keine Informationen über das Verkehrskonzept hatte.

Aber Sie stehen für mehr erschwinglichen Wohnraum, richtig?

Hansen Ja, keine Frage. Wir brauchen mehr davon, besonders für die jungen Leute in unserer Gemeinde. Dafür benötigt man aber ein Wohnraumkonzept, das auch den Erhalt des ländlichen Charakters unserer Dörfer und von historischer Bausubstanz berücksichtigt. Dafür gibt es eine ganze Reihe von staatlichen Subventionen. Für die DP ist die Revalorisierung unserer Dorfkerne eine Priorität und wir setzen uns in diesem Sinne auch dafür ein, dass überall wo es nur möglich ist, „shared space“-Zonen eingerichtet werden.
Auf jeden Fall brauchen wir aber ein wohl durchdachtes und modernes Bautenreglement und einen neuen allgemeinen Bebauungsplan. Der letzte wurde verworfen, einen neuen haben wir bis jetzt noch nicht gesehen. Langsam frage ich mich, ob die Majorität Angst hat, hier mit offenen Karten zu spielen.

Wie steht es insgesamt mit der Informationspolitik der Koalition?

Hansen Uns fehlt es da an Transparenz, nicht nur gegenüber der Opposition, sondern auch gegenüber den Bürgern. Zwar erscheint monatlich ein „Gemengebuet“, aber die darin enthaltenen Informationen sind meiner Meinung zufolge nicht sonderlich relevant.
Nützlicher finden wir regelmäßige Informationsveranstaltungen in sämtlichen Ortschaften und eine regelmäßige Sprechstunde, wo Bürger ihre Fragen direkt an den Bürgermeister oder die Schöffen stellen können. Ich glaube, dass das gerade jetzt, wo Kehlen durch ein Großprojekt wachsen soll, besonders wichtig wird.

Wachstum bedingt weitere Infrastrukturen. Zum Beispiel für die Kinderbetreuung. Ist Kehlen da genug  ausstaffiert?

Hansen Die Schule in Kehlen muss neugebaut werden. Darüber besteht Konsens und das ist auch geplant. Ausgebaut und besser organisiert werden müssen die „Maisons Relais“, denn es gibt heute schon Wartelisten.
Das Großprojekt in Olm soll ja seine eigenen Schul- und Betreuungsstrukturen bekommen, es ist uns aber wichtig, dass sie Verbindungen mit den anderen Strukturen und unseren Vereinen haben. À propos Treffpunkte für Kinder und Jugendliche: die DP setzt sich für ein richtiges Spielplatzkonzept in der Gemeinde ein. Die Anlagen werden heute nicht richtig gemanagt, Ausrüstungen verschwinden, ohne dass sie ersetzt werden, das Gras steht manchmal zu hoch und auch die Sauberkeit lässt manchmal zu wünschen übrig. Die Bedeutung von Spielplätzen für die Kohäsion in der Gemeinde sollte nicht unterschätzt werden.

Gibt es genügend Grünflächen?

Hansen Es könnte mehr davon geben. Wir möchten die Bürger stärker an solchen Flächen beteiligen und überhaupt an der Verschönerung unserer Gemeinde. Zum Beispiel, indem wir ihnen die Möglichkeit einräumen, eine Patenschaft für ein Stück Grünanlage zu übernehmen, um die sie sich auch selber kümmern könnten. Auch das schafft Kontakte und ist gut für den Zusammenhalt.

Welches Ziel hat sich die DP für diese Gemeindewahlen gesetzt?

Hansen Wir wollen auf jeden Fall einen zusätzlichen Sitz holen und möglichst wieder zurück in die Verantwortung kommen. Liberale Politiker haben die Geschichte dieser Gemeinde entscheidend mitgeprägt. Wir sehen uns auch in ihrer Tradition.