LUXEMBURG
NIC. DICKEN

„Journées de l‘Economie“ im Zeichen von realitätsbezogenem Optimismus

Bis auf den sprichwörtlich letzten Platz gefüllt war der große Konferenzsaal der Handelskammer gestern Nachmittag zur Auftaktversammlung der „Journées de l‘Economie“, die gemeinsam von Wirtschaftsministerium, Handelskammer, Fedil und PriceWaterhouseCoopers Luxembourg bereits zum 8. Mal organisiert wurden und die diesmal unter dem Leitthema „Réinventer Luxembourg“ stehen. Angesichts des breiten Interesses und vor allem auch der Qualität der Teilnehmer sollte man sich eigentlich keine allzu großen Sorgen darüber machen, dass der Wirtschaftsstandort Luxemburg vielleicht nicht ganz neu erfunden, aber doch, basierend auf den Erfahrungen, der Flexibilität und dem Ideenreichtum der Vergangenheit, in zukunftsträchtige neue Bahnen gelenkt werden kann.

Krisenwende scheint geschafft

Der gestern offen an den Tag gelegte Optimismus, den vor allem auch Wirtschaftsminister Etienne Schneider ausstrahlte, kommt nicht von ungefähr: Nach gut fünf langen und schweren Krisenjahren scheint sich Europa, und mit ihm auch Luxemburg, wieder auf dem Rückweg zu jenem Wachstum zu befinden, das uns bis 2008 noch als so selbstverständlich erschienen war. Es wäre absolut verfrüht, wie u.a. auch Didier Mouget, Chef von PwC Luxembourg, mahnte, jetzt schon von einer vollständigen Erledigung der seit 2008 vordringlichen Aufgaben zu sprechen und der Weg bis zur Festigung der früheren Wirtschafts- und Finanzstärke der EU wird sicher noch lang und mühevoll sein, aber die Wende, die Abkehr von einer weiteren Talfahrt, scheint immerhin schon mal geschafft.

Luxemburg neu zu erfinden, Luxemburg eine neue Dynamik zu verleihen, dieser Leitspruch soll sich wie ein roter Faden durch die beiden Konferenztage ziehen, so Carlo Thelen, der nach dem Regierungsbeitritt von Pierre Gramegna die Generaldirektion der Handelskammer übernommen hatte und der gemeinsam mit Luc Henzig, Partner bei PwC Luxembourg, für einen geordneten Ablauf der „Journées de l‘Economie“ sorgte.

Perspektivenfür Vermögensverwaltung bleiben gut

Als einer der maßgeblichen Gastgeber zeigte sich Didier Mouget begeistert von der ungewöhnlich hohen Zahl von Teilnehmern, was für die Aufbruchstimmung in luxemburgischen Wirtschafts- und Unternehmerkreisen spreche. Er mochte den Optimimus von Wirtschaftsminister Etienne Schneider nicht vollständig teilen, weil immer noch Unwägbarkeiten über der Entwicklung schwebten und die öffentliche Verschuldung sowohl in Europa als auch in Luxemburg weiterhin für Bedenken sorgen müssten. Besonders wichtig sei für Luxemburg die Sicherung einer gewissen Stabilität, die auch das finanzpolitische AAA-Rating längerfristig garantieren könne. Recht zuversichtlich gab sich Didier Mouget hinsichtlich der Perspektiven für die Vermögensverwaltung, die wohl einige schwierige Jahre zu überbrücken habe, sich allerdings langfristig auf hohem Niveau behaupten werde.

Im Einklang mit Regierungsprogramm

Die „Journées de l‘Economie“ hätten sich als breite Austauschplattform für die Ausrichtung der nationalen Wirtschaftspolitik längst bewährt, so Wirtschaftsminister Etienne Schneider in seiner Stellungnahme, der die Organisatoren ausdrücklich zur Bestimmung des Leitthemas beglückwünschte, das quasi deckungsgleich sei mit der von der neuen Regierung festgelegten Marschroute. Die Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung seien mittlerweile spürbar. Europa müsse sich fähig zeigen, mit den Herausforderungen der Weltwirtschaft Schritt zu halten, zumal die EU für Luxemburg weiter von höchster Wichtigkeit sei. Die Rückkehr zu normalem Wachstum sei der ideale Moment für die sich aufdrängenden Strukturreformen, so Schneider, der auch die Rückkehr zu budgetärem Gleichgewicht anmahnte. Die Wiederherstellung des Gleichgewichtes mache einen Umbau des Staatsapparates erforderlich, für die Regierung komme es darauf an, mehr Wirkung zu erzielen mit weniger finanziellen Mitteln.

Allein mit Sparmaßnahmen sei die Herausforderung nicht zu meistern, so dass auch neue Einnahmen erforderlich seien, die aber wohl überlegt werden müssten. Die Modulierung der Lohnindexierung werde fortgeführt, parallel dazu solle der Impakt für die Unternehmen abgeschwächt werden. Zur Globalstrategie gehöre auch eine Stimulierung der Exporte und die gezielte Förderung neuer Aktivitätsnischen, als die Etienne Schneider Bio- und Ökotechnologie, Logistik und den ICT-Bereich ansieht.

Selbst wenn die mittelständischen Unternehmen im Wirtschaftsministerium aufgegangen seien, könnten sie auf eine eventuell stärkere Zuwendung zählen, weil jetzt alle Fäden an einer zentralen Stelle zusammenlaufen, die gezielt und angemessen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse reagieren kann.