LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Für mehr freundschaftlichen Körperkontakt: Edsun will mit neuer Performance Umdenken bewirken

Unter besten Freundinnen ist eine innige Umarmung ganz normal. Dafür braucht es keinen großen Anlass und auch keine Situation, in der eine von beiden getröstet werden muss. Auch während eines Gesprächs berühren sie sich wie selbstverständlich. Und beim Knuddeln mit kleinen Kindern muss sich kaum eine Frau Gedanken machen, vielleicht schief angeschaut zu werden. Bei Männern aber sieht das alles meistens etwas anders aus.

Das findet zumindest der R’n’B-Musiker und Tänzer Edsun. Für ihn ist der Mangel an freundschaftlicher Berührung unter Männern - unter Freunden aber auch zwischen Vätern und ihren langsam heranwachsenden Söhnen - ein Problem. „Als Mann hat man viel Angst davor, verurteilt und zurückgewiesen zu werden, wenn wir einen anderen Mann berühren.“ Damit Umarmungen unter Männern normaler und akzeptierter werden, will sich Edsun mit einem künstlerischen Projekt engagieren. Im Herbst will er mit einer neuen Performance auf Tournee gehen. Die „The Platonic Touch Tour“ soll ihn in insgesamt sechs verschiedene Länder führen.

Misstrauen gegenüber Männern

Damit er diese Tour auf die Beine stellen kann, hat der Künstler eine Kickstarter-Kampagne gestartet. Noch bis zu Donnerstag, 12.00, kann man spenden. Vielleicht kann das Ziel von knapp 6.000 Euro ja noch erreicht werden.

Den entscheidenden Impuls gab dem Künstler die Lektüre eines Artikels. In „The Lack of Gentle Platonic Touch in Men’s Lives is a Killer“ wirft der Autor Mark Greene einige Fragen zu diesem Thema auf. Er beschreibt, dass Männer sich davor fürchten, bei Berührungen für unangemessenes Verhalten verurteilt zu werden. Und dass sie dann ihren Männlichkeits- und Autoritätsstatus riskieren. Greene spricht sogar von einer „berührungsscheuen Kultur“. Dahinter verberge sich ein Misstrauen gegenüber Männern, das sich in dem Vorurteil zeigt, dass Männer eben keine andere körperliche Begegnung als eben auf einer sexuellen Ebene kennen würden. Keine freundschaftliche Umarmung also: Unter Männern müsste man sich fürchten, direkt als homosexuell zu gelten, mit Frauen wäre man direkt der Aufreißer, der jede Situation ausnutzt, und gegenüber Kindern und Jugendlichen würden erst recht noch strengere Verhaltensregeln gelten.

Schlecht für die Psyche

Also herrscht - abgesehen von der Partnerschaft - größtenteils berührungstechnische Isolation für die meisten Männer vor. Und das ist schlecht für Psyche und Seele. „Wer keine Berührungen erlebt, dem fehlt die menschliche Verbindung, das kann zu Depressionen und sogar Alkoholismus führen“, erläutert Edsun. Menschen seien nun aber von Geburt an auf Berührung angewiesen. Doch: „Wenn wir älter werden, wird die Berührung unserer Eltern eingeschränkt oder verschwindet sogar vollständig, besonders bei Männern“, erläutert Edsun den Hintergrund seiner Kickstarter-Kampagne.

Um in der Gesellschaft ein Umdenken zu bewirken, will er die Leute mit seiner „The Platonic Touch Tour“ erreichen. Erfahrung auf diesem Gebiet hat er dabei schon. „Als Tänzer arbeite ich in meinen Performances immer mit Berührungen.“ Bei der vergangenen Ausgabe der „Sonic Visions“ führte er mit männlichen Musikern und Tänzern eine Performance auf, die sich ebenfalls mit der platonischen Berührung aus- einandersetzte. „Es ging darum, was es bedeutet, jemanden wirklich lange zu umarmen, da kommen viele Gefühle hoch und man erkennt, dass die Beschaffenheit unseres Körpers nichts mit unserer Seele zu tun hat.“

Derzeit arbeitet Edsun intensiv an seiner Performance für „The Platonic Touch Tour“. Diese soll dann im Herbst starten und auch in Luxemburg zu sehen sein.

Weitere Informationen unter www.kickstarter.com und www.facebook.com/edsunmusic