Die Sängerin und Musicaldarstellerin Maite Kelly wurde 1979 als das zweitjüngste Kind der Kelly-Family geboren, deren Mitglieder unter Leitung des Vaters Daniel zusammen musizierten und ab Ende der 1970er Jahre viel Erfolg mit deutschen und internationalen Volksliedern hatten. Seit 2007 hat Maite Kelly eine Solo-Karriere eingeschlagen. 2009 stand sie erstmals in einem Musical auf der Bühne: In „Hairspray“ spielte sie in Köln die Rolle der „Tracy“. 2011 gewann sie das Finale der RTL-Tanzshow „Let’s Dance“.
Maite Kelly ist seit 2005 mit Florent Raimond verheiratet und hat zwei Töchter. Momentan steht sie, zum dritten Mal schwanger, als Frau Rossi im Musical „Die schwarzen Brüder“ in Bückeburg auf der Bühne. Die äußerst sympathische Schauspielerin traf vor einigen Tagen das „Lëtzebuerger Journal“ zum Interviewtermin.
In ganz Deutschland gerieten Sie in die Schlagzeilen, weil sie schwanger auf der Bühne stehen (Anmerkung der Redaktion: Die Geburt ist für Oktober vorgesehen). Wie reagieren Sie generell auf die Regenbogenpresse?
Maite Kelly Als Künstler lernt man sehr schnell, dass man nicht jedem gefallen und nicht gegen die Spießigkeit der Welt angehen kann. Und man muss verrückt genug sein, um es zu wagen von der Kunst zu leben. Man braucht sehr gutes Vertrauen in das, was ich Berufung nenne. Das Schöne an „Berufung“ im Gegensatz zum „Beruf“ ist, dass ich mich als ganzer Mensch immer wahrgenommen habe. Somit konzentriere ich mich auf das, was ich hoffe gut zu können und auf das, wofür ich brenne. Was andere sagen und tun, das kann ich nicht beeinflussen. Man lernt damit zu leben; man lernt aber auch, nicht seine ganze Energie darauf zu verschwenden. Das Wichtigste ist, dass man sein Handwerk liebt und lebt, und alles andere wird sich mit der Zeit von alleine regeln.
Sind Ihnen „Moralpredigten“ in der Presse also egal?
Kelly Nein. Man ist nach wie vor Mensch, und man darf als Künstler nicht abgebrüht sein und sensibel bleiben. Man darf nicht Energie verschwenden, um sich auf das Unwesentliche zu konzentrieren. Früher hat man das Dorf verlassen, um weniger das Dorfgeflüster mitzubekommen, aber die Welt ist mittlerweile durchs Internet zum Dorf geworden. Und somit wird es das immer geben, dass das, was man gesagt hat, etwas übertriebener wieder gegeben wird.
Es hat lange gedauert, bis man Sie wieder auf einer Bühne sah. Wurden Ihnen nach „Hairspray“ keine Rollen angeboten?
Kelly Doch. Es gab verschiedene Musicals. Aber das hat erstens zeitlich nicht funktioniert, und zweitens war keine Rolle dabei, die, nach Tracy, ein neuer Horizont darstellte.
Und die Rolle der „Frau Rossi“ hat Sie dann überzeugt?
Kelly Nicht nur die Frau Rossi, sondern die ganze Geschichte hat mich überzeugt, und ich wusste mit Moritz Sachs, der Produktionsfirma „Reihe 7“, mit der Produzentin Irene Fleischlin und Mirco Vogelsang, Produzent, Regisseur, Autor des Musicalbuchs und Songtexter, dass wir ein sehr großartiges Level auf die Bühne bringen würden. Wir haben ein unfassbar starkes, sehr ausbalanciertes Ensemble. Es beruht nicht nur auf zwei, drei starken Schauspielern. Wir haben großes Glück, dass wir hier in der Nähe von Bückeburg so tolle Jungs gefunden haben, die den „Giorgio“ spielen. Es ist ein Stück, das schwierig zu singen ist, auch für eine Frau. Ich war stark beeindruckt von den Reaktionen des Publikums. Eine unperfekte Besetzung (hier spielt sie auf die Giorgio-Darsteller an, die in Bückeburg zum ersten Mal auf der Bühne stehen), die einen berührt, ist mir lieber, als eine perfekte, die beeindruckt, aber das Herz nicht trifft.
Wie sind Sie zu der Rolle gekommen?
Kelly Moritz und ich haben uns durch „Let’s Dance“ kennengelernt, er hatte mich in „Hairspray“ gesehen. Er wusste, dass ich den Mut zur Hässlichkeit habe. Dann hat Mirco Moritz darauf angesprochen, ob er glaube, dass ich Frau Rossi spielen könnte. Moritz hat mich angerufen, und wir haben über die Rolle gesprochen. Ich habe ihm erklärt, wie ich sie sehen würde. Man sollte versuchen, seine eigene Figur der „Frau Rossi“ zu entwerfen und nicht da anknüpfen, wo andere Kollegen aufgehört haben. Ich wollte durch ihre Körperlichkeit zeigen, dass sie komplett überfordert ist. Sie ist nicht dreckig, sie hat Stolz, ihre Kinder sind sauber. Sie opfert ihr ganzes Leben, damit ihre Kinder es besser haben. Und es funktioniert nicht! Das ist das Frustrierende. Und auch der falsche Ansatz. Ich habe diese Frauen erlebt, die alles getan haben, damit die Kinder in der Stadt studieren konnten. Das waren Bilder, die sofort bei mir hochkamen und dann habe ich mir gesagt: „Du verstehst, worum es hier geht.“ Und Moritz meinte, wir riskieren es. Ich hoffe, es ist aufgegangen.
Dass eine Frau mit so viel Energie wie Maite Kelly ihre Auftritte unbeschadet überstehen wird, ist sicher, und wie sagte sie noch: „Schwangerschaft ist keine Krankheit, und ich fühle mich wohl!“ Ob es ein Junge oder Mädchen wird, hat sie nicht verraten. So bleibt die Spannung erhalten!


