LUXEMBURG
INGO ZWANK

Beruhigen, nicht berauschen

Seit 2018 hielten immer mehr Hanfläden mit ihren Produkten Einzug in den hiesigen Einzelhandel. Unter anderem Kosmetika in unterschiedlicher Form und Ausprägung füllen da die Regale - und es schwingt bei den Läden und den Produkten immer noch ein Hauch von „Kiffer-Image“ mit, weiß auch Christopher Zimmer vom „Placebo“ in Luxemburg-Stadt zu berichten. „Aber vollkommen zu Unrecht“, sagt Zimmer, geht es ihm, der auch Präsident des neugegründeten „Hanf Verband Lëtzebuerg (HVL)“ ist, darum, mit seinem Angebot „zu beruhigen, und nicht zu berauschen.“

Gegen das herrschende Image ankämpfen

Denn viele Menschen verwechseln CBD (Cannabidiol) mit dem oder einem Rauschmittel, „das aber keins ist“, sagt Zimmer. Unabhängig von der konsumierten Menge werde man von Cannabidiol nämlich nicht high - es fehle der Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabidiol) - daher ist daher legal.

Cannabidiol ist ein somit kaum psychoaktives Cannabinoid. Medizinisch wirkt es entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend und gegen Übelkeit. Immerhin erlaubt mittlerweile auch die Luxemburger Gesetzgebung die Nutzung von Cannabis-Sorten, die einen THC-Gehalt unter 0,3 Prozent aufweisen. Die Nutzung des Cannabidiol und der gezüchteten Hanfpflanze, „ihrer Blüten“, wird, trotz der nicht Anerkennung des CBD in der Medizin, von Wissenschaftlern als positiv bezeichnet und mehrfach unter anderem bei Krebspatienten, Schizophrenie und vielen verschiedenen Autoimmunerkrankungen genutzt. In den USA, den Niederlanden oder Israel wird CBD längst zu Therapiezwecken eingesetzt.

Seit 1999 gibt es bereits das „Placebo“ in Luxemburg, wobei Hanf bereits hierzulande seit 1995 von Pionier Norbert Eilenbecker gezüchtet wird. Das Placebo war der erste CBD-Shop seiner Art in Luxemburg, seit 2016 läuft der Verkauf der CBD-Blüten, die Zimmer als Produkte aus der Schweiz oder auch aus Frankreich bekommt. „1999 wurde der Shop nach zwei Wochen schon wieder zugemacht“, erzählt Zimmer über die Geschichte des Shops. „Der damalige Geschäftsführer Guy Munhowen setzte sich entsprechend gerichtlich zur Wehr, nur dadurch gibt es uns heute noch“. Damals hatte man nur Zubehör im Sortiment, „Pfeifen und so etwas“, sagt Zimmer, und doch sei man immer wieder als Dorn im Auge der Obrigkeit aufgefallen. So werde das Placebo auch heute noch immer als „Negativ-Beispiel“ angeführt, von dem man sich fernzuhalten habe - „ein Unding“, findet Zimmer, setzt man sich doch hier selbst entsprechende Hürden und Ziele. „Wir haben selbst hausintern den Zugang auf 18 Jahre gesetzt, auch wenn wir es nicht müssten.“ So wird entsprechend im Shop auch eine Art Präventionsarbeit betrieben. „Wenn wir erkennen, dass die Produkte für die Leute nicht gut sind, reagieren wir auch entsprechend“, beschreibt Zimmer.

Was den Kundenstamm des Placebos angeht, „so haben wir hier von A bis Z alles und jeden“, sagt Zimmer. Ihre Produkte sieht Zimmer bei vielen Konsumenten, die vom Rauchen mit der berauschenden Droge abkommen wollen, aber doch das Ritual beibehalten wollen.

Einen Namen machte sich Zimmer, als er zusammen mit Munhowen und Joé Schmit mit der Petition 1031 zur „Legalisierung des Cannabis mittels Coffeeshops“ auftrat, die binnen kürzester Zeit die Hürde der 4.500 Unterschriften überschritten hatte, um eine parlamentarische Debatte zum Thema auszulösen. Am Ende kamen fast 7.500 Unterschriften zusammen, und die Mitstreiter konnten ihr Anliegen in der „Chamber“ vorbringen. „Es geht uns um die Sache, vielen anderen - auch Schwarzen Schafen hier in Luxemburg - geht es nur uns Geld“, sagt Zimmer.

Aufklärungsarbeit und Kontrolle

Daher auch die Gründung des Luxemburger Hanfverbandes. „Mancherorts - auch hier in Luxemburg - wird mit falscher Werbung und Etikettierung gearbeitet, das geht nicht“, berichtet der Präsident, der so eine enge Zusammenarbeit auch mit den zuständigen Autoritäten anstrebt. „Die ersten Gespräche sind seit unserer Gründung im letzten Jahr bereits geführt, aber in diesem Jahr wollen wir alles weiter vertiefen.“

 www.placebo.lu - Adresse: 41 avenue de la Gare in Luxemburg; auch auf Facebook unter Placebo TheShop

 Der Hanf Verband Lëtzebuerg (HVL) ist auf Facebook präsent