Ein Rückschlag für Portugal. Erst kürzlich hat das Land das europäische Hilfsprogramm verlassen, jetzt muss es vom übrig gebliebenen Kapital des Hilfsfonds 4,9 Milliarden Euro als Hilfskredit für die Rettung der Banco Espírito Santo (BES) ausgeben.
Die Richtung Pleite taumelnde Großbank wird zudem von faulen Geschäften gereinigt. Zentralbank-Chef Carlos Costa gab den Rettungsplan in der Nacht zum Montag in Lissabon bekannt.
Die BES hatte am letzten Mittwoch für das erste Halbjahr einen Rekordverlust von 3,57 Milliarden Euro bekanntgegeben. Die Notenbank sprach von „Hinweisen“ auf illegale Geschäfte. Das Abwicklungsprogramm sehe „im Gegensatz zu früheren Lösungen überhaupt keine Kosten“ für den Staat oder für den Steuerzahler vor.
Abwicklungsfonds hat nur380 Millionen Euro
Das Geld für die Finanzspritze für die BES soll von einem 2012 auf Druck der Geldgeber gegründeten und von Banken finanzierten Abwicklungsfonds bereitgestellt werden. Da der Fonds, der die Bank kontrollieren wird, vorerst nur über 380 Millionen Euro verfügt, will der Staat das Geld leihen und dazu die von der „Troika“ aus EU, europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) für den Finanzsektor zur Verfügung gestellten Mittel benutzen. In dieser Kasse sind nach amtlichen Angaben noch 6,4 Milliarden Euro. Bei einem späteren Verkauf von Anteilen der Bank an private Investoren erhofft sich Lissabon, das Geld, mit dem man die Bank nun rettet, zurückzuerhalten. Der Erfolg ist offen. Der Hauptaktionär der BES hat bereits Insolvenz angemeldet; auch andere Töchter der Gruppe Espírito Santo haben Gläubigerschutz beantragt.
Herbe Verluste für Aktionäre
Weniger Glück hatten die Aktionäre, darunter die französische Bank Crédit Agricole (15 Prozent), die mit herben Verlusten rechnen müssen. „Sie werden die Verantwortung für die verbleibenden Risiken tragen müssen“, sagte Costa.
Die Aktien der BES waren vergangene Woche an der Börse in Lissabon um 73 Prozent auf 12 Cent eingebrochen, der Marktwert von BES ist damit auf 675 Mio. Euro geschrumpft. Während vorrangige Gläubiger und Einlagekunden nicht zur Kasse gebeten werden, kommen auf die Gläubiger nachrangiger Anleihen Verluste zu. „Die Wahrscheinlichkeit, noch Geld zu erhalten, ist für die nachrangigen Anleihegläubiger minimal“, sagt Nuria Alvarez, Analystin bei Renta 4 Banco SA in Madrid.
Nach der Entscheidung der zuständigen portugiesischen Behörde Comissão do Mercado de Valores Mobiliários über die Aussetzung des Handels mit Finanzinstrumenten der Banco Espirito Santo hat gestern auch die Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) die Papiere der BES Finance SA und Espirito Santo SPS vom Handel an der Börse Luxemburg ausgeschlossen.


